Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heilende Zwiebeln – Marburger erforscht Heilpflanzen in Afghanistan

16.07.2013
Pharmazeut dokumentiert traditionelles Wissen der Bevölkerung

Der Marburger Pharmazeut Professor Dr. Michael Keusgen erforscht Heilpflanzen in Afghanistan und das traditionelle Wissen der Bevölkerung über deren medizinische Verwendung. Dieses Wissen dokumentiert er, um es der Allgemeinheit und der Pharmazie für die Entwicklung von Medikamenten zugänglich zu machen.

Eine Forschungsreise führte Keusgen, der seit vielen Jahren zu Heilpflanzen entlang der historischen Seidenstraße arbeitet, kürzlich in den Nordosten Afghanistans in den Distrikt Yarwan in der Provinz Badakhshan. Dort leben auf über 3.000 Metern Höhe überwiegend Nomaden.

In dem nur zu Fuß erreichbaren Dorf Shingan an der Grenze zu Tadschikistan wächst unter anderem eine Zwiebelpflanze, die medizinisch wirksame Schwefelverbindungen enthält. Die Einheimischen sammeln im Frühjahr die frischen Blätter der Pflanze, um sich nach den langen, harten Wintern im Hochgebirge zu kräftigen. Forschern ist die Pflanze unter dem wissenschaftlichen Namen „Allium darwasicum“ bekannt. Dass es sie überhaupt in Afghanistan gibt, hat Keusgen erstmals dokumentiert.

Auch andere Zwiebeln dienen den Menschen als Heilpflanzen: „Allium oschaninii“ wächst auf einer Höhe von 2.300 Metern, sieht unserer Küchenzwiebel ähnlich und wirkt gegen Atemwegserkrankungen. Magen-Darm-Beschwerden und Schmerzen werden auch mit Minze, Oregano und Berberitzen bekämpft. Keusgen befragte die Bevölkerung und erhielt so Informationen über die Verwendung von rund 20 Pflanzenarten. So erfuhr der Pharmazeut, dass die auf dem Basar von Yarwan verkauften Pilze nicht nur als Gemüse, sondern auch gegen Augenleiden verwendet werden. Der Enzian, den Keusgen im Gebirge fand, dient der Bevölkerung wegen seiner Bitterstoffe genauso wie in Europa als verdauungsförderndes Mittel.

Unterstützung bei seiner Arbeit erhielt Keusgen von Bastian Roos, Berater des Kanzlers der Balkh-Universität. Er ist als Fachkraft von dem in Frankfurt ansässigen Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) nach Mazar-e Sharif entsandt worden. Roos half Keusgen dabei, Kontakt zur Bevölkerung zu knüpfen und deren Wissen zu dokumentieren.

Das vom DAAD unterstützte Vorhaben war zunächst als Pilotprojekt konzipiert, um herauszufinden, ob eine solche ethnopharmazeutische Forschung in einem abgelegenen Winkel Afghanistans sinnvoll ist. „Die Reise hat gezeigt, dass die Frage eindeutig mit Ja zu beantworten ist. Es gibt wahrscheinlich wenige Regionen auf dem Globus, in denen sich derartig wertvolle Informationen zu Arznei- und Nutzpflanzen sammeln lassen“, so das Fazit von Keusgen.

Der DAAD hat ihm vorgeschlagen, ein Buch über afghanische Heilpflanzen zu erstellen – eine Investition in das langfristige Ziel, den Gesundheitssektor im Land zu entwickeln und den Menschen grundlegende Medikamente zugänglich zu machen. Bei diesem Projekt arbeitet er mit der Balkh-Universität in Mazar-e Sharif zusammen. Dort ist er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Dekan auch gefragt, den Aufbau von Forschung und Lehre am neu gegründeten Fachbereich Pharmazie zu unterstützen. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung eines Lehrplans und um die Integration der Pharmazie in das medizinische Kompetenzzentrum der drittgrößten Hochschule in Afghanistan. „Talentierten Wissenschaftlern wollen wir außerdem die Möglichkeit geben, in Marburg zu promovieren“, sagt Keusgen über die derzeitigen Pläne für die Zusammenarbeit mit der Balkh-Universität.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Keusgen, Fachbereich Pharmazie
Tel.: 06421-2825809
E-Mail: keusgen@staff.uni-marburg.de

Andrea Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: Afghanistan Heilpflanzen Medikament Pflanze Pharmazeut Pharmazie Zwiebeln

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie