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Hohe MOG-Antikörper-Konzentrationen im Blut finden sich nicht bei Kindern mit MS

14.09.2017

Forschergruppe der UW/H konnte zeigen, dass vielmehr eine eigenständige, neue Gruppe von Erkrankungen vorliegt

Wenn Kinder eine hohe Konzentration von Antikörpern gegen Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) im Blut zeigen, muss das nicht – wie bisher angenommen – ein Hinweis auf beginnende Multiple Sklerose (MS) sein.


Prof. Dr. Kevin Rostasy

Eine internationale Gruppe von Kinderärzten unter der Leitung von Prof. Dr. Kevin Rostasy von der Vestischen Kinderklinik der Universität Witten/Herdecke (UW/H) konnte in einer Studie vielmehr zeigen, dass Kinder mit MOG-Antikörper andere entzündliche Erkrankungen der weißen Gehirnsubstanz haben. Diese Entzündungen sind auch im weiteren Verlauf nicht mit einer MS assoziiert und stellen möglicherweise eine neue eigenständige Erkrankungsgruppe dar.

Eine der Erkrankungen im Kindesalter bei der sich MOG-Antikörper finden, ist die „akute demyelinisierende Enzephalomyelitis (ADEM)“. Sie tritt häufig bei Kindern eine bis vier Wochen nach einer Virusinfektion auf. Die Symptome sind sehr vielfältig und reichen von Wesensveränderungen, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und neurologischen Zeichen wie halbseitige Lähmungen und Sehproblemen.

Ältere Kinder entwickeln dagegen häufig eine einseitige Sehnervenentzündung (Optikus Neuritis). Bisher waren MOG-Antikörper in Verbindung mit MS gebracht worden, weil in Tiermodellen zur MS die Applikation von MOG-Antikörper zu einer Verschlechterung der Symptome geführt hat.

In der vorliegenden internationalen prospektiven Studie mit 220 Kindern konnten die Forscher außerdem zeigen, dass Kinder, die anhaltende hohe MOG-Antikörper im Serum aufweisen, eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, weitere Episoden zu entwickeln und auf die Basistherapeutika, die in der kindlichen MS verwendet werden, sehr schlecht ansprechen. Weitere Untersuchungen sind nun notwendig, um die optimale immunmodulatorische Therapie für diese Kinder mit MOG-Antikörper zu finden.

Die Studie wurde in der renommierten amerikanischen Zeitschrift Neurology veröffentlicht (http://www.neurology.org/content/89/9/900.short) und auch mit einem extra Podcast verbreitet (https://www.aan.com/rss/index.cfm/getfile/AAN_3330.mp3)

Zum Hintergrund:
Das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) ist ein wichtiger Bestandteil der Myelinscheide, also der Hülle um die Nervenbahnen des zentralen Nervensystems von Gehirn und Rückenmark. Die Nervenfasern werden normalerweise von einer schützenden Hülle umgeben, die aus Fett und Eiweiß besteht - dem Myelin. Diese Hülle isoliert die Nervenfasern und sorgt dadurch für eine schnelle Weiterleitung der elektrischen Signale. Bei einer MS-Erkrankung können infolge einer Fehlfunktion des Immunsystems körpereigene Zellen wie Lymphozyten und Makrophagen das Myelin der Nervenfasern und/oder die Nervenzellen selbst angreifen (Demyelinisierung). Dadurch bilden sich entzündliche „Löcher“ (Plaques), in die umliegende Bindegewebszellen eindringen und diese „Löcher“ dann vernarben lassen. Durch diesen Vorgang hat die Erkrankung ihren Namen erhalten: „Multiple Sklerose = mehrfache Verhärtungen“.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Kevin Rostasy, 02363-975-226, K.Rostasy@kinderklinik-datteln.de>

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Kay Gropp | Universität Witten/Herdecke
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