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HIV-Resistenzen im Rückgang

11.03.2009
Einführung von erfolgreichen neuen Therapien

In der Schweiz ist die Zahl der Patienten mit HIV, die nicht mehr auf Medikamente ansprechen, zwischen 1999 und 2007 deutlich gesunken. Das liegt am steigenden Anteil von Patienten, deren Krankheit von Beginn weg mit neuen und wirksameren Kombinationen von Medikamenten bekämpft wird.

Zu diesem Schluss kommt eine Publikation der vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Schweizerischen HIV-Kohortenstudie.

AIDS, eine bisher unheilbare Krankheit, wird durch das menschliche Immunschwäche-Virus (human immunodeficiency virus, oder kurz HIV) ausgelöst. Dieses Virus infiziert in der Schweiz jährlich knapp 800 Personen neu und ist auch aufgrund seiner Wandelbarkeit gefürchtet. Denn je schneller sich ein Virus ändern kann, desto eher entwickelt es Resistenzen gegenüber Medikamenten. In der Theorie breiten sich resistente Viren mit der Zeit immer mehr aus.

Anders jedoch hierzulande: In der repräsentativen HIV-Kohorte, die knapp die Hälfte aller HIV-Patienten in der Schweiz und insgesamt über 8000 Personen umfasst, wiesen 1999 zwischen 50 und 57 Prozent der Patienten resistente Viren auf. Im Jahr 2007 waren aber nur noch 37 bis 45 Prozent der Patienten mit resistenten HI-Viren infiziert. Dies berichtet die Schweizerische HIV-Kohortenstudiengruppe in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases (*).

Kombination verschiedener Wirkstoffklassen
"Für die Patienten bedeutet der Rückgang der Resistenzen, dass die Therapien, die wir den Patienten in der Schweiz aktuell anbieten können, lang anhaltend wirken. Vorausgesetzt, die Patienten nehmen die Medikamente auch wirklich zu sich", sagt Huldrych Günthard.

Es sind denn auch die erzielten Fortschritte in der Therapie, die laut den Forschenden für den Rückgang resistenter Viren verantwortlich sind. Bis 1996 wurden die meisten Patienten nur mit einem oder maximal zwei Medikamenten der gleichen Wirkstoffklasse behandelt. Danach führten Ärzte die Dreierkombinationstherapie ein, deren Wirksamkeit dank immer besseren Substanzen ab 2001 noch einmal erheblich zugenommen hat.

Während sich in mehr als drei Vierteln der herkömmlich behandelten Patienten resistente Viren entwickelten, liessen die neuen antiretroviralen Therapien nur in knapp 16 Prozent der Patienten die Entwicklung von resistenten Viren zu. Weil also Ärzte neue Kombinationen von Medikamenten verwenden, treten resistente Viren - auf die Gesamtheit der Patienten bezogen - seltener auf. Dies gilt jedoch nur für die Schweiz und ähnlich hoch entwickelte Länder der westlichen Welt, wo sich die Menschen die neuen Medikamente leisten können und die Wirksamkeit der Therapie engmaschig kontrolliert wird.

Ausbreitung resistenter Viren verringert
Auch aus einem weiteren Grund ist keine Entwarnung angesagt: Die neuen Medikamente können die Ausbreitung resistenter Viren nicht verhindern, sondern lediglich verringern. Das bemerkten die Forscher, als sie ihre Analyse auf einen Teil der Patienten beschränkten, die in den Jahren 2002 bis 2007 mindestens einmal jährlich zu einer ärztlichen Visite erschienen und dadurch eine so genannte geschlossene Kohorte von insgesamt mehr als 4000 Patienten bildeten. In dieser Gruppe stiegen die resistenten Viren an. Dies jedoch in einem viel geringeren Ausmass als befürchtet. Anstatt dass sich gemäss früheren Schätzungen pro Jahr in zehn Prozent der Patienten resistente Viren ausbildeten, fanden die Forscher in kombiniert behandelten Patienten eine Zunahme von knapp fünf Prozent vor. Die neuesten Behandlungsmethoden konnten den Anstieg resistenter Viren sogar auf nur noch zwei Prozent pro Jahr bremsen.
(*) Viktor von Wyl, Sabine Yerly, Jürg Böni, Philippe Bürgisser, Thomas Klimkait, Manuel Battegay, Enos Bernasconi, Matthias Cavassini, Hansjakob Furrer, Bernard Hirschel, Pietro L. Vernazza, Patrick Francioli, Sebastian Bonhoeffer, Bruno Ledergerber, Huldrych F. Günthard and the Swiss HIV Cohort Study (2009): Long-Term Trends of HIV Type 1 Drug Resistance
Prevalence among Antiretroviral Treatment-
Experienced Patients in Switzerland. Clinical Infectious Diseases 48: 979-87.
Prof. Dr. med. Huldrych Günthard
Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Tel. +41 (0) 44 255 34 50
Fax +41 (0) 44 255 32 91
E-Mail: huldrych.guenthard@usz.ch

Presse- und Informationsdienst SNF | idw
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http://www.snf.ch

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