Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Hand weiß, was die andere tut!

21.09.2011
Beidseitige Repräsentation der Hand im somatosensorischen Kortex des Menschen - Ungewöhnlicher Befund zeigt Auswirkungen auf unser Bild vom Gehirn.

Körperliche Empfindungen, wie Berührungen auf der Haut aber auch das Gefühl für die Lage der eigenen Hand, sind beim Menschen in beiden Gehirnhälften repräsentiert: Signale der rechten Körperhälfte werden in der linken Gehirnhälfte verarbeitet und umgekehrt.

Dabei ging man bisher von einer strikten Trennung der Verarbeitung von Information aus den beiden Körperhälften aus. Wissenschaftler der Neurologischen Klinik und des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen konnten jetzt zeigen, dass der primäre somatosensorische Kortex (der Bereich in der Großhirnrinde, in dem Berührungsreize verarbeitet werden) anscheinend nicht nur für die gegenüberliegende Hand zuständig ist, sondern teilweise auch für die Hand auf der gleichen Körperseite. Die Ergebnisse wurden einer aktuellen Studie in der Zeitschrift Neuropsychologia publiziert.

Vor allem, wenn Informationen beider Hände kombiniert werden müssen, wie bei bimanualen Tätigkeiten, scheint dies schon im primären sensorischen Areal, d.h. auf sehr früher Verarbeitungsebene, im Gehirn zu passieren. Bisher ging man davon aus, dass die Informationsverarbeitung beim Menschen auf einer so frühen Ebene strikt zwischen der linken und rechten Hand getrennt ist.

Mit ihrer Arbeit konnten Svenja Borchers, Dr. Till-Karsten Hauser und Dr. Marc Himmelbach von der Neurologischen Universitätsklinik und dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung nun zeigen, dass auch beim Menschen die Körperwahrnehmung der rechten und der linken Hand zum Teil in der gleichen Gehirnhälfte verarbeitet wird. Die Autoren berichten von einer Patientin, die nach einem Schlaganfall eine ungewöhnlich kleine Schädigung exakt im somatosensorischen Kortexareal der rechten Gehirnhälfte erlitt, das üblicherweise der linken Hand zugeordnet wird. Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Schlaganfallpatienten litt sie unter keinerlei motorischen Einschränkungen, was die durchgeführte Untersuchung überhaupt erst möglich machte.

Die Patientin sollte mit einer Hand auf die Position der jeweils anderen Hand zeigen, die unter einem Tisch verborgen war. Wie erwartet konnte sie die Position ihrer linken Hand nicht mehr genau anzeigen, sobald diese nicht mehr direkt sichtbar war. Überraschend war aber, dass sie ebenfalls große Fehler machte, wenn sie die Position ihrer versteckten rechten Hand anzeigen sollte. Da die Patientin nur eine einseitige Gehirnschädigung aufwies, aber für beide Hände ein deutliches Defizit zeigte, schlossen die Autoren, dass die Schädigung der rechten Gehirnhälfte die Körperwahrnehmung beider Hände beeinträchtigt hat. „Da wir im alltäglichen Leben oft unsere Hände zusammen benutzen und es für die eine Hand wichtig ist, zu wissen was die andere macht, scheint es sinnvoll, dass diese Informationen auf einer frühen Verarbeitungsebene im Gehirn ausgetauscht werden, nämlich direkt im primären sensorischen Kortex“, so Borchers und Himmelbach.

Dr. Marc Himmelbach wurde erst vor kurzem (9.9.2011) in Basel mit dem renommierten Cortex Preis der Federation of European Neuropsychological Societies ausgezeichnet. Der Preisträger wird von den nationalen Gesellschaften für Neuropsychologie aufgrund herausragender Forschungsleistungen im Zeitraum von 7 Jahren nach der Promotion vorgeschlagen, eine Eigenbewerbung für den nicht dotierten Preis ist nicht möglich.

Originaltitel der Publikation
Bilateral hand representations in human primary proprioceptive areas
Autoren: Svenja Borchers, Till-Karsten Hauser, Marc Himmelbach
Neuropsychologia advance online publication xx.09.2011:
DOI: 10.1016/j.neuropsychologia.2011.08.013
Kontakte
Universitätsklinikum Tübingen, Sektion Neuropsychologie
Zentrum für Neurologie
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Dr. Marc Himmelbach
Tel. 0 70 71/29-8 76 00 Fax 07071/29 44 89
E-Mail: marc.himmelbach@uni-tuebingen.de
http://homepages.uni-tuebingen.de/marc.himmelbach
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Externe Pressestelle: Kirstin Ahrens
Telefon: 07073-500 724,
Mobil: 0173-300 53 96
mail(at)kirstin-ahrens.de
Universitätsklinikum Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Ellen Katz
Telefon: 07071/29-8 01 12
Mail: ellen.katz(at)med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie