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Hodenkrebs: Ärztliche Zweitmeinung unverzichtbar

12.06.2014

Jeder sechste Hodenkrebspatient erhält eine effektivere Therapie, wenn sein behandelnder Arzt nach der Diagnose eine Zweitmeinung einholt. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Ulm im Rahmen einer Studie.

In vielen Fällen kann aufgrund der Zweitmeinung die Medikamentendosis verringert werden – die Betroffenen sind durch die Behandlung weniger belastet. Das Modell könnte zukünftig auch auf andere Krebsarten angewendet werden. Die Deutsche Krebshilfe hat das Projekt mit 235.000 Euro gefördert.


Foto: Deutsche Krebshilfe

Das Konzept des Projekts „Zweitmeinung Hodentumor“ ist unmittelbar und effektiv: Der behandelnde Arzt entdeckt eine bösartige Geschwulst im Hoden seines Patienten und schickt seine Untersuchungsergebnisse und seinen Therapieplan mittels einer Internet-basierten Datenbank an Experten der Deutschen Hodentumorstudiengruppe. Innerhalb von 48 Stunden erhält er eine Antwort auf seine Therapieanfrage.

Mittlerweile werden in Deutschland rund 15 Prozent aller neuen Hodentumo-ren im Rahmen des nationalen Projekts Zweitmeinung Hodentumor durch einen weiteren Mediziner bewertet. Bis heute haben die Hodenkrebsexperten mehr als 3.000 Zweitmeinungen abgegeben.

Ein Modelprojekt, dessen Erfolg nun auch im Rahmen einer Studie nachgewiesen wurde. „Wir konnten zeigen, wie wichtig das Einholen einer zweiten Meinung bei Hodenkrebs ist“, erläutert der Projektleiter Professor Dr. Mark Schrader von der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Ulm.

Zwischen 2006 und 2011 untersuchten die Ulmer Wissenschaftler fast 1000 Fälle, bei denen eine zweite Meinung eingeholt wurde. Bei fast 40 Prozent der Patienten ergaben sich Unterschiede zwischen Therapieplan des Anfragenden und Zweitmeinung eines Hodentumorexperten.

Während bei jedem sechsten Betroffenen die ursprüngliche Therapieplanung aufgrund der Zweitmeinung verändert wurde, konnte bei jedem vierten Patienten die Medikamentendosis sogar verringert werden. „Weniger Medikamente bedeuten eine geringere Belastung für den Betroffenen und eine Steigerung der Lebensqualität“, so Schrader weiter.

„Die Vorteile eines solchen Projektes für Ärzte und Patienten liegen klar auf der Hand“, erklärt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Schnelle Bearbeitungszeiten, die behandelnden Ärzte müssen nicht darum fürchten, ihre Patienten an einen anderen Arzt zu verlieren und – das wichtigste – Therapiesicherheit für die Betroffenen. Das Projekt ‚Zweit-meinung Hodentumor‘ hat Vorbildcharakter auch für andere Krebsarten. Jeder Hodenkrebspatient sollte zukünftig von den Studienergebnissen profitieren.“

Weitere Informationen finden Ärzte und Patienten unter http://www.zm-hodentumor.de/.

Hintergrundinformation: Hodenkrebs

In Deutschland erkranken etwa 4.000 – überwiegend jüngere – Männer jährlich an Hodenkrebs. Damit gehört der Hodentumor zu den eher seltenen Krebserkrankungen. Der Tumor ist jedoch in der Altersgruppe der 20-35 Jährigen der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Der Hoden besteht aus unterschiedlichen Gewebearten. Bei erwachsenen Männern entstehen über 90 Prozent aller bösartigen Tumoren in den so genannten Keimzellen. Diese werden zusammenfassend als „Keimzell-Tumoren“ bezeichnet. Im Rahmen der Behandlung wird zunächst der betroffene Hoden operativ entfernt. Daran schließt sich eine Bestrahlung oder Chemotherapie an.

Projektnr.: 109322

Dr. med. Svenja Ludwig | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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