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HAI 2011: Neue Techniken senken Xenon-Verbrauch bei Narkosen deutlich

23.08.2011
Das Edelgas Xenon ist den heute verwendeten Anästhesiemitteln in vielen Bereichen überlegen. Vor allem alte Patienten, wie solche mit Aortenklappenverengung, können wegen der konstanten Blutdruckregulation profitieren.

Eine neue Technik senkt den Verbrauch des kostbaren Edelgases um bis zu 75 Prozent. Anästhesisten hoffen, Xenon so in Zukunft häufiger und ökonomischer einsetzen zu können.

Welche Patienten den größten Nutzen von der erst an wenigen Kliniken angebotenen Xenon-Narkose haben, erläutern Experten auf der Vorab-Pressekonferenz am 6. September 2011 anlässlich des Hauptstadtkongresses der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie (HAI 2011) in Berlin.

Xenon hat viele Eigenschaften, die für eine Narkose – die sogenannte Allgemeinanästhesie – nahezu ideal sind: Das Edelgas wirkt hypnotisch, die Narkose setzt schnell ein und kann ebenso rasch beendet werden. „Für Patienten sind Xenon-Narkosen besonders schonend“, berichtet Dr. med. Stephan-Matthias Reyle-Hahn, Chefarzt am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau in Berlin. Blutdruck und Herzfrequenz lassen sich leichter kontrollieren.

„Wir setzen Xenon deshalb bei Patienten ein, die einen konstanten Blutdruck haben müssen“, so Dr. Reyle-Hahn im Vorfeld des Hauptstadtkongresses der DGAI. Auch bei hochbetagten Patienten sei es geeignet. Denn das Gehirn vertrage Xenon gut. „Unsere Erfahrungen an mehr als 400 Patienten zeigen, dass Xenon Verwirrtheitszustände nach Operationen, die bei alten Menschen häufig vorkommen, abmildern konnte.“

Es gibt zwei Gründe, warum Xenon, das seit 2005 in Deutschland zugelassen ist, derzeit nicht häufiger eingesetzt wird. Die Verfügbarkeit des Gases ist gering und die Kosten für das Narkosegas sind mit 150 Euro pro Stunde etwa 10 Mal höher als für herkömmliche Mittel. Neue Techniken ermöglichen es jetzt, den Verbrauch und damit die Kosten deutlich zu senken. Forscher haben die Dosierung des Gases mit einer elektronischen Steuerung entscheidend verbessert. Verwenden Anästhesisten diese neuen Systeme, um den Patienten Xenon zu verabreichen, sparen sie bis zu 75 Prozent des Edelgases. Zwar entweicht Xenon mit der Ausatemluft. „Jedoch werden dem Patienten mindestens 90 Prozent seiner Ausatemluft erneut zugeleitet“, berichtet der Experte Reyle-Hahn.

Damit in Zukunft noch mehr Patienten von der schonenden Methode profitieren können, sei ein sparsamer Umgang mit dem Edelgas wichtig. Denn der Xenon-Anteil in der Atmosphäre beträgt nur 0,0000087 Prozent. Die Destillation aus der Luft ist zudem energieaufwendig. „Ideal wären geschlossene Systeme, in denen das Gas nach der Narkose vollständig recycelt wird.“ Technisch sei das möglich, die Kosten sind jedoch noch zu hoch.

Derzeit arbeiten die Universitätskliniken in Aachen, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt/Main und Kiel sowie einige weitere akademische Lehrkrankenhäuser, wie das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau, mit dem Edelgas Xenon. „Die Chancen stehen gut, dass in Zukunft immer mehr Kliniken Xenon-Narkosen durchführen können, da die Technologie jetzt allen zur Verfügung steht“, so Reyle-Hahn. Die Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin an der Berliner Charité begann erst kürzlich, Xenon-Anästhesien anzubieten. „Unseren Patienten wollen wir dieses schonende Narkoseverfahren ebenfalls ermöglichen“, sagt die Direktorin und Tagungspräsidentin des HAI 2011, Professor Claudia Spies. Welche Erfahrungen Anästhesisten mit der Xenon-Anästhesie machen und welchen Patienten sie besonders hilft, berichten Experten in Vorträgen auf dem Hauptstadtkongress der DGAI im ICC Berlin vom 11. bis 13. September 2011 sowie auf einer Vorab-Pressekonferenz am 6. September 2011.

Literatur:
A. Brücken et al.: „Aktuelle Entwicklungen in der Xenonforschung: Stellenwert für die Anästhesie und Intensivmedizin“, Der Anästhesist 2010; 59: 883-895

Terminhinweise:

Vorab-Pressekonferenz anlässlich des HAI 2011
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 2,
Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin
Termin: Dienstag, 6. September 2011, 11 bis 12 Uhr
Vorläufige Themen und Referenten
*Fehlervermeidung oder Spielerei: Verbessern Aufkleber auf Spritzen und moderne Infusionstechniken die Patientensicherheit im Krankenhaus?

Professor Dr. med. Willehad Boemke, Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité Berlin

*Vorreiter oder Nachzügler: Sicherheitsstandards in der Anästhesie in Deutschland und Europa – Wie gestaltet sich die Situation in Berlin und Brandenburg?

Professor Dr. med. Claudia Spies, Tagungspräsidentin HAI 2011, Direktorin der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum der Charité Berlin

*Xenon für eine stabile, sichere Anästhesie – wann anwenden und warum?
Dr. med. Stephan-Matthias Reyle-Hahn, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Interdisziplinäre Intensivmedizin, Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau, Berlin
*Ältere Menschen in der Anästhesie: Was sind die Risiken für alte Menschen und wie bleiben Sie nach einer Anästhesie mobil?
Dr. med. Rahel Eckardt, Oberärztin am Evangelischen Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Berlin
und
Professor Dr. med. Claudia Spies, Berlin
Kongress-Pressekonferenz anlässlich des HAI 2011
Ort: ICC Berlin, Raum 43, Messedamm 22, 14055 Berlin
Termin: Dienstag, 13. September 2011, 10.30 bis 11.30 Uhr
Vorträge und Sitzungen auf dem HAI 2011:
Xenon – Auf der Suche nach den idealen Indikationen
Ort: ICC Berlin, Saal Oslo
Termin: 12. September 2011, 16.00 bis 17.35 Uhr
E. Martin (Heidelberg); J. Schmidt (Erlangen)
Eines der Themen:
Xenon-fähige Anästhesiegeräte – Ein Update
16.45 bis 17.00 Uhr
S.-M. Reyle-Hahn (Berlin)
Pressekontakt:
Kathrin Gießelmann
DGAI/BDA Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel. 0711 8931-981
Fax: 0711 89 31-167
E-Mail: giesselmann@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.hai2011.de/
http://www.bda.de/
http://www.dgai.de

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