Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hepatitis C zukünftig besser behandelbar – Neue Wirkstoffe stoppen das Virus

15.01.2014
Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland sind mit dem Hepatitis C-Virus infiziert.

Unbehandelt erkranken sie früher oder später an einer Leberentzündung, das Lebergewebe vernarbt, oft entwickelt sich daraus Leberkrebs. Hepatitis ist hierzulande die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation.

Dank neuer Wirkstoffe haben Betroffene jetzt bessere Aussicht auf Heilung. Denn die modernen Medikamente hindern das Virus daran, sich zu vermehren und blockieren damit die chronische Entzündung der Leber. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) sieht darin eine Chance für einen Wendepunkt in der Krankenversorgung.

Die Behandlung von Hepatitis C erforderte bisher viel Geduld: Die Patienten mussten über bis zu eineinhalb Jahre lang zweimal täglich Tabletten mit dem Wirkstoff Ribavirin einnehmen und wöchentlich das Hormon Interferon spritzen. Interferon stärkt die körpereigene Virusabwehr.

„Doch vor allem seine Nebenwirkungen machen die Behandlung für die Patienten beschwerlich, und eine Erfolgsgarantie gab es nicht“, beschreibt der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Michael P. Manns aus Hannover. Nur etwa die Hälfte der Patienten erreichte das Therapieziel: ein über das Ende der Behandlung anhaltendes Ansprechen des Virus auf das Medikament, eine „sustained virological response“ (SVR). „Wenn der Virustest auch zwölf Wochen nach dem Ende der Therapie negativ ausfällt, gehen wir heute von einer Ausheilung der Hepatitis C aus“, erläutert Manns, der Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover ist.

Zwei neue Wirkstoffe haben die Heilungschancen deutlich verbessert: „Boceprevir und Telaprevir erreichen in Kombination mit Interferon und Ribavirin eine Heilungsrate von bis zu 80 Prozent“, berichtet Professor Manns. Neu an den beiden Substanzen ist, dass sie direkt gegen das Hepatitis C-Virus wirken, indem sie ein bestimmtes Enzym des Virus, die HCV-Protease, blockieren und damit seine Vermehrung stoppen. Es sind die ersten sogenannten direct acting antivirals (DAA). Mehrere Dutzend weitere DAA sind derzeit in der klinischen Entwicklung. „Wir ernten jetzt die Früchte einer jahrzehntelangen Erforschung des Hepatitis C-Virus“, erläutert der Experte. Zwei Medikamente der nächsten Generation, Semiprevir und Sofosbuvir, wurden gerade in den USA zugelassen, Europa wird folgen.

Mit einer größeren Zahl von Wirkstoffen steigen auch die Chancen, schwierige Hepatitis-Infektionen erfolgreich zu behandeln. Anspruchsvoll ist vor allem die Therapie bei bestimmten Typen des Virus und bei Menschen mit bereits deutlich geschädigter Leber, vor allem im Stadium der Leberzirrhose. Manns hofft, dass auch für diese Patienten in Zukunft erfolgreiche und nebenwirkungsärmere Therapien möglich werden: „Es ist vorstellbar, dass es in fünf Jahren wie bei der HIV-Therapie Kombinationspräparate gibt, die einmal täglich als Tablette eingenommen werden können und die aber im Gegensatz zu HIV zur Heilung führen können“, meint der DGIM-Vorsitzende.

Ein Problem sieht der Experte darin, alle Menschen zu finden, die mit dem Virus infiziert sind und von einer Therapie profitieren: „Denn eine Hepatitis C kann Jahrzehnte lang beschwerdefrei bleiben.“ Tritt die Erkrankung zutage, sei es für eine Heilung oft zu spät. „Hepatitis C ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation, und die frühzeitige Behandlung könnte die Warteliste deutlich entlasten“, sagt Professor Manns. Im Prinzip könnte das Hepatitis C-Virus durch die Behandlung aller Infizierten weltweit ausgerottet werden, wie etwa das Pockenvirus. Damit rechnet Manns allerdings nicht. Die Behandlung sei kostspielig und für viele Länder derzeit nicht finanzierbar: „Malaria, Tuberkulose und Durchfallerkrankungen bei Kindern stehen in vielen Ländern weiter oben auf der Prioritätenliste.“ Neueste Erkenntnisse zur Therapie von Hepatitis sind auch ein Thema des 120. Internistenkongresses der DGIM, der vom 26. bis 29. April 2014 in Wiesbaden stattfindet.

Terminhinweise:

120. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Termin: 26. bis 29. April 2014
Ort: Rhein-Main-Hallen Wiesbaden
Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Termin: Dienstag, 4. Februar 2014, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Berliner Dependance der DGIM, Oranienburger Straße 22, 10178 Berlin
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim2014.de
http://www.dgim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblick ins geschlossene Enzym

26.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Laser – World of Photonics: Offene und flexible Montageplattform für optische Systeme

26.06.2017 | Messenachrichten

Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017

26.06.2017 | Messenachrichten