Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HIH / EU-Projekt Moving beyond: Wie steuert das Gehirn Bewegung im Alter und bei Parkinson?

20.11.2012
Im EU-Projekt „Moving beyond“ wollen Forscher herausfinden, wie das Gehirn Bewegungen im Alter und bei Parkinson steuert.
Das mit insgesamt 2,5 Millionen geförderte und aus neun Projekten bestehende Forschungsvorhaben wird von Wissenschaftlern des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) und dem Wissenschaftsmanagement des Instituts für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik des Universitätsklinikums Tübingen geleitet. Es ist in die drei Schwerpunkte Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie gegliedert. „Moving beyond“ soll das Grundlagenverständnis von motorischen Prozessen verbessern, die Diagnostik erleichtern sowie neue Ansätze für evidenzbasierte Therapien entwickeln.

Gang- und Gleichgewichtsstörungen gehören im Alter zu den häufigsten Symptomen. Bei Parkinson sind sie eines der vier Hauptsymptome. Störungen von Gang- und Gleichgewicht verursachen Stürze und darauf folgende Frakturen. Innerhalb eines Jahres kommt es bei etwa der Hälfte der Pflegeheimbewohner zu mindestens einem Sturz. Auch rund 30 Prozent der zu Hause Lebenden, die über 65 Jahre sind, stürzen mindestens einmal jährlich. Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes gab es im Jahr 2006 mindestens fünf Millionen Stürze älterer Menschen.

Komplexe motorische Prozesse im Gehirn besser verstehen
Die grundlagenwissenschaftlichen Projekte von „Moving beyond“ haben ihren Schwerpunkt bei der Erforschung der so genannten supraspinalen Bewegungssteuerung: Das Kleinhirn steuert mit den Basalganglien die Feinregulierung der Muskeln. Sie wirken korrigierend auf das Bewegungsprogramm, das heißt auf Ausmaß und Richtung der Willkürbewegung. Außerdem sind die Basalganglien an der Muskeltonuseinstellung sowie der Halte- und Stützmotorik durch Verbindung zum Hirnstamm beteiligt. Damit zielgerichtete Bewegungen ausgeführt werden können, bedarf es einer ständigen Koordination und Integration übergeordneter Instanzen. Neurowissenschaftler sprechen bei diesen Kreisläufen von supraspinaler Kontrolle. Durch das bessere Verständnis dieser Kreisläufe können, so die Vermutung, neue Ansätze für die Diagnose und Therapie abgeleitet werden. „Denn trotz der Fortschritte im Verständnis der zugrundeliegenden Schaltungen bleiben große Lücken“, sagt Dr. Carola Reinhard, Projektmanagerin von „Moving beyond“, Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik, Universitätsklinikum Tübingen.
Mit frühzeitiger Diagnose gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessern
Der zweite Schwerpunkt legt seinen Fokus auf die frühzeitige Diagnose von Störungen und Defiziten in den Bewegungsmustern von Patienten in der Praxis. Um die Diagnostik zu verbessern, setzt eines der dort angesiedelten Projekte objektive Messparameter, beispielsweise zur Bewegungskontrolle beim Gehen, mit dem subjektiven Gesundheitsempfinden von Parkinson-Patienten in Relation. „Wir wollen dadurch ermitteln, welche Parameter sich für die Messung von Lebensqualität am besten eignen“, beschreibt Privatdozent Dr. med. Walter Maetzler, Wissenschaftlicher Koordinator von „Moving beyond“ und Neurologe am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen, Partnerstandort Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das Ziel seines Projektes. Außerdem geht er der Frage nach, wie das Selbst-Management von Parkinson-Patienten verbessert werden kann: „Wir wollen den Patienten ihre fehlende körperliche Aktivität und deren Auswirkung bewusst machen und sie dadurch zu mehr Bewegung im Alltag anregen“, sagt Maetzler, der für sein Projekt eine PhD-/Doktorandenstelle ausgeschrieben hat.
Neue Therapien und Rehabilitationskonzepte entwickeln
Mit der Entwicklung neuer Therapien und Rehabilitationskonzepte beschäftigen sich die Projekte im dritten Schwerpunkt von „Moving beyond“. „Denn zur Zeit gibt es keine wirksamen Therapien für Gang- und Gleichgewichtsstörungen, die ihre Ursache in der gestörten Funktion der supraspinalen Bewegungssteuerung haben“, sagt Maetzler. Wichtig bei der Beurteilung einer Gangstörung im Alter ist die Abgrenzung von physiologischen und somit „natürlichen“ Altersveränderungen zu krankhaften Befunden. Bei Parkinson-Patienten liegt zum Beispiel ein Augenmerk darauf, Strategien zu entwickeln, die das sekundenlange Einfrieren von Bewegungen (freezing of gait) verhindern. Beim älteren Menschen sollen Defizite in Gang und Gleichgewicht durch die Entwicklung von Modellen für symptomspezifische Schulungen verbessert werden.
Das „Moving beyond-Netzwerk“ besteht aus einer seltenen europaweiten Kombination von Experten aus Grundlagenforschung und translationaler Forschung. Zusammen mit Experten aus der Industrie deckt das Netzwerk ein weites Spektrum der notwendigen Kompetenzen ab. „Moving beyond“ nutzt dabei modernste Technologien. Website: http://www.moving-beyond.eu

Das Netzwerk hat aber neben der Forschung auch ein starkes Augenmerk auf der Ausbildung junger Wissenschaftler. Denn zusätzlich zur hochqualitativen Doktorandenausbildung vor Ort, sollen die Karrierechancen der teilnehmenden jungen Wissenschaftler durch gemeinsame akademisch-industrielle Austausch- und Trainingsprogramme erhöht werden. „Moving beyond“ vereint somit beides: innovative Forschungsprojekte und exzellente Ausbildung von Nachwuchsforschern.
Stellenausschreibung: http://www.hih-tuebingen.de/funktionelle-neurogeriatrie-maetzler/stellenangebote/

Pressekontakt bei Rückfragen
Silke Jakobi
Leiterin Kommunikation
HIH Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen
Otfried-Müller-Str. 27
72076 Tübingen
Tel. 07071/29-88800
Fax 07071/29-4796
silke.jakobi@medizin.uni-tuebingen.de

Das 1805 gegründete Universitätsklinikum Tübingen (UKT) gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin und trägt als eines der 32 Universitätsklinika in Deutschland zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. 2001 gründete es zusammen mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und der Eberhard Karls Universität das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH), mit dem Ziel, die Ergebnisse der exzellenten neurowissenschaftlichen Forschung rasch in die klinische Praxis zur Behandlung neurologischer und neurodegenerativer Erkrankungen zu überführen. Website: www.medizin.uni-tuebingen.de

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten Forschungsfelder der Gegenwart: der Entschlüsselung des menschlichen Gehirns. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie bestimmte Erkrankungen die Arbeitsweise dieses Organs beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund werden am HIH die informationstheoretischen und neuronalen Grundlagen wichtiger Hirnfunktionen wie Wahrnehmung, Gedächtnisleistung oder Lernverhalten untersucht. Unter anderem werden auch hirnorientierte Anwendungen für die Technik erforscht.
Website: http://www.hih-tuebingen.de

Die Stabsstelle für Wissenschaftsmanagement der Medizinischen Genetik und Angewandten Genomik am UKT unterstützt und fördert die Forschung durch ein wissenschaftsadäquates Management. So werden nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig gesichert. Die Tätigkeitsschwerpunkte sind seltene und neurologische Erkrankungen sowie Alterung.

Website: www.uni-tuebingen.de/uni/thk/de/f-wissenschaftsmanagement.html

Silke Jakobi | idw
Weitere Informationen:
http://www.moving-beyond.eu/
http://www.hih-tuebingen.de/funktionelle-neurogeriatrie-maetzler/stellenangebote/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen