Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzkranke Schnarcher leben gefährlich

20.04.2009
Schlafbezogene Atemregulationsstörungen (SAS) können chronische Entzündungen auslösen und ein Risikofaktor für die Verschlimmerung einer Koronaren Herz-Krankheit (KHK) sein, berichtet Dr. Christian Prinz (Bad Oeynhausen) auf der 75. Jahrestagung der DGK in Mannheim.

Untersuchte Patienten (251 Untersuchungsteilnehmer) mit KHK und SAS wiesen höhere Konzentrationen von Entzündungsmarkern (C-reaktives Protein, CRP) auf als Patienten mit KHK allein. Bei Patienten mit höheren Entzündungsmarkern war die Schwere der Atemstörungen ausgeprägter.

Weil krankhaft gestörte Atmung bei Patienten mit schweren Herzproblemen häufig vorkommt, widmete sich im Mannheim eine Reihe von wissenschaftlichen Präsentationen diesem Thema. Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren (z. B. Bluthochdruck, Diabetes) zeigen häufig echokardiografische Zeichen einer diastolischen Dysfunktion, also eine Funktionsstörung in der Entspannungsphase des Herzzyklus. Gleichzeitig leiden diese Patienten oft an einem - häufig undiagnostizierten - obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSA). Unklar war, ob bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren schlafbezogene Atemregulationsstörungen einen unabhängigen Einflussfaktor auf die diastolische Funktion darstellen.

Die Schlussfolgerung einer Arbeitsgruppe um Dr. Rolf Wachter (Göttingen), nachdem 378 Patienten mit zumindest einer der Diagnosen Bluthochdruck, Diabetes, Herzinsuffizienz oder Arteriosklerose untersucht wurden: Das Vorliegen eines Schlafapnoe-Syndroms ist ein unabhängiger Prädiktor für das Vorhandensein einer Funktionsstörung in der Entspannungsphase des Herzzyklus. Da für ein OSA effektive Therapieformen (z. B. PAP-Beatmung mit positivem Überdruck) zur Verfügung stehen, sollten Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren konsequent auf das Vorliegen einer Schlafapnoe untersucht werden, so Dr. Wachter.

Schlafapnoe ist aber auch eine häufig auftretende Komorbidität bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (HI) und trägt eventuell zu deren Verschlechterung bei. Eine Beobachtungsstudie von Dr. Michael Arzt (Regensburg) prüfte, ob Schlafapnoe einen Risikofaktor für Tod oder Herztransplantation bei Patienten mit chronischer HI darstellt und ob dieses erhöhte Risiko durch eine Behandlung der SA mit PAP-Beatmung vermindert werden kann.

Fazit: Eine mittel- bis schwergradige Schlafapnoe bei HI-Patienten stellt, unabhängig von bekannten Risikofaktoren, eine signifikante Vorhersage für das Auftreten von Tod oder Herztransplantation dar. Patienten mit Schlafapnoe, die eine PAP-Therapie strikt einhalten, haben tendenziell eine bessere Prognose als Patienten, die keine PAP-Therapie nutzen, berichten die Studienautoren.

Quellen:
C. Prinz et al; Schlafbezogene Atemregulationsstörungen erhöhen die chronische Inflammation bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung; Clin Res Cardiol 98, Suppl 1, April 200, P721
R. Wachter et al; Einfluss einer obstruktiven Schlafstörung auf die diastolische linksventrikuläre Funktion; Clin Res Cardiol 98, Suppl 1, April 2009, V264

M. Arzt et al;, Die prognostische Bedeutung der Schlafapnoe und deren Behandlung bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz - 6-Jahres - Verlaufsuntersuchung eines Schlaflaborkollektivs; Clin Res Cardiol 98, Suppl 1, April 2009, V262

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Pressestelle
Prof. Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
Achenbachstr. 43, 40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600 692 - 61; E-Mail: limberg@dgk.org
Roland Bettschart, Birgit Kofler; B&K Medienberatung
Pressezentrum am Kongress: 0621-41065003; mobil 0043 676 6356775
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa.

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics