Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immuntherapie: T-Gedächtniszellen zum Schutz vor Infektionen

01.08.2016

In einer klinischen Studie im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) erhalten Leukämiepatienten nach einer Knochenmarktransplantation erstmals speziell aufgereinigte Zellen des Immunsystems, so genannte T-Gedächtniszellen. Die besonderen Immunzellen sollen die Patienten vor Infektionen schützen, bis deren eigene Abwehr funktioniert. Die Studie gilt als „Proof of Concept“ für ein Verfahren, das auch bei anderen Krankheiten anwendbar sein könnte.

„In dieser Studie geht es zuallererst darum, den Patienten zu helfen, die an schwerer Leukämie erkrankt sind und nur durch eine Knochenmarktransplantation geheilt werden können“, erklärt Dr. Michael Neuenhahn von der TU München. Gemeinsam mit Prof. Dirk Busch, ebenfalls TU München, leitet er die klinische Studie der Phase I/II, in der vor kurzem der erste Patient behandelt werden konnte.


Die Herstellung von Zellprodukten erfolgt unter hochreinen Bedingungen.

TUM/M.Neuenhahn

Normalerweise sind die Patienten nach einer Knochenmarktransplantation in großer Gefahr: Ihr Immunsystem, das zuvor gemeinsam mit den kranken Zellen ausgeschaltet wurde, muss sich erst wieder neu aufbauen, was bis zu einem Jahr dauern kann. Diese Immunschwäche können Infektionserreger ausnutzen und schwere Krankheiten auslösen.

Beispiele sind Herpesviren wie das Zytomegalie- oder das Epstein-Barr-Virus. Um diese Komplikationen zu vermeiden, verabreichen die Wissenschaftler nun prophylaktisch speziell aufbereitete T-Gedächtniszellen in geringer Menge. Sie können die häufig auftretenden Infektionserreger erkennen und abwehren.

„Die speziell aufgereinigten T-Gedächtniszellen, Untergruppen der T-Lymphozyten, werden in der aktuellen Studie weltweit erstmals in dieser Form verabreicht“, erklärt Dirk Busch. Gemeinsam mit der Firma JUNO hat der Wissenschaftler in den letzten Jahren ein innovatives Zellaufreinigungsverfahren entwickelt, mit dem die gewünschten Zellen ganz gezielt aus dem Blut eines gesunden Spenders isoliert werden können.

In vielen Vorversuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass vor allem diese Zellen schon in geringster, gut verträglicher Dosierung Schutz vor Infektionen bieten. Ein großer Vorteil, denn T-Zellen können Segen und Fluch sein. Gibt man sie in zu großer Menge ungefiltert an Patienten weiter, kann es zu Abstoßungsreaktionen kommen, bei denen die T-Zellen auch die gesunden Zellen angreifen. Sind sie allerdings gar nicht vorhanden, vermehren sich die gefürchteten Infektionserreger.

„Unser Ziel ist es, das Infektionsrisiko zu verringern, ohne Abstoßungsreaktionen zu riskieren“, erklärt Neuenhahn und ist nach allen Vorversuchen zuversichtlich, dass es funktioniert. 30 Leukämiepatienten sollen im Laufe eines Jahres prophylaktisch die T-Zellen erhalten. Die Dosierung wird jeweils langsam gesteigert, um die optimale Dosis zu ermitteln. Die Patienten werden in kurzen Zeitabständen auf Infektionen untersucht. Die Aufreinigung der Zellen findet unter Reinraumbedingungen in München statt. Studienpatienten können in Würzburg sowie an den DZIF-Standorten Tübingen und Hannover behandelt werden.

Die Studie ist ein gutes Beispiel für erfolgreiche Translation im DZIF. Zum ersten Mal konnte eine Entwicklung von der Grundlagenforschung bis hin zum Zellprodukt verwirklicht werden, das Patienten zugutekommt. „Wir sind sehr überzeugt von diesen T-Gedächtniszellen“, so Dirk Busch. Sie schützen vor Infektionen mit einer ganzen Reihe von Erregern. Busch sieht die Studie außerdem als „Proof of Concept“, der das Verfahren für den breiten klinischen Einsatz öffnen kann. Zum einen als Infektionsprophylaxe auch bei anderen Organtransplantationen und Situationen, in denen das Immunsystem des Patienten geschwächt ist. Zum anderen mache die Technologie es aber auch möglich, die Zellen in der Zukunft so zu manipulieren, dass sie Krebszellen gezielt angreifen können.

Kontakt

Prof. Dirk Busch
Technische Universität München
DZIF-Schwerpunkt „Infektionen im immungeschwächten Wirt“
T +49 89 4140 4120
E-Mail: dirk.busch@tum.de

Dr. med. Michael Neuenhahn
Technische Universität München
DZIF-Schwerpunkt „Infektionen im immungeschwächten Wirt“
T +49 89 4140 7454
michael.neuenhahn@tum.de

Karola Neubert | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
Weitere Informationen:
http://www.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte