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Hoffnung für die Behandlung von Hirntumoren

16.11.2011
Australische Wissenschaftler waren maßgeblich an der Entdeckung eines biochemischen Mechanismus beteiligt, der es Hirntumoren ermöglicht zu überleben bzw. zu wachsen. Nun besteht Grund zur Hoffnung, neue Behandlungsmethoden für einige der bösartigsten Tumorarten auf den Weg bringen zu können.

Die Entdeckung bietet neue therapeutische Perspektiven and könnte eine gezieltere Behandlung von Hirntumoren (Gliomen) ermöglichen. Bei Gliomen handelt es sich sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen um die häufigste und agressivste Tumorart. Gliome wachsen schnell und die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten beträgt nur etwa ein Jahr.

Das internationale Team unter der Leitung von Professor Michael Platten, Mitarbeiter der Abteilung für Neuroonkologie des Universitätsklinikums Heidelberg, setzte sich aus Wissenschaftlern aus Deutschland, den USA, der Schweiz und Australien zusammen. Die Forschungsergebnisse wurden erst vor kurzem in der renomierten Wissenschaftszeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Auch Professor Gilles Guillemin, Forscher an der University of New South Wales, war Teil des Teams und identifizierte mit seinen Kollegen die Schlüsselrolle von Kynurenin, einem Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan. Kynurenin fördert das Tumorwachstum und schwächt gleichzeitig das Immunsystem. Die Forscher entdeckten außerdem, dass der so genannte Arylhydrokarbonrezeptor (AHR), dem bei der Entwicklung von Hirntumoren eine entscheidende Rolle zukommt, durch Kynurenin aktiviert wird.

Dieser Stoffwechselvorgang spielt nicht nur bei der Entwicklung und beim Wachstum von Gliomen sondern auch bei anderen Tumorarten eine wichtige Rolle und tritt auch bei weiteren neurodegenerativen Erkrankungen auf. Professor Guillemin ist daher davon überzeugt, dass dieser wissenschaftliche Durchbruch zu verbesserten Therapeutika für diverse Krankheiten, wie Alzheimer, Störungen des motorischen Nervensystems, Multiple Sklerose und Parkinson, führen kann.

„Wir untersuchen derzeit alle Moleküle, die aus diesem Stoffwechselweg hervorgehen und mit der Schwächung des Immunsystems und der Wachstumsförderung von Tumoren in Verbindung gebracht werden können“, sagte Professor Guillemin, Leiter der Neuroinflammation Group der Medizinischen Fakultät der University of New South Wales in Sydney, Australien.

Ein oral einzunehmendes Medikament, das die Enzyme blockiert, die zur Kynureninproduktion beitragen, wurde bereits entwickelt und könnte innerhalb weniger Jahre für klinische Studien zur Verfügung stehen, so Professor Guillemin. Die Lebenserwartung von Gliom-Patienten, inbesondere derer, die an äußerst bösartigen Hirntumoren, wie Glioblastoma Multiforme, leiden, hat sich seit Jahrzehnten trotz neuer therapeutischer Maßnahmen nicht erhöht. Der entdeckte Mechanismus bietet nun die Möglichkeit einer komplett neuartigen Behandlungsmethode.

Im Jahr 2007 machte Professor Guillemin zusammen mit Professor Bruce Brew des St Vincent´s Hospital und weiteren Kollegen eine ähnlich bedeutende Entdeckung. Das Forscherteam konnte nachweisen, dass sich der Abbau von Tryptophan bei einer anderen Tumorart, dem Neuroblastom, deutlich verändert hatte. Es handelte sich dabei um eine grundlegende Studie, die als Wegweiser für weitere Forschungsarbeit diente. Seither hat das Team, das sich unter anderem aus der Doktorandin Seray Adams und dem jungen Wissenschaftler Dr. Alban Bessede zusammensetzt, mit dem Neurochirurgen und UNSW Professor Charlie Teo zusammengearbeitet.

Dr. Teo stellte den Forschern der University of New South Wales Tumorproben zur Verfügung und untersützte ihre Arbeit finanziell mithilfe seiner Stiftung „Cure for Life Foundation“. Er geht davon aus, dass die Forscher der UNSW vor einer unglaublichen Entdeckungen stehen.

Eine Grundlage ist geschaffen, nun können die Forschungsergebnisse genutzt werden, um den meist tödlichen Krankheitsverlauf aufzuhalten und wirksame Behandlungsmethoden zu entwickeln. Dieser wissenschaftliche Durchbruch sollte allen Tumorpatienten Mut machen und allen Unterstützern der „Cure for Life Foundation“ die Sicherheit geben, dass ihr Geld gut angelegt ist, so Charlie Teo.

Der australische Forschungsbeitrag wird durch Zuschüsse des National Health and Medical Research Council of Australia, der St Vincent´s Clinic, der Cure for Life Foundation und der University of New South Wales unterstützt.

Weitere Informationen:

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Sabine Ranke-Heinemann | idw
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