Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrebs: Durchbruch mit Immuntherapien?

31.05.2016

Mit körpereigenen Abwehrzellen Krebs bekämpfen / MHH-Wissenschaftler stellen neue hochspezifische Zelltherapeutika her

Am schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) erkranken in Deutschland jährlich etwa 17.000 Menschen. 3.000 von ihnen sterben, weil Operationen, Bestrahlungen oder Chemotherapien ihnen nicht mehr helfen konnten.


(von links): Jana Leise, Dr. Wolfgang Glienke, Professorin Dr. Ulrike Köhl, Christoph Priesner, Anna-Magdalena Kruel und Dr. Ruth Esser vom Institut für Zelltherapeutika.

Foto:MHH/Kaiser

Um dem entgegenzuwirken, erarbeiten Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universität zu Köln gemeinsam mit der Firma Miltenyi Biotec im Projekt „CD20CAR-TIME“ eine neue Therapie: ein immuntherapeutisches Verfahren, bei dem die Abwehrzellen des Patienten wie bei einer Impfung dauerhaft in die Lage versetzt werden, Tumoren zu erkennen und zu zerstören.

Für das vierjährige Projekt stellt ihnen das Bundesministerium für Bildung und Forschung 3,2 Millionen Euro zur Verfügung. Davon bekommt das von Professorin Dr. Ulrike Köhl geleitete MHH-Institut für Zelltherapeutika 1,2 Millionen Euro.

Zentraler Gegenstand des Projekts sind die so genannten CAR-T-Zellen. Sie können zur Tumortherapie hergestellt und angewendet werden, wenn bestimmte Schlüsselstrukturen auf den Tumorzellen als Angriffsorte bekannt sind. Seit der Entdeckung durch den CD20CAR-TIME-Kooperationspartner Professor Dr. Hinrich Abken aus Köln ist dies nun auch für Melanomstammzellen der Fall.

Die CAR-T-Zellen werden konstruiert, indem den Patienten zuerst eigene Immunzellen entnommen werden, zu denen auch die T-Zellen gehören. Anschließend wird der für die Erkennung der Melanomstammzellen wichtige „chimäre Antigen-Rezeptor“ (CAR) in die patienteneigenen T-Zellen eingebracht. Für die Therapie erhält der Patient seine CAR-T-Zellen zurück.

Als deutschlandweit bedeutendes Zentrum zur Herstellung von Arzneimitteln für neuartige Therapien („Advanced Therapy Medicinal Products“) produziert die MHH mit Professorin Köhl die melanomspezifischen CAR-T-Zellen zur Anwendung bei Patienten. Dabei setzt das Team von Professorin Köhl – erstmalig für CAR-T-Zellen – den CliniMACS Prodigy der Firma Miltenyi Biotec ein.

Dies ist ein computergesteuertes, automatisches System zur Zellprozessierung. Durch die Geschlossenheit dieses Systems wird trotz einer Herstellungsdauer von zwei Wochen eine hohe Sicherheit der hintereinander geschalteten Arbeitsschritte gewährleistet. Den CliniMACS Prodigy nutzt das Team von Professorin Köhl im Rahmen des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Transplantation (IFB-Tx) bereits seit zwei Jahren erfolgreich, um Stammzellpräparate und antigenspezifische Zellen vom Labormaßstab in den klinischen Maßstab zu überführen („Clinical-Scale-Up“).

Mit der nun beginnenden klinischen Phase I-Studie – die erste deutsche Studie mit CAR-T-Zellen zur Behandlung von Hautkrebs – wird in CD20CAR-TIME zunächst die Sicherheit der neuen Methode überprüft. „In Studien zur Behandlung von Leukämien mit CAR-T-Zellen konnte in den USA bereits gezeigt werden, dass CAR-T-Zellen die Heilungschancen der Patienten erhöhen können. Wir hoffen, dass mit CD20CAR-TIME nun auch Tumorpatienten geholfen werden kann“, sagt Professorin Köhl.

Von der CAR-T-Zelltherapie erwartet man international einen Durchbruch in der Krebstherapie: Wissenschaftler aus den USA berichten über deutliche Behandlungserfolge bei verschiedenen Krebserkrankungen, weltweit laufen bereits mehr als 100 Studien mit CAR T-Zellen – allerdings nur zehn davon in Europa. Mit CD20CAR-TIME soll die Sichtbarkeit von Deutschland in der internationalen Spitzenforschung noch deutlicher werden.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Dr. Ulrike Köhl, Telefon (0511) 532-7960, koehl.ulrike@mh-hannover.de; https://www.mh-hannover.de/zelltherapeutika.html.

Stefan Zorn | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten