Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoffnung für ältere Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie

25.04.2012
Auf der Suche nach einer altersgerechten und effektiven Behandlungsform führt das Universitätsklinikum Freiburg eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte klinische Studie mit epigenetisch wirksamen Medikamenten durch.

Die Standardtherapie bei einer akuten myeloischen Leukämie (AML), eine aggressive Chemotherapie, kann bei älteren Patienten oft nicht angewandt werden. Vorhandene Begleiterkrankungen und ein schlechterer Allgemeinzustand verhindern eine optimale Behandlung.

Am Universitätsklinikum Freiburg prüfen Krebsforscher vielversprechende Medikamentenkombinationen, die auch ältere Menschen gut vertragen. Ziel ist eine Verbesserung des Ansprechens der Therapie und des Überlebens - bei guter Lebensqualität - auch bei älteren Patienten mit AML.

AML ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. In Deutschland treten etwa 3.600 Neuerkrankungen pro Jahr auf. Die AML macht etwa 80 Prozent aller akuten Leukämien bei Erwachsenen aus und befällt vor allem Menschen über 60 Jahre.
„Bei einer akuten myeloischen Leukämie setzen wir gewöhnlich eine intensive Chemotherapie mit dem Ziel ein, die Krebszellen abzutöten. Anschließend erfolgt häufig noch eine Stammzelltransplantation“, sagt der Projektleiter Prof. Dr. Michael Lübbert, Abteilung Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Bei Patienten, die älter als 60 Jahre sind, können wir die Krankheit viel schwieriger kontrollieren oder gar heilen.“

Die Arbeitsgruppe um Professor Lübbert hat auf der Suche nach einer angemessenen Therapie für ältere AML-Patienten bereits gute Erfahrungen mit dem Einsatz von niedrig dosiertem Decitabin, einem zytostatika-ähnlichen, jedoch epigenetisch wirksamen Medikament, gemacht. Die Ergebnisse einer bundesweiten klinischen Studie mit über 220 Patienten, die in den Jahren zwischen 2003 und 2009 durchgeführt wurde, sind in der März-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Haematologica erschienen.

Jetzt wollen die Krebsforscher in einer multizentrischen randomisierten Nachfolgestudie ("DECIDER"-Studie) die Behandlung von Patienten mit Decitabin in insgesamt vier Wirkstoffkombinationen untersuchen. „Ziel dieser Studie ist zu prüfen, wie Decitabin in der Kombination mit Valproinsäure beziehungsweise dem Vitamin-A-Präparat Retinsäure im Hinblick auf eine komplette oder zumindest teilweise Remission und auf das Überleben der Patienten wirkt“, erklärt Professor Lübbert. „Schon jetzt können wir Patienten, die älter als 60 Jahre alt sind, eine verträgliche und ambulant durchführbare Therapie anbieten, die zu einer kompletten Remission führen kann“, freut sich der Hämato-Onkologe. Nach Abschluss der Studie hofft er, die optimale Medikamentenkombination gefunden zu haben. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp zwei Millionen Euro gefördert und soll 200 Patienten einschließen.

Bei den eingesetzten Medikamenten Decitabin und Valproinsäure handelt es sich um epigenetisch wirksame Substanzen. Unter epigenetischen Veränderungen versteht man Modifikationen des DNA-Strangs und seiner Eiweißhülle, die die genetische Sequenz nicht verändern, aber die Gen-Aktivität beeinflussen. Solche, bei Krebs sehr häufig auftretenden epigenetischen Veränderungen blockieren bestimmte Gen-Abschnitte und machen sie so für die Ablesefaktoren unzugänglich. Epigenetische Funktionen können durch Umweltfaktoren wie Ernährung oder Stress beeinflusst werden.

Sind Schutzgene betroffen, die die Zelle vor unkontrolliertem Wachstum schützen sollen, kann es zur Entartung und damit zu Krebs kommen. Die epigenetischen Modifikationen des Erbguts sind aber keine Einbahnstraße. Im Gegensatz zu genetischen Veränderungen durch Mutation können sie mit Hilfe von epigenetischen Medikamenten rückgängig gemacht werden.

„Wir ändern das Epigenom und aktivieren - über eine ‚Re-Programmierung‘ der entarteten Zelle - wieder jene Faktoren, die das Krebswachstum hemmen und die Zelle in die Ausreifung beziehungsweise in den Zelltod treiben“, erläutert Professor Lübbert.

Benjamin Waschow | idw
Weitere Informationen:
http://www.haematologica.org/content/97/3/393.abstract?sid=a7237db1-ac73-436d-88d3-d4ad702b9e83

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil

23.08.2017 | Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Turbulente Bewegungen in der Atmosphäre eines fernen Sterns

23.08.2017 | Physik Astronomie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Algen Arthritis behandeln

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie