Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Hälfte der jugendlichen Patienten spricht nicht ausreichend auf Therapie an

23.07.2012
Ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen nicht immer, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu lindern oder zu verhindern.

Insbesondere bei übergewichtigen Jugendlichen bessert ein anderer Lebensstil häufig nicht das Krankheitsbild, wie eine neue Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) zeigt. gemäß einer im Lancet veröffentlichten Studie führten Lebensstilländerungen nur bei circa der Hälfte der Menschen mit Prädiabetes, den Blutzucker wieder zu normalisieren. Warum der Stoffwechsel bei manchen Menschen auf diese Maßnahmen nicht ausreichend reagiert, ist bislang unklar.

An der jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie nahmen 699 übergewichtige Jugendliche teil, die bereits im Alter von zehn bis 17 Jahren an Diabetes Typ 2, dem „Alterszucker“, erkrankt waren. Ziel der sogenannten TODAY-Studie war es herauszufinden, welche Therapie den Blutzucker bei heranwachsenden Menschen am zuverlässigsten normalisiert.

Hierfür verteilten die Forscher die jugendlichen Typ-2-Diabetiker nach dem Zufallsprinzip auf drei verschiedene Behandlungsgruppen: Die erste Gruppe erhielt die Blutzucker senkenden Tabletten Metformin, ein Präparat, das auch bei Erwachsenen häufig als erstes gegeben wird. Ein weiteres Drittel kombinierte Metformin mit einem in Deutschland nicht mehr zugelassenen Medikament (Rosiglitazon). Die dritte Gruppe änderte zusätzlich zur Metformintherapie auch ihren Lebensstil – Die Jugendlichen lernten an der Seite eines persönlichen Trainers, kalorienreiche Nahrungsmittel zu meiden, vermehrt ballaststoffreiche Kost zu essen und 200 Minuten Sport pro Woche zu treiben.

„Die Ergebnisse der Fünf-Jahres-Studie waren leider ernüchternd“, kommentiert Professor Matthaei die Ergebnisse. Nur die Hälfte der jungen Patienten erreichte mit dem Medikament Metformin einen akzeptablen Blutzucker. Und die Änderung des Lebensstils brachte keine zusätzliche Besserung. Auch die im Lancet veröffentliche Präventionsstudie „Diabetes Prevention Programm“, die ebenfalls mit Metformin und Lebensstilintervention arbeitete, zeigte bei den erwachsenen Prädiabetikern bei ungefähr 50 Prozent langfristig keine Normalisierung des Blutzuckers – also eine sogenannte non-response auf die Therapie.

„Diese unbefriedigenden Ergebnisse können nicht allein mit mangelhafter Disziplin erklärt werden“, betont DDG Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche aus Tübingen. „Leider wird die TODAY-Studie in der Öffentlichkeit oft anders interpretiert – im Sinne mangelhafter Therapietreue der Patienten. Der Ansicht, dass Patienten ausschließlich selbst schuld an ihrem Therapiemisserfolg seien, möchte die DDG entgegentreten, so Fritsche. Die Autoren der Studie selbst berichten nämlich, dass mehr als 80 Prozent der Patienten Metformin regelmäßig eingenommen haben – ein guter Wert. Gleiches gilt für die Lebensstilmaßnahmen: Die Patienten nahmen an 75 Prozent der Sitzungen in den ersten zwei Jahren der Studie teil – ebenfalls ein guter Wert.

„Möglicherweise sind vielmehr biologische und pathophysiologische Unterschiede dafür verantwortlich, dass Metformin und Lebensstiländerung bei manchen Prädiabetikern den Diabetes nicht verhindern können, und bei Jugendlichen keine Verbesserung des Stoffwechsels erreichen“, ergänzt Professor Fritsche. Menschen, die schon in ihrer Jugend an Diabetes erkranken, leiden offensichtlich an einer besonders aggressiven Form des Diabetes Typ 2. Über politische und gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils hinaus seien daher verstärkte Forschungsanstrengungen nötig, um der Diabetes-Pandemie gezielter und wirkungsvoller begegnen zu können.

Literatur
TODAY Study Group, Zeitler P., Hirst K., Pyle L., Linder B., Copeland K., Arslanian S., Cuttler L., Nathan DM, Tollefsen S., Wilfley D., Kaufman F.: A clinical trial to maintain glycemic control in youth with type 2 diabetes. N Engl J Med 2012; 366 (24): 2247–56

Perreault L., Pan Q., Mather KJ, Watson KE, Hamman RF, Kahn SE: Diabetes Prevention Program Research Group. Effect of regression from prediabetes to normal glucose regulation on long-term reduction in diabetes risk: results from the Diabetes Prevention Program Outcomes Study. Lancet 2012; 379 (9833): 2243–51

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DDG
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11, Fax: 030 3116937-20
info@ddg.info

Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Weitere Berichte zu: Blutzucker DDG Diabetes Diabetes Typ 2 Lebensstil Medicine Metformin Stoffwechsel TODAY-Studie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie