Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hamburger Wissenschaftler erforschen Ursache aggressiver Hirntumoren bei Kindern

12.09.2017

Unter Federführung von Krebsforschern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Forschungsinstituts Kinderkrebs-Zentrum Hamburg hat eine internationale Wissenschaftlergruppe ermutigende Fortschritte bei der Erforschung einer bislang nicht behandelbaren Form kindlicher Hirntumoren erzielt. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Medicine berichten, konnten sie molekulare Mechanismen identifizieren, die für die Entstehung von sogenannten Embryonalen Tumoren mit vielschichtigen Rosetten (englische Abkürzung ETMR) verantwortlich sind. Im Labor gelang es den Forschern zudem, das Tumorwachstum mithilfe von Medikamenten signifikant zu verlangsamen.

ETMR sind eine seltene, aber sehr aggressiv wachsende Form kindlicher Hirntumoren, die vor allem Kinder unter drei Jahren betreffen. In Deutschland gibt es pro Jahr weniger als zehn Neuerkrankungen. Die meisten dieser Kinder sterben innerhalb kürzester Zeit.

„Die Entstehung von ETMR ist noch weitestgehend ungeklärt. Standardtherapien oder gar spezifisch wirkende Medikamente fehlen völlig“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe, Prof. Dr. Ulrich Schüller, der sowohl am UKE als auch am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg tätig ist. Die Patienten seien bislang nach verschiedenen Therapieprotokollen behandelt worden, erläutert Dr. Julia Neumann, Erstautorin der Studie, aus dem Institut für Neuropathologie. „Man hat erst kürzlich erkannt, dass diese Tumoren, die zuvor jeweils anders diagnostiziert wurden, biologisch zusammengehören.“

Überaktivierung von molekularen Signalwegen verantwortlich für Krebsentstehung

Ziel der Wissenschaftler sei es daher gewesen, auf molekularer Ebene zu verstehen, wie die Vorläuferzellen im Gehirn entarten. Den Forschern zufolge spielt die gleichzeitige Überaktivierung von zwei molekularen Signalwegen, die für die Entwicklung des Gehirns bedeutsam sind, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung vom ETMR.

Dabei handelt es sich um den sogenannten Sonic Hedgehog-Signalweg (SHH) und den WNT-Signalweg. Im Labor gelang es den Forschern ETMR-typische Tumoren mithilfe eines Wirkstoffs, der in den SHH-Signalweg eingreift, erfolgreich zu behandeln. Der hierfür verwendete Wirkstoff Arsentrioxid werde bereits als Chemotherapeutikum bei bestimmten Leukämieformen eingesetzt, so Schüller. „Wir gehen deshalb davon aus, dass er gut verträglich ist und sicher verwendet werden kann.“

Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum auf dem UKE-Gelände

Prof. Schüller ist Oberarzt im Institut für Neuropathologie des UKE. Gleichzeitig hat er die Stiftungsprofessur für Molekulare Pädiatrische Neuroonkologie inne, die anteilig von der Fördergemeinschaft Kinderkrebs‐Zentrum Hamburg und dem UKE finanziert wird. Weitere Informationen zu seinen Forschungen: www.kinderkrebs-forschung.de/forschung/ag-schueller.

Das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum befindet sich auf dem Gelände des UKE und wird seit 2006 mit Spendengeldern der Fördergemeinschaft betrieben. Am Institut werden molekulare Entstehungsmechanismen kindlicher Krebserkrankungen erforscht, um neue Ansätze für bessere und zielgenaue Therapien zu entwickeln.

Literatur:
Julia E Neumann et. al. A mouse model for embryonal tumors with multilayered rosettes uncovers the therapeutic potential of Sonic-hedgehog inhibitors. Nature Medicine, 2017.
DOI: 10.1038/nm.4402

Kontakt
Prof. Dr. Ulrich Schüller
Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg
Institut für Neuropathologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 4260512-40
u.schueller@uke.de

Saskia Lemm | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uke.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Chronischer Zelltod begünstigt Leberkrebs
12.09.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Würzburger Forscher identifizieren Schlüssel zur Kontrolle von Immunreaktionen
12.09.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Artifizielle Enzyme für die Wasserstoffkonversion

Wissenschaftler vom MPI für Chemische Energiekonversion in der ersten Ausgabe des neuen Journals JOULE.

Cell Press hat kürzlich die erste Ausgabe des neuen Journals JOULE herausgegeben, welches der nachhaltigen Energieforschung gewidmet ist.

Im Focus: Artificial Enzymes for Hydrogen Conversion

Scientists from the MPI for Chemical Energy Conversion report in the first issue of the new journal JOULE.

Cell Press has just released the first issue of Joule, a new journal dedicated to sustainable energy research. In this issue James Birrell, Olaf Rüdiger,...

Im Focus: Mit Spiegeln zur besseren Qualität von Lichtteilchen

Wissenschaftlern vom Departement Physik der Universität Basel und vom Swiss Nanoscience Institute ist es gelungen, die Qualität von einzelnen Photonen, die durch ein Quantensystem generiert werden, drastisch zu verbessern. Die Wissenschaftler konnten damit eine zehn Jahre alte theoretische Vorhersage erfolgreich umsetzen. Mit dieser Arbeit, die kürzlich in Physical Review X veröffentlicht wurde, kommen sie zukünftigen Anwendungen in der Quanteninformationstechnologie einen wichtigen Schritt näher.

Seit einigen Jahren arbeiten Wissenschaftler daran den Spin von Elektronen zu nutzen, um damit Informationen zu speichern und zu verarbeiten. Ein möglicher...

Im Focus: Using Mirrors to Improve the Quality of Light Particles

Scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute have succeeded in dramatically improving the quality of individual photons generated by a quantum system. The scientists have successfully put a 10-year-old theoretical prediction into practice. With their paper, published recently in Physical Review X, they have taken an important step towards future applications in quantum information technology.

For a number of years, scientists have been working on using electron spins to store and process information. A possible approach is to use a quantum system in...

Im Focus: Hohle Atome: Die große Wirkung eines unterschätzten Effekts

Ein über 20 Jahre altes Rätsel der Atomphysik wurde an der TU Wien gelöst. Das Ergebnis soll nun auch helfen, die Wirksamkeit ionisierender Strahlung in der Krebstherapie besser zu verstehen.

Die „hohlen Atome“, die in den Labors der TU Wien hergestellt werden, sind äußerst exotische Objekte. Ihre Elektronen befinden sich in einem Zustand extrem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung mit öffentlichen Vorträgen: Die molekularen Grundlagen des Lebens

12.09.2017 | Veranstaltungen

EUKO 2017: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kommunikation

12.09.2017 | Veranstaltungen

Deutsche Physikerinnentagung in diesem Jahr an der TU Ilmenau

12.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Tagung mit öffentlichen Vorträgen: Die molekularen Grundlagen des Lebens

12.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Dr. Erich Ritter-Stiftung verleiht erstmalig den mit 50.000 Euro dotierten Wasser-Monitoring-Preis

12.09.2017 | Förderungen Preise

EUKO 2017: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kommunikation

12.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten