Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzinfarkt: Erstmaßnahmen entscheiden über Leben und Tod

12.08.2009
In 2007 sind in Deutschland 139808 Menschen an ischämischen Herzkrankheiten, wie Angina Pectoris oder Myokardinfarkten, gestorben. Laut statistischem Bundesamt waren darunter 61040 Verstorbene mit akutem oder wiederkehrendem Myokardinfarkt, dem sogenannten Herzinfarkt.

Die Überlebenschancen sind heute sehr gut, wenn Patienten rechtzeitig die Klinik erreichen. Die meisten Todesfälle ereignen sich, bevor der Rettungswagen eintrifft oder auf dem Weg in das Krankenhaus. Sind diagnostische Maßnahmen, Therapien und Infrastruktur vereinheitlicht, verbessert sich dadurch die Versorgung der Herzinfarktpatienten.

Experten fordern deshalb im Vorfeld des Hauptstadtkongresses der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie (HAI) in Berlin ein standardisiertes Versorgungskonzept auf Basis evidenzbasierter Leitlinien.

"Das akute Koronarsyndrom, wie Mediziner die lebensbedrohlichen Folgen einer Durchblutungsstörung in den Herzkranzgefäßen bezeichnen, ist ein häufiger Grund für Notarzteinsätze", sagt Professor Dr. med. Bernd Böttiger, 1. Sprecher des wissenschaftlichen des Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln. Bei der schwersten Form, dem sogenannten ST-Hebungsinfarkt (STEMI: ST-elevation myocardial infarction), kommt es in vielen Fällen zum Herzstillstand. In einer europaweiten Studie mit über tausend Patienten wurde untersucht, ob die Injektion eines Medikamentes, das Blutgerinnsel auflöst, in einer solchen Situation die Chancen der Patienten erhöht.

Diese Lysetherapie wird seit langem mit Erfolg bei sogenannten nicht reanimationspflichtigen Patienten durchgeführt. Sie kann die Herzkranzgefäße wieder durchgängig machen und den Schaden am Herzmuskel begrenzen. Doch die Ergebnisse der "Thrombolysis in Cardiac Arrest" oder TROICA-Studie haben die Hoffnungen nicht erfüllt. "Leider mussten wir feststellen, dass Patienten mit einem Herzstillstand nach Herzinfarkt von der Lysetherapie während der Wiederbelebungsmaßnahmen keinen Nutzen haben", erklärt Studienleiter Böttiger.

Sinnvoll ist diese Therapie, wenn eine Lungenembolie Ursache des Herzstillstands ist. Zur Lungenembolie kommt es, wenn größere Blutgerinnsel die Lungenarterien verstopfen. Die Durchblutung des dahinterliegenden Gewebes ist so nicht mehr möglich. Dadurch verkleinert sich die sauerstoffaustauschende Fläche der Lunge. Professor Böttiger: "Hier kann eine Lysetherapie Patienten das Leben retten. Beim Herzinfarkt kommt eine Lyse dann zum Einsatz, wenn eine Behandlung mit einem Herzkatheter nicht innerhalb von zwei Stunden erfolgen kann. Dies ist heute die beste Therapie bei Herzinfarkten, da der Katheter das Durchblutungshindernis zuverlässig beseitigt." Die Behandlung mittels Herzkatheter ist im Rettungswagen im Gegensatz zur Lysetherapie nicht möglich.

Nach Herzinfarkt und Herz-Kreislaufstillstand ist auch die therapeutische Hypothermie eine einfache und sehr effektive Maßnahme. Die Abkühlung des Körpers auf 32 bis 34 Grad Celsius verbessert bei Menschen, die nach einem Herzstillstand wiederbelebt werden, deutlich die Überlebenschancen. Dieses Verfahren gilt als eine der wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre im Bereich der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Terminhinweise

HAI 2009 - 11. Hauptstadtkongress der DGAI für
Anästhesiologie und Intensivtherapie mit Pflegesymposium
17. bis 19. September 2009, bcc Berliner Congress Center
Vorträge
Akutes Koronarsyndrom in der Präklinik
Donnerstag, den 17. September 2009, 10.45 bis 12.45 Uhr, Saal Cubix 2 im Cinestar CUBIX Filmpalast Berlin Alexanderplatz
Protektive präklinische und klinische Hypothermie
Freitag, den 18. September 2009, 12.00 - 13.40 Uhr, Saal Cubix 2 im Cinestar CUBIX Filmpalast Berlin Alexanderplatz

Pressekontakt für Rückfragen:

DGAI Pressestelle
Silke Jakobi
Postfach 30 11 20
D-70451 Stuttgart
Telefon: 0711 89 31-163
Fax: 0711 89 31-167
E-Mail: jakobi@medizinkommunikation.org

Silke Jakobi | idw
Weitere Informationen:
http://www.HAI2009.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics