Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Individualisierte Brustkrebs-Therapie an der Erlanger Uni-Frauenklinik

13.10.2009
Im Universitäts-Brustzentrum Franken (UBF) der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) wird jetzt bei Frauen mit einer Brustkrebserkrankung im Rahmen einer europaweiten Studie ein Gentest eingesetzt.

An frischem Tumorgewebe soll ermittelt werden, wie hoch das Brustkrebsrückfallrisiko ist und so die Therapieentscheidung unterstützt werden. "Der Vorteil für Patientinnen ist, dass bei bestimmten Tumortypen die Chemotherapie wegfallen kann, die bislang routinemäßig durchgeführt wurde", sagte Prof. Beckmann.

In Deutschland nehmen momentan 15 Kliniken an der MINDACT-Studie teil. In Bayern ist das UBF das einzige teilnehmende Zentrum. Weitere Informationen finden sich im Internet unter http://www.frauenklinik.uk-erlangen.de.

"Die Verwendung des neuen Gentests könnte in Verbindung mit der herkömmlichen pathologischen Untersuchung ein präziseres Bild des Rückfallrisikos für die jeweilige Patientin erbringen", sagte Prof. Beckmann. Dadurch ließen sich bei 10 - 20 % der Brustkrebspatientinnen mit nicht befallenen bzw. bis zu drei befallenen Lymphknoten eine Chemotherapie und die damit verbundenen Nebenwirkungen vermeiden.

Im Rahmen der Studie wird eine Tumorgewebeprobe der Patientin bei der Operation entnommen und speziell aufgearbeitet. Diese werden sowohl mit den herkömmlichen, als auch mit den neuen Untersuchungsmethoden (Gentest) untersucht. Dann wird anhand der Untersuchungsergebnisse entschieden, welche Patientin eine Chemotherapie erhalten sollte und für welche Patientin eine Chemotherapie nicht notwendig ist.

An der Studie sind europaweit 6.000 Frauen beteiligt. Diese so genannte MINDACT-Studie (Microarray for Node Negative and 1 to 3 Positive Nodes Disease may Avoid ChemoTherapy) ist Teil des EU-Forschungsprojektes TRANSBIG und wird in Deutschland von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Die MINDACT-Studie soll die traditionelle Methode zur Beurteilung der Aggressivität eines Tumors mit der neuen Methode, der 70-Gen-Signatur (Gentest) vergleichen. Untersucht werden Frauen ohne Lymphknotenbefall und solche mit nur bis zu drei befallenen Lymphknoten.

Neue Technologien für ein individuelles Vorgehen
Dank der Fortschritte im Bereich der molekularen Tumorgenetik besteht ein besseres Verständnis der biologischen Unterschiede zwischen verschiedenen Tumoren. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Brustkrebs eine ausgesprochen heterogene Erkrankung mit mehreren Untertypen ist, d. h. es gibt viele unterschiedliche Arten von Brustkrebs. "Deshalb ist es notwendig die Therapie als "individualisierte Therapie", d. h. auf die einzelne Betroffene eine zugeschnittene Therapie auszurichten", fordert Prof. Beckmann.

Der Gentest wurde in den Niederlanden entwickelt, um Patientinnen identifizieren zu können, die eine Chemotherapie eventuell nicht benötigen. Der Test analysiert die Aktivität von 70 Genen in Brustkrebszellen, die Aufschluss über die Aggressivität des Tumors geben, und bewertet dann das Risiko der Patientin, einen Rückfall zu erleiden. Dieses Rückfallrisiko ist die Grundlage für die Therapieentscheidung. Falls bei einer Frau eine Brustkrebserkrankung diagnostiziert wurde und sie noch nicht operiert ist, kann sie sich zur Teilnahme an der Studie unter Tel.: 09131/85-36167 melden.

Brustkrebs ist bei Früherkennung in 80 % der Fälle heilbar
Bisher basierte die Therapieentscheidung auf klinischen Eigenschaften und Befunden aus der Untersuchung durch die Pathologie, wie zum Beispiel der Tumorgröße, den befallenen Lymphknoten (Nodalstatus), dem Entartungsgrad des Tumors (Grading) und eventuell vorhandener Hormon- und Wachstumsfaktor- (Human epidermal growth factor receptor 2, Her2/neu) Rezeptoren in bzw. auf den Tumorzellen. Zusätzlich sind das Alter der Patientin und der Wechseljahresstatus wichtige Therapiekriterien.

Frauen ohne Lymphknotenbefall bzw. einem Lymphknotenbefall von maximal drei Lymphknoten haben ein geringeres Rückfallrisiko als Frauen mit mehr als drei Lymphknotenmetastasen. Diese Patientinnen erhalten jedoch häufig trotzdem eine Chemotherapie, da die derzeitige Datenlage für die Gesamtgruppe einen Vorteil zeigt. Ein Teil dieser Patientinnen profitiert aber nicht davon. Bisher war es jedoch nicht möglich, diese Frauen zu identifizieren.

Jährlich erkranken 57.500 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs. "Wenn Brustkrebs früh diagnostiziert und behandelt wird, ist die Erkrankung in mehr als 80 % der Fälle heilbar", so Prof. Beckmann.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann
Tel.: 09131/85-36167
fk-studienzentrale@uk-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Cybersicherheit für die Bahn von morgen

24.03.2017 | Informationstechnologie

Schnell und einfach: Edge Datacenter fürs Internet of Things

24.03.2017 | CeBIT 2017

Designer-Proteine falten DNA

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie