Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immunstimulans behebt das Versagen von Immunzellen

04.08.2009
GM-CSF könnte schwerkranken Patienten mit Blutvergiftung helfen

Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin konnten in einer Studie jetzt erstmals zeigen, dass das Immunstimulans GM-CSF ein Versagen von bestimmten Immunzellen bei Patienten mit einer schweren Blutvergiftung beseitigen kann. GM-CSF ist eine Substanz, welche das Immunsystem aktiviert und stärkt.

Das Team um Prof. Hans-Dieter Volk und Dr. Christian Meisel vom Institut für Medizinische Immunologie, und Dr. Jörg Christian Schefold von der Medizinischen Klinik für Nephrologie und internistische Intensivmedizin, berichtet in der aktuellen Ausgabe des American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine*, wie ihnen dieser Wirkungsnachweis gelungen ist.

Bei Patientinnen und Patienten mit einer schweren Blutvergiftung, auch Sepsis genannt, kann das Immunsystem versagen. Die für die Immunabwehr verantwortlichen Fress- und Entzündungszellen, die so genannten Monozyten, arbeiten dann nicht mehr vollständig. Auslöser für eine Sepsis ist eine schwere Infektion, wie beispielsweise eine Lungenentzündung. "Die Sepsis ist ein zunehmendes Problem mit dem wir als Intensivmediziner täglich auf der Station konfrontiert sind", sagt Dr. Schefold. Für schwerkranke Patienten sei die Aufrechterhaltung der Immunabwehr besonders wichtig, da weitere Infektionen den Krankheitsverlauf erheblich verschlechtern können. "Die unterschätzte Erkrankung Sepsis fordert allein in Deutschland mehr als 60.000 Todesopfer pro Jahr", fügt er hinzu.

Die Untersuchung wurde an 38 Patienten in drei verschiedenen Intensivstationen durchgeführt. Die Ärzte teilten sie zufällig in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe erhielt die derzeit bestmöglichste Behandlung und zusätzlich acht Tage lang das Immunstimulans GM-CSF. Die Kontrollgruppe bekam dieselbe Behandlung, aber ohne Zugabe der immunstimulierenden Substanz. Erhielten die Patienten das Immunstimulans, konnte das Versagen der Monozyten rasch behoben werden. Bei allen 19 behandelten Patienten nahmen die Immunzellen die Arbeit wieder auf. In der Kontrollgruppe ist dies in nur 3 Fällen vorgekommen.

"Wir konnten in unserer Studie beobachten, dass GM-CSF das Versagen entsprechender Immunzellen beseitigen kann. Auch der Aufenthalt der Patienten auf der Intensivstation und generell im Krankenhaus war kürzer", erklärt Dr. Schefold. Das Immunstimulans GM-CSF wurde bislang hauptsächlich bei Tumorerkrankungen eingesetzt. "Im nächsten Schritt planen wir eine größere Studie, um zu klären, ob die hohe Sterblichkeitsrate bei Sepsis durch den Einsatz von GM-CSF verringert werden kann", sagt Dr. Schefold.

Quelle: Meisel C, Schefold JC et al. GM-CSF to reverse sepsis-associated immunosuppression: a double-blind randomized placebo-controlled multicenter trial. In: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 2009. e-pub ahead of print July 9, 2009 (doi:10.1164/rccm.200903-0363OC).

Kontakt:
Dr. Jörg C. Schefold
Med. Klinik m. S. Nephrologie u. internistische Intensivmedizin
Interdisziplinäre Intensivstation 43
Campus Virchow-Klinikum
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 665 537

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE