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Hochwirksam und dennoch ungefährlich: Fumarsäureester gegen MS

07.11.2012
Firewall für Nervenzellen: Forscher berichten in RUBIN
Bochumer Erfolgsweg bei schubförmiger Multipler Sklerose
Die Multiple Sklerose (MS) ist bis heute nicht heilbar. Mit modernen Medikamenten lässt sich ihr Verlauf zwar verlangsamen, jedoch sind die Wirkstoffe entweder in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt oder mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden. Hoffnung kommt jetzt aus der Dermatologie. Bochumer Forscher haben entdeckt, dass ein seit langem gegen Schuppenflechte bewährter Wirkstoff auf Basis der Fumarsäure die MS-Symptome stark bessert: Die Patienten erlitten 50 Prozent weniger MS-Schübe und hatten bis zu 90 Prozent weniger entzündlich aktive Herde.

Nun gelang den Forschern der Nachweis, wie Fumarsäureester Nervenzellen schützen. Sie berichten in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum.
RUBIN im Internet

Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie online unter http://www.rub.de/rubin

MS: Häufigste neurologische Ursache von Behinderungen bei jungen Erwachsenen

Die Multiple Sklerose ist die häufigste neurologische Ursache von Behinderungen bei jungen Erwachsenen. In Deutschland sind etwa 130 000 Menschen betroffen. Bei MS greift das körpereigene Immunsystem die „Isolierschicht“ der Nervenfaserbahnen an und zerstört sie. Im Krankheitsverlauf werden typischerweise alle Regionen von Gehirn und Rückenmark betroffen. Die Folge sind Koordinationsstörungen, Störungen der Feinmotorik, aber auch Konzentrationsstörungen, Blasenfunktionsstörungen, Erschöpfungszuständen und depressiven Verstimmungen.

Fruchtsäure ist sogar in der Lebensmittelindustrie zugelassen

Seit den 1990er-Jahren gibt es verschiedene Medikamente, die das Immunsystem verändern und so den Verlauf der Krankheit verzögern können. Sie sind ungefährlich, aber in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt. In schweren Fällen kommen Chemotherapeutika zum Einsatz, die allerdings erhebliche teils lebensgefährliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Bochumer Forscher haben jetzt entdeckt, dass ein aus der Dermatologie seit langem bekannter Wirkstoff ungefährlich und hochwirksam gegen MS-Schübe ist: Fumarsäureester. Die Fumarsäure ist eine Fruchtsäure, die in vielen Pflanzen und auch im menschlichen Körper vorkommt und in der Lebensmittelindustrie zugelassen ist. Der Wirkstoff wird in der Dermatologie erfolgreich gegen Schuppenflechte eingesetzt.
50 Prozent weniger Schübe, 90 Prozent weniger Entzündungsherde

Die Entdeckung war Zufall: Bei MS-Patienten, die zugleich auch an Schuppenflechte litten, besserte sich die Symptomatik der MS auffällig unter der Einnahme von Fumarsäureester. Mehrere Studien folgten. Neurologen um Prof. Dr. Ralf Gold konnten jetzt nachweisen, wie Fumarsäureester wirkt: Er stößt schützende Stoffwechselwege in Zellen an. „Die Nervenzellen werden wie durch eine Firewall vor entzündlichen Botenstoffen geschützt, insbesondere freien Radikalen und Stickoxid“, berichtet Prof. Gold. In einer großen Studie mit über 2400 Patienten zeigte sich: Die Fumarsäureester reduzierten die MS-Schubraten um bis zu 50 Prozent und führten zu bis zu 90 Prozent weniger entzündlich aktiven Herden, die mit der Kernspintomografie sichtbar waren. Eine häufige Nebenwirkung von Fumarsäureester – Verdauungsbeschwerden, die beim dermatologischen Medikament bei rund 40 Prozent der Patienten vorkamen – ließ sich durch eine abgewandelte Formulierung des Medikaments stark reduzieren auf drei bis fünf Prozent. „Hochwirksam und trotzdem ungefährlich – eine neue Erfahrung der MS-Therapie!“, freut sich Prof. Gold.

Themen in RUBIN

In RUBIN finden Sie darüber hinaus folgende Themen: Fumarsäureester gegen MS; Mit Speck fängt man Mäuse, mit Honeypots Angreifer im Internet; Religionskontakt um die Ecke; Jahrhunderte alte Gespräche belauschen; Stammzellen füllen Knochenlücken; Auf dass sich die Balken biegen: große Betonteile im Labor testen; An der kurzen Leine: Werthaltungen in der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen; E-Autos im Alltagstest; Moderne Spurenleser: Was wogen Dinosaurier?; Schwimmende Überlebenskünstler: Wie sich der Wasserfloh verteidigt; Im Gewand des Feindes: Autonome Nationalisten. RUBIN ist erhältlich in der Stabsstelle Strategische PR und Markenbildung der RUB, Tel. 0234/32-26952, und online unter http://www.rub.de/rubin.
Titelaufnahme

Ralf Gold et al.: Placebo-Controlled Phase 3 Study of Oral BG-12 for Relapsing Multiple Sclerosis. In: N Engl J Med 2012; 367:1098-1107, September 20, 2012, DOI: 10.1056/NEJMoa1114287

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef-Hospital, Tel. 0234/509-2410, ralf.gold@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

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