Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzrhythmusstörungen: Wann harmlos, wann gefährlich? – Start der bundesweiten Herzwochen

24.10.2014

Unter dem Motto „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen“ informiert die Deutsche Herzstiftung vom 1. bis 30. November über Diagnose und Therapie der Volkskrankheit / Mehr als 1.200 Veranstaltungen

Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet. Jährlich werden in Deutschland über 400.000 Patienten wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik eingeliefert. Allein an der häufigsten Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern leiden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen. Oft besteht große Unsicherheit darüber, ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind und wie ihre Beschwerden gelindert oder beseitigt werden können.

Um über die heutigen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie sowie deren Nutzen und Risiken zu informieren, veranstaltet die Deutsche Herzstiftung vom 1. bis 30. November die bundesweiten Herzwochen zum Thema „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen“ mit über 1.200 Veranstaltungen.

Ausgewiesene Herzspezialisten informieren in Herz-Seminaren und im neuen Expertenratgeber der Herzstiftung über den aktuellen medizinischen Kenntnisstand und neue Entwicklungen. Patienten und Interessierte erreichen unter www.herzstiftung.de/herzwochen.html das Info-Angebot zu den Aktionswochen mit aktuellen Veranstaltungsterminen. Wer während der Herzwochen nichts verpassen will, abonniert den kostenfreien Herzstiftungs-Newsletter unter www.herzstiftung.de

Unregelmäßigkeiten des Herzschlages können völlig normal sein. Jeder hat irgendwann in seinem Leben mit Herzrhythmusstörungen zu tun. „Ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Klinikum Stephansplatz in Hamburg. „Der Übergang zwischen normal und krankhaft ist fließend. Krankhaft bedeutet nicht immer gefährlich. Selten sind Herzrhythmusstörungen Vorläufer eines drohenden plötzlichen Herztodes. Oft liegt aber den Herzrhythmusstörungen eine Herzkrankheit zugrunde. Sie beim Facharzt zu erkennen und konsequent zu behandeln ist entscheidend.“

Oft bringen Herzkrankheiten das Herz aus dem Rhythmus

Herzrhythmusstörungen sind in der Regel – wenn sie nicht angeboren sind – keine eigene Erkrankung, sondern meistens die Folge von Herzkrankheiten. Insbesondere Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit (KHK), Herzklappenerkrankungen und Herzmuskelerkrankungen bereiten den Boden für Herzrhythmusstörungen. Bei etwa 70 % der Patienten mit Vorhofflimmern liegt Bluthochdruck vor. Auch andere Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder chronische Lungenerkrankungen gehen in erhöhtem Maße mit Vorhofflimmern einher. „Entscheidend für den Therapieerfolg ist die gezielte Behandlung der Grundkrankheit als eigentliche Ursache der Rhythmusstörung.“

Auch kann eine Störung der Zusammensetzung der Blutsalze (Elektrolyte) durch Kalium- und Magnesiummangel sowohl gutartige wie auch bösartige Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. Ebenso können sich Genussgifte (größere Mengen von Alkohol, Kaffee, Nikotin), üppige Mahlzeiten, Schlafmangel und Stress negativ auf den Herzrhythmus auswirken.

Tückisch: Unbemerktes Vorhofflimmern – Schlaganfallgefahr!

Weil Vorhofflimmern bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden auftritt, bleibt es oft unbemerkt. „Unbehandelt sind diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt, weil sie nicht durch gerinnungshemmende Medikamente geschützt werden“, warnt Prof. Meinertz. Bei Vorhofflimmern ziehen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen. Der Blutstrom verlangsamt sich, Blutgerinnsel können sich bilden, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen: Schlaganfall.

Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern ca. 30.000 Schlaganfälle. Um Vorhofflimmern aufzudecken, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel sollte in jedem Haushalt ein Blutdruckmessgerät vorhanden sein. Die meisten dieser Geräte können den unregelmäßigen Herzschlag anzeigen, wenn man den Blutdruck misst. „Patienten können so Unregelmäßigkeiten des Pulses feststellen und sollten dann den Herzrhythmus beim Arzt durch ein EKG überprüfen lassen“, rät Prof. Meinertz.

Fortschritte in der Therapie: Katheterablation, neue Gerinnungshemmer, Psychokardiologie

Große Fortschritte sind besonders in der Therapie des Vorhofflimmerns zu verzeichnen. Wenn bei Patienten trotz der Behandlung mit Medikamenten erhebliche Beschwerden wie Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, Druckgefühl im Brustkorb, Schwindelgefühl oder Beeinträchtigung der körperlichen Belastbarkeit entstehen, kommt die Katheterablation in Betracht. Dieses Verfahren ist in der Medizin längst kein Neuland mehr. Erfahrene Rhythmologen können bei Patienten mit anfallsweisem (paroxysmalem) Vorhofflimmern nach einem einmaligen Eingriff eine Erfolgsrate von bis zu 70 % erreichen. Die Behandlung sollten nur dafür ausgewiesene Spezialkliniken durchführen.

In der Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern stehen drei neue Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung zur Verfügung: Pradaxa (Wirkstoff: Dabigatran), Xarelto (Rivaroxaban) und Eliquis (Apixaban). Diese sind den Medikamenten Marcumar/Warfarin in der Verhinderung von Schlaganfällen gleichwertig. Blutungen – die häufigsten Nebenwirkungen aller Gerinnungshemmer, auch von Marcumar – treten bei den neuen Gerinnungshemmern nicht häufiger auf als unter Marcumar. Ein großer Vorteil ist die Einfachheit der Handhabung und der fehlende Zwang, die Gerinnung ständig zu kontrollieren.

Ein weiterer Vorteil: Eingriffe können in der Regel am nächsten oder übernächsten Tag durchgeführt werden, wenn die Einnahme unterbrochen wird. „Das Wichtigste: Auch die gefürchteten Hirnblutungen treten deutlich seltener auf als unter Marcumar“, stellt Prof. Meinertz fest. Allerdings: „Bei den neuen Gerinnungshemmern sind manche Fragen noch offen, zum Beispiel zur Behandlung von schweren Blutungen.“ Patienten, die mit Marcumar problemlos und sicher auf einen INR-Wert 2-3 eingestellt sind, sollten bei Marcumar bleiben. Bei stark schwankenden INR-Werten ist die Umstellung auf einen neuen Gerinnungshemmer sinnvoll. „Wenn ein Patient neu auf Gerinnungshemmer eingestellt werden soll, spricht viel für die neuen Medikamente. Die Therapieentscheidung, welches der neuen Medikamente eingesetzt wird, sollte immer für jeden Patienten individuell getroffen werden“, rät Prof. Meinertz.

Schon vor der Behandlung mit den neuen Gerinnungshemmern sollten unbedingt die Nieren- und Leberwerte überprüft werden. Während der Behandlung wird empfohlen, die Nieren- und Leberfunktion mindestens einmal jährlich zu kontrollieren, ebenso den Hämoglobinwert, um versteckte Blutungen aufzuspüren.

Von der Kardiologie lange vernachlässigt, spielt die Psychokardiologie eine immer wichtigere Rolle für die Behandlung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Bekanntlich können Stress und seelische Belastungen Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. Psychokardiologen sind z. B. wichtig, wenn Patienten unter Depressionen und Ängsten leiden, weil sie die Schockabgaben ihres implantierten Defibrillators oder dessen Ausfall fürchten.

Neuer Ratgeber
Für Patienten mit Herzrhythmusstörungen und ihre Angehörigen bietet die Deutsche Herzstiftung anlässlich der bundesweiten Herzwochen den neuen Experten-Ratgeber „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen heute“ (144 S.) an. Leicht verständlich informieren renommierte Kardiologen, Herzchirurgen und ein Psychokardiologe über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Der Band mit vielen wertvollen Tipps ist für drei Euro in Briefmarken (Versand) erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt/Main, oder unter www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-Sonderband.html  
Herzwochen-Veranstaltungen in Ihrer Nähe unter: www.herzstiftung.de/herzwochen.html

30/2014

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Weitere Informationen:

http://www.herzstiftung.de/herzwochen.html
http://www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-Sonderband.html

Michael Wichert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften