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Hoffnung für Musiker mit Dystonie: Eine neue Behandlungsmethode löst den gefürchteten Musikerkrampf

09.05.2014

Apollos Fluch, die Musikerdystonie, ist eine Erkrankung, die zum Verlust der feinmotorischen Kontrolle beim Musizieren führt und häufig die Berufsunfähigkeit bedingt.

Dr. Shinichi Furuya und Prof. Dr. Eckart Altenmüller an der Hochschule für Musik, Theater und Medien haben gemeinsam mit den Neurophysiologen Prof. Dr. Walter Paulus und Prof. Dr. Michael Nitsche von der Universität Göttingen eine neue, vielversprechende Behandlungsmethode für Dystonie entwickelt.

Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im international renommierten Magazin „Annals of Neurology“ erschienen.

Das tückische Leiden der Musikerdystonie erzeugt unwillkürliche Verkrampfungen der Hand und betrifft etwa ein bis zwei Prozent der Berufsmusikerinnen und -musiker. Oft sind gerade besonders erfolgreiche Musikerinnen und Musiker davon betroffen. Beispiele sind die Pianisten Leon Fleisher, Gary Graffman und Michel Beroff.

Die Ursache der Erkrankung liegt in einer Störung der motorischen Steuerprogramme in der Großhirnrinde. Bisherige Behandlungen umfassten regelmäßige Injektionen in die krampfenden Muskeln mit Botulinum-Toxin oder ein sehr zeitaufwändiges Trainingsprogramm, das sich nicht selten über Jahre hinzog. Die neue Methode aus Hannover und Göttingen hemmt mit leichten Strömen die für die kranke Hand zuständige motorische Hirnrinde, um die Signale des Krampfes zu dämpfen.

Auf der anderen Hirnhälfte werden die motorischen Steuerzentren für die gesunde Hand aktiviert. Dadurch wird das gesunde Steuersignal über den Balken, die mächtige Verbindung zwischen beiden Hirnhälften, auf die erkrankte Seite übertragen. Während der Hirnstimulation führen die betroffenen Pianisten nun spiegelbildliche Fingerübungen mit beiden Händen am Klavier für etwa 20 Minuten durch. Dadurch kommt es zur Kopie des gesunden Bewegungsmusters auf die kranke Hirnhälfte.

Die Ergebnisse der Methode sind überzeugend: Schon nach der ersten Stimulation verbesserte sich Fingerkontrolle dramatisch und der Heileffekt blieb über vier Tage bestehen. Eckart Altenmüller: „Es handelt sich also um eine aussichtsreiche Behandlung der Musikerdystonie bei Pianisten.“ Das Team wird diese Behandlungsmetode nun auf andere Instrumentalisten mit Hand-Dystonien übertragen und Langzeitstudien mit wiederholten Stimulationen anbieten.

Direkter Kontakt bei fachlichen Rückfragen:
Prof. Dr. Eckart Altenmüller, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, eckart.altenmueller@hmtm-hannover.de

Publikation
Titel des Artikels: Surmounting Retraining Limits in Musicians’ Dystonia by Transcranial Stimulation
Autoren: Shinichi Furuya¹ Michael Nitsche², Walter Paulus², Eckart Altenmüller¹
¹ Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin,
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
²Abteilung klinische Neurophysiologie,
Universitätsklinik Göttingen
Zeitschrift: Annals of Neurology (DOI: 10.1002/ana.24151)

Weitere Informationen:

http://www.immm.hmtm-hannover.de Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der HMTMH

Melanie Bertram | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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