Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helicobacter pylori: Vier sind manchmal besser als drei

24.02.2011
Mit einer neuen Therapie ist es möglich, das Magenbakterium Helicobacter pylori auch dann noch zu beseitigen, wenn es gegenüber dem Antibiotikum Clarithromycin resistent ist.

Aktuelle Studienergebnisse zur sogenannten Quadrupel-Therapie hat ein internationales Ärzteteam um Professor Dr. Peter Malfertheiner von der Magdeburger Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie jetzt in der Online-Ausgabe des prestigereichen Medizinjournals „The Lancet“ vorgestellt.

Helicobacter pylori (H.p.) ist ein Krankheitserreger, der sich in der Magenschleimhaut einnistet und dort zu Entzündungen führt (Gastritis).Dabei produziert er Stoffe, die das Risiko für Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm sowie für Magenkrebs erhöhen. Es wird geschätzt, das altersabhängig bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland den Keim in sich tragen. In Entwicklungsländern mit geringeren hygienischen Standards und schlechter Gesundheitsversorgung sind es bis zu 80 Prozent. In den Industriestaaten konnte die Zahl der H.p.-Infektionen in den vergangenen Jahren durch eine verbesserte Hygiene und bessere therapeutische Möglichkeiten deutlich gesenkt werden.

Die standardmäßige Eradikation (Beseitigung) von H.p. besteht derzeit aus einer Kombination von drei Medikamenten - eines Protonenpumpenhemmers und zwei Antibiotika (Amoxicillin und Clarithromycin). Die sogenannte Tripel-Therapie muss sieben Tage lang durchgeführt werden, damit der bakterielle Krankheitserreger vollständig aus dem Magen entfernt wird.

In jüngster Zeit beobachten Gastroenterologen in Teilen der Welt eine Zunahme von Resistenzen vor allem gegenüber dem Antibiotikum Clarithromycin, das ein wichtiger Baustein der Tripel-Therapie zur H.p.-Eradikation ist. Der Grund für die vermehrte Resistenz liegt vor allem in der häufigen Anwendung der Antibiotika als Monotherapien bei Infektionen, beispielsweise an den oberen Atmungsorganen.

In einer multizentrischen, internationalen und randomisiert kontrollierten open-label Studie mit 440 Männern und Frauen im Alter von über 18 Jahren, die vor der Behandlung nachweislich Magenschleimhautentzündungen aufwiesen, hatte das Ärzteteam um Professor Dr. Malfertheiner die zu erwartenden Erfolgsraten einer H.p.-Eradikation durch eine herkömmliche Dreifach-Medikamententherapie mit einer alternativen Quadrupel-Therapie verglichen. Letztere bestand in einer zehntägigen Therapie mit einem Protonenpumpenhemmer (Omeprazol) und einer Medikamenten-Kombination aus Wismutsalz mit den beiden Antibiotika Metronidazol und Tetrazyklin. Die Besonderheit des Medikamentes ist die neuartige Galenik mit den drei Wirkstoffen in einer Kapsel.

Die Mediziner konnten zeigen, dass H.p. bei 80 Prozent der mit der Quadrupel-Therapie behandelten Patienten entfernt wurde. Bei der herkömmlichen Tripel-Therapie waren es dagegen nur 55 Prozent. Es traten nicht mehr Nebenwirkungen auf.

„In Regionen mit einer hohen Resistenzrate gegenüber Clarithromycin sollte das Quadrupel-Therapieschema als First-Line-Therapie zur Helicobacter-Eradikation erwogen werden“, schlägt Professor Malfertheiner vor.

Online-Fachveröffentlichung:
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(11)60020-2/abstract
Ansprechpartner für Redaktionen:
Professor Dr. Peter Malfertheiner
Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie Magdeburg

E-Mail: peter.malfertheiner@med.ovgu.de

Autor: Uwe Seidenfaden

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie