Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilfe für Patienten mit Tuberöser Sklerose

12.02.2013
Neue Therapie reduziert Nierentumore
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat in Zusammenarbeit mit dem TSC Zentrum Berlin eine neue Therapie für Patienten entwickelt, die an Nierentumoren leiden, die mit der seltenen Erberkrankung Tuberöse Sklerose (TSC) in Verbindung stehen. Den Forschern ist es gelungen, das Tumorvolumen bei TSC-Patienten durch den Einsatz des Medikaments Everolimus deutlich zu reduzieren. Die Ergebnisse der Studie sind in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet* erschienen.

Tuberöse Sklerose ist eine seltene Erberkrankung, die viele Organe befallen kann, beispielsweise die Nieren, das Gehirn, die Haut, die Lunge und das Herz. Die Erkrankung ist durch eine fehlerhafte Regulation des sogenannten mTOR Signalwegs gekennzeichnet. mTOR ist Bestandteil eines Proteinkomplexes, der unterschiedliche Signalwege der Zelle integriert, die Herstellung von Proteinen reguliert und so Zellwachstum und Zellzyklus steuert.
Die Fehlregulation des mTOR Signalwegs führt zum übermäßigen Zellwachstum und damit zur Entstehung von gutartigen Tumoren auf der Haut und im Körperinneren. Durch das stete Wachstum kann es jedoch zu schweren Blutungen und zur Verdrängung von anderen Organen kommen. Nierentumoren können zudem gravierende Nierenprobleme auslösen.

„Die weltweite Zulassungsstudie hat erstmals gezeigt, dass der Einsatz des Medikaments Everolimus, eines sogenannten mTOR Hemmstoffs, bei Patienten mit Nierentumoren, die durch die Erbkrankheit Tuberöse Sklerose ausgelöst werden, das Tumorvolumen deutlich reduzieren kann“, sagt Prof. Budde, Oberarzt in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie am Campus Charité Mitte und verantwortlicher Autor der Studie. Innerhalb eines halben Jahres verringerte sich bei fast der Hälfte der betroffenen Patienten das Tumorvolumen um mehr als 50 Prozent. Außerdem führte die Einnahme des Medikaments bei einem Viertel der Patienten zur Verbesserung der Hautsymptome.

Die neue medikamentöse Behandlung könnte somit langfristig eine wirksame Alternative zu der operativen Entfernung der Niere bieten, wie das Lancet Editorial betont. Die Entwicklung einer zugelassenen medikamentösen Therapie für eine seltene Erbkrankheit ist ein schönes Beispiel dafür, dass sich eine jahrelange Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer zielgerichteter Therapieansätze auszahlt. Da der mTOR Signalweg bei vielen Erkrankungen gestört ist, kommen mTOR Hemmstoffe unter anderem bei organtransplantierten Patienten, bei bösartigen Nierentumoren, seltenen neuroendokrinen Tumoren und sogar beim Brustkrebs zum Einsatz.

„Ohne die gute Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im interdisziplinären Tuberöse Sklerose Zentrum Berlin und der Charité, wäre eine weltweite Studie für eine seltene Erkrankung wie TSC kaum möglich gewesen“, betont Dr. Hertzberg, Leiter des TSC-Zentrum Berlin am Vivantes-Klinikum Neukölln.

*Bissler, John et al. 2013. Everolimus for angiomyolipoma associated with tuberous sclerosis complex or sporadic lymphangioleiomyomatosis (EXIST-2): a multicentre, randomised, double-blind,
placebo-controlled trial. In: The Lancet, Early Online Publication, Retrieved Jan 21, from doi:10.1016/S0140-6736(12)61767-X.

Kontakt:
Prof. Klemens Budde
Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 514 002
E-Mail: klemens.budde@charite.de

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie