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Hornhauttransplantationen mit weniger Nebenwirkungen: Neues Antibiotikum könnte Kortison einsparen

07.07.2014

Ein häufig in Augentropfen verwendetes Antibiotikum kann mehr als nur Bakterien bekämpfen.

Neue Ergebnisse der Grundlagenforschung zeigen: Azithromycin hemmt Immunzellen und könnte deshalb die Erfolgschancen von Hornhauttransplantationen steigern. Vor einem routinemäßigen Einsatz sind nach Einschätzung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) jedoch klinische Studien erforderlich.

Jedes Jahr bekommen etwa 5000 Patienten an deutschen Universitätskliniken dank Organspende eine neue Hornhaut für das Auge. Mit einer Erfolgsrate von 90 Prozent ist die Verpflanzung der menschlichen Hornhaut die sicherste Organtransplantation.

Doch in einigen Fällen entzündet sich nach der Operation das Auge und es kann zu einer Abstoßungsreaktion kommen. Dem beugen Ärzte nach dem Eingriff vorrübergehend mit kortisonhaltigen Augentropfen vor. Die Behandlung ist zwar wirksam, aber nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen, bemerkt Professor Dr. med. Thomas Reinhard, Schatzmeister der DOG. „Kortison verlangsamt die Wundheilung und erhöht die Infektionsgefahr, es kann sogar die Transparenz der neuen Hornhaut mindern und damit das Sehvermögen erneut beeinträchtigen“, erläutert der Direktor der Klinik für Augenheilkunde an der Universität Freiburg.

Die Forschung sucht deshalb intensiv nach Alternativen. Eine Lösung könnte das Antibiotikum Azithromycin bieten. Augenärzte behandeln damit seit vielen Jahren Infektionen, etwa bei eitrigen Lid- und Bindehautentzündungen, aber auch Infektionen der Hornhaut. Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Arzneistoff neben der antibiotischen auch eine antientzündliche Wirkung erzielt, die bei Hornhauttransplantationen nützlich sein könnte.

Mitarbeiter des Grundlagenlabors der Klinik für Augenheilkunde in Freiburg untersuchten das systematisch an Ratten. Ihre Experimente ergaben: Das Antibiotikum vermindert die Schwellung und Trübung der Hornhaut nach der Operation und verhindert das Eindringen von Abwehrzellen, die eine Abstoßungsreaktion auslösen können. Im Kontrollversuch ohne Wirkstoff, trübte sich die Hornhaut und wurde abgestoßen. „Nach diesen vielversprechenden Ergebnissen sind nun klinische Studien notwendig. Vermutlich werden die Azithromycin-Augentropfen Kortison nicht vollständig ersetzen“, sagt Dr. med. Katrin Wacker, „jedoch können sie es ermöglichen, dessen Therapiedauer zu verkürzen und die notwendige Kortisondosis zu senken. Die Behandlung erhöht die Erfolgschancen der Operation und minimiert die Risiken durch die notwendige antientzündliche Therapie nach der Transplantation.“

Da Azithromycin ein zugelassener Wirkstoff ist, können weitere Studien ohne weitere tierexperimentelle Versuche starten. Professor Reinhard meint: „Wir hoffen, dass dieses Antibiotikum die Erfolgsrate der Hornhauttransplantation weiter erhöht und die Sehstärke der Patienten nach der Operation verbessert.“ All dies sei nur möglich, wenn die Augenheilkunde auf ausreichend Spenderhornhäute zurückgreifen kann. Dafür sei die Bereitschaft, Gewebe und Organe zu spenden, eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung der Bevölkerung.

Literatur: Wacker, K et al. Short-Term Azithromycin Treatment Promotes Cornea Allograft Survival in the Rat. PLoS One 2013; 8: e82687

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

 
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
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Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.dog.org

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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