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Hilfe für Kinder krebskranker Eltern

13.10.2009
Deutsche Krebshilfe fördert Verbundprojekt mit 2,8 Millionen Euro

Ein Kind, dessen Vater oder Mutter an Krebs erkrankt ist, erlebt eine bedrohliche Situation, die es zumeist nicht versteht. Es hat Fragen, fühlt sich vielleicht sogar schuldig, traut sich aber oft nicht, darüber zu sprechen.

Und auch viele Eltern haben Angst davor, ihr Kind mit der Realität einer ernsten Krankheit zu konfrontieren - eine Situation, die bei den betroffenen Kindern zu psychischen Auffälligkeiten führen kann. Um diesen Kindern zu helfen, hat die Deutsche Krebshilfe das Förderschwerpunktprogramm "Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern" eingerichtet.

Gefördert wird in einer ersten Stufe ein Forschungsverbund von Partnerzentren an fünf Standorten in Deutschland, darunter auch eine Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Federführung für den Verbund hat das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Deutsche Krebshilfe stellt für das Programm rund 2,8 Millionen Euro bereit.

Allein in Deutschland erleben jährlich bis zu 200.000 Kinder unter 18 Jahren, dass ein Elternteil an Krebs erkrankt. "Diese Kinder ziehen sich oft aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie müssen vermehrt Verantwortung im Haushalt übernehmen, sich vielleicht um jüngere Geschwister kümmern und haben wenig Zeit für Hobbys oder zum Spielen. Ein Drittel der betroffenen Kinder wird im Verlauf psychisch auffällig", erklärte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Professor Dr. Dagmar Schipanski, heute, am 13. Oktober 2009, im Rahmen eines Pressegesprächs mit der Heidelberger Arbeitsgruppe "Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern". Der Deutschen Krebshilfe ist es seit ihrer Gründung ein zentrales Anliegen, die Situation krebskranker Menschen und ihrer Familienangehörigen zu verbessern. Dazu gehört auch die Versorgung der Kinder von Krebskranken.

Experten sind sich heute einig: Ungewissheit ist für Kinder viel belastender als die Wahrheit. "Viele psychische Störungen könnten verhindert werden, wenn die Eltern frühzeitig mit ihren Kindern offen über die Erkrankung sprechen. Vater und Mutter sollten altersgerecht erklären, wie Krebs entsteht, dass die Krankheit nicht ansteckend ist und dass immer mehr Krebs-Patienten geheilt werden können", erläuterte Professor Dr. Franz Resch, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg. "Darüber hinaus kann es dem Kind helfen, wenn die Klassenlehrerin oder die Erzieherin im Kindergarten über die Erkrankung informiert sind. Denn so bekommt es Rücksicht, Verständnis und Trost, wenn es sich anders verhält als normalerweise", ergänzte Professor Dr. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikum Heidelberg. Das Projekt ist eingebettet in die Arbeit des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg: "Im Rahmen der interdisziplinären Patientenversorgung im NCT bieten wir Krebspatienten eine mit allen Fachexperten abgestimmte Therapie an. Das Einbeziehen der Familie, hier speziell der Kinder, ist eine konsequente Weiterentwicklung unseres Behandlungskonzeptes ", sagte Professor Dr. Dirk Jäger, Ärztlicher Direktor des NCT.

An dem wissenschaftlichen Verbundprojekt "Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern" der Deutschen Krebshilfe sind neben Heidelberg weitere vier Standorte in Deutschland beteiligt: das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Universität Leipzig, die Charité Universitätsmedizin Berlin, und die Universität Magdeburg.

Bislang fehlen in Deutschland flächendeckende Angebote für die Betreuung von Familien mit einem krebskranken Elternteil. "Ziel der Deutschen Krebshilfe ist es, für das Thema verstärktes öffentliches Interesse zu wecken. Bestehende Angebote müssen evaluiert und vernetzt werden. Die Betreuung von Kindern soll langfristig ein integraler Bestandteil der Versorgung krebskranker Eltern werden", so Schipanski. Am Ende der zunächst auf drei Jahre angelegten ersten Projektphase sollen Praxisleitlinien für eine qualitätsgesicherte psychosoziale Versorgung von Kindern krebskranker Eltern erarbeitet sein. Die am Verbund beteiligten Forscher sollen diagnostische Methoden entwickeln, die zeigen, welche Kinder und welche Familien eine intensive Unterstützung brauchen. Denn nicht jedes Kind benötigt eine psychosoziale Betreuung, um die Erkrankung eines Elternteils zu verarbeiten. Langfristig sollen auch Fort- und Weiterbildungsangebote für Berater und Therapeuten entwickelt werden, damit Versorgungsangebote in ganz Deutschland vorgehalten werden können.

Infokasten: Deutsche Krebshilfe
Die Deutsche Krebshilfe e.V. setzt sich seit 35 Jahren für die Belange krebskranker Menschen ein. Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 436.000 Menschen, davon 1.800 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, neu an Krebs. Den Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, ist das wichtigste Anliegen der gemeinnützigen Organisation. Die Deutsche Krebshilfe hat die Broschüre "Hilfe für Angehörige" herausgegeben. Hier geht sie auch auf die speziellen Bedürfnisse von Kindern krebskranker Eltern ein und nennt Adressen von Kontakt- und Beratungsstellen. Der "blaue Ratgeber" kann kostenlos bestellt werden bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, oder im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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