Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzinfarkt-Gefahr ausschließen: Myokardszintigrafie gibt „5-Jahres-Garantie“

23.05.2013
Bei unklaren Herzbeschwerden kann eine ambulante nuklearmedizinische Untersuchung den Patienten häufig eine Katheteruntersuchung in der Klinik ersparen.

Findet der Nuklearmediziner bei der sogenannten Myokardszintigrafie nämlich keine Durchblutungsstörung des Herzens, ist die Gefahr eines Herzinfarktes mit 99-prozentiger Sicherheit für mindestens fünf Jahre ausgeschlossen. Dies belegen zwei Studien aus Dänemark und den Niederlanden.

„Die Myokardszintigrafie beantwortet zuverlässig die Frage, ob ein Herzkatheter-Eingriff notwendig ist“, erklärt Privatdozent Dr. med. Detlef Moka, 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN). Die Myokardszintigrafie ist eine Kassenleistung, die allen Versicherten offensteht.

Schmerzen, Druck, Engegefühl hinter dem Brustbein: Liegt bei einem Patienten der Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) vor, muss geklärt werden, wie stark die Herzgefäße verkalkt und verengt sind. Dafür stehen verschiedene diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung – vom Elektrokardiogramm und Koronarangiografie über die Magnetresonanztomografie bis zur Myokardszintigrafie. Letztere führen Nuklearmediziner ambulant in ihrer Praxis durch.

„Wir spritzen dem Patienten nach einem Belastungstest auf dem Ergometer ein Radiopharmakon in die Vene“, erläutert Dr. Moka das Vorgehen bei der Myokardszintigrafie. Der Herzmuskel speichert das Mittel vorübergehend, was der Nuklearmediziner mit einer sogenannten Gammakamera verfolgen kann. „Die Bilder zeigen uns, ob alle Bereiche des Herzmuskels ausreichend mit Blut versorgt werden“, so Dr. Moka. „Mangelhafte Durchblutung weist auf verengte Herzkranzgefäße und auf ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt hin.“ In diesem Fall kann eine Herzkatheteruntersuchung sinnvoll sein.

Meist zeigt die Myokardszintigrafie allerdings eine normale Durchblutung. „Dann ist das Risiko, in den fünf nächsten Jahren an einem Herzinfarkt zu sterben, gegenüber der Normalbevölkerung nicht wesentlich erhöht“, sagt Nuklearmediziner Moka. So konnte seine Kollegin Jane Simonsen von der Universität Odense in Dänemark zeigen, dass die Sterberate in den ersten fünf Jahren nach einem Normalbefund bei unter einem Prozent pro Jahr liegt. Nuklearmediziner und Kardiologen sprechen daher von einer „5-Jahres-Garantie“ im Fall einer unauffälligen Myokardszintigrafie. Eine Studie aus den Niederlanden belegt sogar, dass die Sterberate oft auch nach 15 Jahren nicht wesentlich erhöht ist.

Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel. „Dazu zählen Patienten, die bereits wegen einer Koronaren Herzkrankheit in Behandlung waren“, sagt Dr. Moka. Auch bei älteren Menschen über 75 Jahren sei das Risiko leicht erhöht, selbst wenn die Myokardszintigrafie eine normale Durchblutung anzeigt. Der Studie zufolge könnten zudem Diabetespatienten stärker gefährdet sein, wobei dieser Zusammenhang statistisch nicht eindeutig war. „Ob weitergehende Untersuchungen notwendig sind, muss der Arzt anhand des individuellen Risikoprofils bei jedem Patienten einzeln entscheiden“, betont Detlef Moka.

Festzuhalten bleibe auch, dass die Aussagekraft der Myokardszintigrafie höher ist als die einer Computer- oder Magnetresonanztomografie des Herzens. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb die Myokardszintigrafie in den USA seit vielen Jahren weitaus gebräuchlicher ist als in Deutschland. Die Strahlenbelastung bei der Myokardszintigrafie ist vergleichsweise gering, sie entspricht einer CT-Untersuchung des Oberkörpers. Das radioaktive Kontrastmittel scheidet der Körper nach wenigen Stunden mit dem Urin und dem Stuhl wieder aus. Dies ermöglicht auch Verlaufskontrollen bei Patienten mit erhöhtem kardialen Risikoprofil, so Detlef Moka.

Quellen:
Simonsen JA et al. Prognosis in patients with suspected or known ischemic heart disease and normal myocardial perfusion: Long-term outcome and temporal risk variations. J Nucl Cardiol. 2013; doi:10.1007/s12350-013-9696-0
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23456830
Arend F. L. Schinke et al. 15-Year outcome after normal exercise 99mTc-sestamibi myocardial perfusion imaging: What is the duration of low risk after a normal scan? J Nucl Cardiol. 2012; 19(5): 901–906
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3462309/

Kontakt für Journalisten:
Kerstin Ullrich
Pressestelle
Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Tel.: +49 711 8931-641
Fax: +49 711 8931-984
E-Mail: presse@bdn-online.de

Kerstin Ullrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bdn-online.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik