Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heilung von Diabetes rückt näher

28.08.2008
Proteine lassen Zellen Insulin produzieren

Forscher der US-Universität Harvard könnten einen großen Schritt in Richtung Heilung von Diabetes gemacht haben.

Im Mausversuch ist es ihnen gelungen, aus einfachen Pankreaszellen, die im Darm für die Zerlegung von Nahrung verantwortlich sind, Insulin produzierende Zellen zu züchten. Dazu injizierten sie den Mäusen einen Protein-Cocktail, der dazu führte, dass ein Trio von normalerweise schlafenden Genen in den Zellen erwachte und dort mit einer Umprogrammierung begann.

"Das ist, als ob jemand ein Programm auf seinen Computer herunterlädt und plötzlich wird aus dem PC ein Mac", erläutern die Wissenschaftler ihr Vorgehen.

Bereits nach drei Tagen begannen die so umgewandelten Zellen mit der Produktion kleiner Insulinmengen. Eine Woche später hatten sich bereits mehr als 20 Prozent in sogenannte Beta-Zellen umgewandelt. "Deren Insulinproduktion war mit der echter Beta-Zellen identisch", erklärt Doug Melton, Studienleiter und stellvertretender Leiter des Harvard Stammzellen-Instituts.

Die Forschungsergebnisse könnten seiner Meinung nach aber nicht nur ein großer Fortschritt in der Diabetesbehandlung sein, sondern auch zur Regeneration von Herzmuskelzellen bei Herzinfarktpatienten oder zur Erneuerung von anderen beschädigten Zellen eingesetzt werden. "Es sollte möglich sein, einen jeden Zelltyp, der im Körper fehlt, aus einer anderen Zelle herzustellen", fährt Melton fort.

Das von den Forschern als "direct reprogramming" bezeichnete Verfahren, basiert auf dem Fakt, dass jede Zelle die komplette Bibliothek von Genen ihrer DNA beinhaltet. Die externe Zufuhr der Proteine führte in den Zellen durch einen noch unbekannten Prozess dazu, dass sich neue Zelltypen, Muskelfäden und Neuronen bildeten. Im Versuch stellten die Diabetes-Experten zudem fest, dass durch ihre Behandlungsmethode gewonnene Beta-Zellen nicht nur schneller, sondern auch stärker den Blutzuckerspiegel senkten als Beta-Zellen, die aus Stammzellen gewonnen waren. "Die Transformation scheint sicherer zu sein als Methoden, bei denen unreife Stammzellen eingesetzt werden und die dazu tendieren zu Tumoren auszuwachsen", meint Konrad Hochedlinger, Wissenschaftler am Harvard Stammzellen-Institut.

Für die Motivation der Heilung von Diabetes ein Stück näher zu kommen, sorgte bei Melton ein ganz persönlicher Umstand: "Meine beiden Kinder Emma und Sam haben beide selber Diabetes Typ I und ich wache jeden Tag auf und frage mich, wie kann ich Beta-Zellen herstellen kann", berichtet der Forscher im Gespräch mit der New York Times. Jedoch warnt der Harvard-Professor vor verfrühten Hoffnungen. Denn bisher befinde man sich noch im Tierversuch und es könne zwei bis fünf Jahre dauern, bis Testergebnisse für den Menschen vorliegen. "Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, wäre es ein tatsächlicher Durchbruch", sagte ein deutscher Diabetes-Experte auf pressetext-Nachfrage. Denn damit würde man nicht nur der Heilung zahlreicher Krankheiten näher kommen, sondern könnte auch die umstrittene embryonale Stammzellenforschung zurückfahren.

Erik Staschöfsky | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.harvard.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise