Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HTA-Bericht: Beschichtete Katheter können Blutbahninfektionen vermeiden

12.09.2012
Der Einsatz bestimmter Antibiotika-beschichteter Venenkatheter kann bei Intensivpatienten Blutbahninfektionen vermeiden.
So das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung, die das DIMDI jetzt veröffentlicht hat. Auch ließen sich damit Kosten einsparen. Allerdings erlaubten die zugrunde gelegten Studien keine uneingeschränkt gültigen Aussagen, so die Autoren.

Betrachtet hatten sie dabei Minocyclin/Rifampicin (MR)-beschichtete zentralvenöse Katheter (ZVK), die in der Intensivmedizin eingesetzt werden. Zu deren Wirksamkeit und Kosteneffektivität haben sie den nun vorliegenden HTA-Bericht erstellt (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Die Ergebnisse im Volltext erhalten Sie kostenfrei beim DIMDI.

Ergebnisse des HTA-Berichts
Für ihren HTA-Bericht identifizierten die Autoren per systematischer Literaturrecherche 15 Studien für die medizinische und vier für die gesundheitsökonomische Bewertung. MR-beschichtete Katheter senken demnach die Infektionsrate verglichen zu herkömmlichen oder anderen antimikrobiell beschichteten ZVK. So war in einer Studie unter MR-ZVK das Risiko für Blutbahninfektionen und die Ansiedlung von Keimen am ZVK nur halb so hoch wie unter herkömmlichen ZVK.

Die Studien zur Kosteneffektivität zeigen Kosteneinsparungen mit MR-beschichteten ZVK von rund 100 EUR pro Patient. Dabei sind die Einsparungen umso größer, je länger ein ZVK gelegt ist, was durch das mit der Zeit steigende Infektionsrisiko zu erklären ist.

Eingeschränkte Aussagekraft
Mögliche Nebenwirkungen und das Risiko potentieller Resistenzentwicklungen untersuchen die eingeschlossenen Studien nur ansatzweise. Beispielsweise gehen lediglich zwei der acht herangezogenen randomisierten kontrollierten Studien (RCT) explizit auf allergische Reaktionen ein, finden jedoch keine Hinweise darauf. Allerdings seien RCT laut Studien eher ungeeignet, um seltene Ereignisse zu identifizieren. Geeigneter sind klinische Überwachungen, so die Autoren. In den berücksichtigten RCT fanden sie auch keine Hinweise auf eine Resistenzentwicklung gegen Minocyclin und Rifampicin, die aus In-vitro-Studien durchaus bekannt seien. Zu diesen seltenen Ereignissen können die Autoren daher keine Aussagen treffen.

Auch die Aussagen zur Wirksamkeit sind wegen der eher kleinen Stichproben der Studien nur eingeschränkt gültig, so die Autoren weiter. Auffallend finden sie, dass seit 2002 keine weiteren RCTs durchgeführt wurden. Die große Zahl systematischer Übersichtsarbeiten jedoch zeige den bestehenden hohen Informationsbedarf in der Fachöffentlichkeit. Beispielhaft nennen sie dazu die ungeklärte Situation hinsichtlich einer möglichen Resistenzbildung. Darüber hinaus sei zu beachten, dass alle bislang vorliegenden RCTs mit Unterstützung der Herstellerfirmen durchgeführt wurden und fünf von acht RCTs vom selben Autorenkollektiv stammen.

ZVK in der Intensivmedizin
In der Intensivmedizin gehören ZVK zu den routinemäßig genutzten Medizinprodukten, sowohl zu therapeutischen wie diagnostischen Zwecken. Ihr Einsatz ist mit Risiken wie Blutbahninfektionen verbunden. In Deutschland liegt diese Infektionsrate laut den im Bericht eingeschlossenen Studien bei 1,3 bis 2,1 pro 1.000 Tagen, an denen Patienten ZVK tragen. Dies entspräche für 2010 bis zu 10.000 Fällen oder rund 10% aller Infektionen auf Intensivstationen. Neben den herkömmlichen Kathetern ohne Beschichtung gibt es beschichtete Produkte. Die MR-Beschichtung ist dabei eine von drei etablierten Typen. Verwendet wird daneben Chlorhexidin/Silber-Sulfadiazin (CHSS) oder Silberionen-Platin/Karbon (SPK).

(Medizinische Wirksamkeit und Kosteneffektivität von Minocyclin/Rifampicin-beschichteten zentralvenösen Kathetern zur Prävention von Blutbahninfektionen bei Patienten in intensivmedizinischer Betreuung; Silke Neusser, Eva Maria Bitzer, Ingeborg Mieth, Christian Krauth)

HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und rund 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Sven Borowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-329.elnk
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-329-zusammenfassung.elnk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie