Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautmastzellen können Hauttumore fördern

23.02.2009
Histologische Untersuchungen eigener und anderer Arbeitsgruppen konnten zeigen, dass bei verschiedenen Tumoren der Haut wie z.B. Basaliomen, Melanomen und Plattenepithelkarzinomen die Anzahl der Mastzellen im tumorumgebenden Gewebe im Vergleich zu normalem Gewebe erhöht ist.

Diese Tatsache lässt vermuten, dass es eine Interaktion zwischen Mastzellen und Tumoren geben könnte, die die Entwicklung und das Fortschreiten der Hauttumoren beeinflusst. Die genauen Mechanismen der Zell-Zell Interaktion zwischen Mastzellen und Tumorzellen sind im Gewebe schwer zu identifizieren.

Die physiologische Funktion der Mastzelle ist neuesten Erkenntnissen zufolge äußerst komplex. Aktivierte Mastzellen können entweder bereits in der Zelle vorhandene Wirkstoffe wie Histamin, Tryptase oder Chymase aus Speichervesikeln in Sekundenschnelle in das umgebende Gewebe freisetzen. Andere Wirkstoffe, z.B. Wachstumsfaktoren, können aber auch zunächst neu synthetisiert und dann mit zeitlicher Verzögerung ausgeschüttet werden.

Diese Mechanismen tragen wesentlich zu entzündlichen und allergischen Reaktionen bei, mit denen Mastzellen auch in erster Linie assoziiert werden. Mastzellen spielen aber beispielsweise auch bei der körpereigenen Abwehr parasitärer Infektionen eine Rolle. Bezüglich der Wirkung von Mastzellen auf Tumoren wird angenommen, dass Wirkstoffe aus Mastzellen wie Interleukin-6 und -8 die Neubildung von Gefäßen in Tumoren fördern.

Die Neubildung von Gefäßen ist essentiell für die Versorgung des neu entstehenden Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen und damit für sein Überleben. Die Hypothese einer fördernden Wirkung von Mastzellen auf die Tumor-Neogenese stützt sich bisher jedoch lediglich auf beschreibende Untersuchungen an Gewebeschnitten. Die bidirektionale, funktionelle Kommunikation zwischen Tumorzellen und Mastzellen wurde bislang noch nicht untersucht: Daher wurde im Rahmen dieses von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projektes erstmals ein Ko-Kultur-System entwickelt, in dem menschliche Mastzellen und Zellen aus verschiedenen Hauttumoren gemeinsam in einer Zellkulturschale kultiviert werden.

Unsere bisherigen Untersuchungen konnten zeigen, dass Mastzellen tatsächlich in der Lage sind, aktiv in die biologischen Prozesse der Tumorzelle einzugreifen. Hierbei spielt offensichtlich das aus Mastzellen freigesetzte Eiweiß-Molekül TNF (Tumor Nekrose Faktor) eine wichtige Rolle, indem es Synthese und Freisetzung der bereits oben genannten, angiogenetischen Wirkstoffe Interleukin--6 und Interleukin-8 in den Tumorzellen aktiviert.

Wir konnten weiterhin nachweisen, dass die Mastzellen durch Beeinflussung der Neusynthese, der enzymatischen Aktivität sowie der Degradierung von Faktoren, die den peri-tumorösen Bindegewebsaufbau modifizieren können (Gelatinasen und Kollagenasen), das invasive Potential der untersuchten Melanom- und Plattenepithelkarzinom-Zellen aktivieren und somit die Umbauprozessen im Tumorgewebe regulieren können. Die bisherigen Befunde zeigen also, dass Mastzellen wahrscheinlich das Potential haben, sowohl die Gefäßneubildung im Tumor als auch das Invasionsverhalten des Tumors zu fördern.

Basierend auf diesen Erkenntnissen werden wir versuchen, weitere funktionelle Interaktionen zwischen Mastzellen und Tumorzellen zu identifizieren. Im Fokus dieser Untersuchungen stehen momentan weitere angiogene Wachstumsfaktoren wie VEGF (vascular endothelial growth factor), TGF-ß (transforming growth factor), bFGF (basic fibroblast growth factor) und PDGF (platelet derived growth factor). Auch weitere eiweißspaltende Enzyme (MMP1, MMP14), die für das Invasionsverhalten essentiell sind, sollen untersucht werden.

Sollten sich unsere Ergebnisse bestätigen, wäre dies der erste funktionelle Hinweis auf eine das Tumorwachstum und das -invasionsverhalten fördernde Wirkung von Mastzellen. Folglich wäre eine pharmakologische Beeinflussung der Mastzellinfiltration, -proliferation und -degranulation als mögliches neues Konzept in der Tumortherapie zu diskutieren.

Kontakt: Dr.rer.nat. Metin Artuc, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin

Telefon: +49 30 450518113 / E-Mail: metin.artuc@charite.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 45.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Schlüsselmolekül des Alterns entdeckt

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Vorhersage von Kristallisationsprozessen soll bessere Kunststoff-Bauteile möglich machen

20.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics