Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrebs - Erfolg einer Chemotherapie vorhergesagt

20.11.2008
In der Behandlung des fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebses "malignes Melanom" spielt die Gabe von Zellgiften, die Chemotherapie, nach wie vor eine führende Rolle.

Bislang ist es jedoch nicht möglich, für den betroffenen Patienten vorherzusagen, ob ihm eine solche Chemotherapie helfen wird oder nicht, und welche Zellgifte für ihn persönlich an besten geeignet sind.

Die Arbeitsgruppe um Selma Ugurel und David Schrama an der Hautklinik der Universität Würzburg untersucht molekulare Strukturen in Gewebe- und Blutproben von Melanompatienten, die einen Hinweis darauf geben sollen, wie sich der betroffene Patient unter der Behandlung verhalten wird.

Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, ist eine Krebserkrankung deren Anzahl betroffener Patienten weltweit stetig zunimmt. Patienten deren Melanom frühzeitig operativ behandelt wurde, haben eine gute Chance auf eine Heilung. Hingegen gibt es für Patienten, deren Melanom sich im Körper ausgebreitet hat und Tochtergeschwülste, sogenannte "Metastasen" gebildet hat, nur wenig Hoffnung auf eine Heilung.

Für metastasierte Patienten, die durch eine Operation nicht behandelbar sind, kommt in erster Linie eine Chemotherapie in Betracht. Leider sind die Erfolgsraten einer Chemotherapie beim Melanom jedoch nicht hoch, durchschnittlich wird nur bei jedem dritten Patienten ein Stillstand oder eine Verbesserung der Erkrankung erreicht. Alternativen zu einer Chemotherapie sind Immuntherapien, Behandlungen die das Immunsystem des Patienten hinsichtlich einer Krebsabwehr stärken, oder Medikamente, die in die molekularen Prozesse der Krebszellen eingreifen. Diese Behandlungsmaßnahmen haben sich jedoch bislang nicht als besser als die Chemotherapie erwiesen, weswegen die Chemotherapie nach wie vor als Behandlung der ersten Wahl für einen metastasierten Melanompatienten gilt.

Es stellt sich nun die Frage, ob man diejenigen Patienten, bei denen eine Chemotherapie erfolgreich verlaufen wird, bereits vor Beginn einer solchen Therapie identifizieren kann. Hierzu gibt es ein Testsystem, das ex-vivo Chemosensitivitätsprofiling, mittels dessen Hilfe man aus einer Gewebeprobe vom Krebsgeschwür des Patienten den voraussichtlichen Erfolg oder Misserfolg unter einer geplanten Chemotherapie ablesen kann (siehe Abbildung 1). Dieses Verfahren wurde unter unserer Leitung im Rahmen einer klinischen Phase-II Studie bei Melanompatienten angewendet, und es zeigte sich eine gute Übereinstimmung zwischen dem Testergebnis dem Erkrankungsverlauf des Patienten unter Chemotherapie. Jedoch ist das Testverfahren aufwendig und wenig genau, und somit stellt sich die Frage nach exakteren und leichter handhabbaren Techniken zur Vorhersage des Behandlungserfolgs.

Im geplanten Forschungsprojekt werden Gewebeproben von Melanompatienten molekular charakterisiert, das heisst, es werden Proteine quantitativ und qualitativ vermessen und miteinander verglichen. Die Ergebnisse werden zum klinischen Verlauf der betroffenen Patienten in Bezug gesetzt, mit dem Ziel, Zusammenhänge zwischen molekularem Profil und klinischem Verlauf zu finden. Auf diese Weise sollen molekulare Biomarker für den Erfolg einer Chemotherapie identifiziert werden, die dann in der Folge an weiteren Patientenproben überprüft werden. An Zellkulturmodellen werden diese Moleküle gezielt an- und ausgeschaltet, und somit ihre Funktion in der Krebszelle untersucht. Diese neuen Markermoleküle könnten zukünftig bei Melanompatienten vor der Auswahl einer Therapie vermessen werden, um anschliessend aus den gewonnenen Informationen Rückschlüsse auf den wahrscheinlichen Verlauf des Patienten unter Therapie zu ziehen und somit die Behandlung individuell auf den Patienten anzupassen.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Selma Ugurel, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Würzburg, Josef-Schneider-Strasse 2, 97080 Würzburg, Tel: 0931 - 201 26118 / Email: Ugurel_S@klinik.uni-wuerzburg.de.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz