Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immuntherapie gegen Hautkrebs und Pankreaskarzinom

09.03.2009
Die Immuntherapie von Tumoren benutzt das körpereigene Immunsystem, um Tumorzellen zu erkennen und abzutöten.

Damit solche vielversprechenden Behandlungsansätze funktionieren können, muss das Immunsystem Merkmale des Tumors, sogenannte Antigene, sehen und angreifen können. Unsere Arbeitsgruppen am Georg-Speyer-Haus in Frankfurt (Dr. Martin Zörnig) und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg (Prof. Dirk Jäger) suchen in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Ansatz nach neuen Werkzeugen, um das eigene Immunsystem gegen Melanome und Pankreaskarzinome zu aktivieren.

Bisher waren Immuntherapieansätze nur in Einzelfällen wirksam. Nicht selten haben Tumorzellen die Zielantigene für das Immunsystem verloren und können sich so einer Immunerkennung entziehen. Für die Durchführung einer Immuntherapie werden Antigene, bzw. Bruchstücke dieser Antigene (sogenannte Peptide) zusammen mit einer Immun-stimulierenden Substanz den Patienten wiederholt gespritzt. Nach einigen Wochen bildet der Patient in der Regel eine Immunantwort gegen das betreffende Antigen aus. Idealerweise sollte sich diese Immunantwort dann auch gegen Antigen-tragende Tumorzellen richten und diese abtöten.

Für viele verschiedene Tumorarten gibt es bekannte Antigene, die vom Immunsystem erkannt und die für eine Immuntherapie eingesetzt werden können. In den meisten Fällen ist allerdings die normale Funktion dieser Antigene in der Tumorzelle nicht bekannt. Mit Hilfe eines besonderen Suchverfahrens (Screening), das wir in unserem Frankfurter Labor mit Tumormaterial in Hefezellen durchführen, identifizieren wir Tumormoleküle, die die sogenannte Apoptose in den Tumorzellen verhindern.

Apoptose ist ein genetisches Programm, das nach seiner Anschaltung zum Selbstmord der Zelle führt. Dieser Zellsuizid spielt unter normalen Umständen in einem gesunden Organismus eine wichtige Rolle z.B. bei der Embryonalentwicklung, der Gleichgewichtserhaltung und zellulären Erneuerung von Organen (Homeostase) und für die Beseitigung gefährlicher (z. B. infizierter oder transformierter) Zellen im Organismus.

Zusätzlich zu der Fähigkeit, sich unbegrenzt teilen zu können, sind Tumorzellen im Unterschied zu normalen Zellen auch resistent gegen Signale geworden, die Apoptose auslösen. Damit sind sie zum Beispiel widerstandsfähiger gegen Sauerstoff- und Nährstoffmangel. Die erhöhte Apoptoseresistenz in Tumorzellen ist häufig auf die unnatürlich hohe Menge apoptosehemmender Moleküle zurückzuführen.

Unsere Arbeitsgruppe am NCT in Heidelberg wird die im Hefe-Screening gefundenen anti-apoptotischen Tumormoleküle daraufhin überprüfen, ob das Immunsystem von Melanom- und Pankreaskarzinompatienten diese Moleküle erkennen und über eine solche Erkennung die Tumorzellen eliminieren kann. Wenn dies der Fall ist, können diese Moleküle für eine Impfung von Krebspatienten eingesetzt werden.

Ein weiterer Vorteil unseres Screeningverfahrens in der Hefe ist die Tatsache, dass die gefundenen Apoptose-hemmenden Moleküle von den Tumorzellen unbedingt gebraucht werden. Sie bieten sich deshalb auch als direktes Ziel für eine Hemmung im Rahmen einer molekularen Therapie an. Wenn die Funktion dieser Moleküle über einen geeigneten Wirkstoff in den Tumorzellen beeinträchtigt wird, stirbt die Tumorzelle besonders schnell und effektiv, wenn in Kombination mit dem Wirkstoff ein zytotoxisches Chemotherapeutikum gegeben wird.

Über den immuntherapeutischen Ansatz hinaus werden wir daher unsere gefundenen neuen apoptosehemmenden Moleküle gezielt durch den Einsatz sogenannter "siRNAs" in Tumorzellen inaktivieren und untersuchen, ob sich damit das Tumorwachstum in einem Mausmodell verlangsamen oder sogar verhindern lässt. Sollte dies der Fall sein, werden wir in weiteren Experimenten untersuchen, ob sich die entsprechenden Gene tatsächlich als "Target" für therapeutische Ansätze in der klinischen Anwendung eignen.

Kontakt:
Dr. Martin Zörnig, Chemotherapeutisches Forschungsinstitut, Georg-Speyer-Haus
Telefon: +49/69-6339515 / E-Mail: zoernig@em.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Dirk Jäger, Medizinische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum Heidelberg

Telefon: +49/6221-56 7229 / E-Mail: dirk.jaeger@nct-heidelberg.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics