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Haare färben ohne Risiko - geht das?

28.10.2009
BfR-Symposium zum Wissensstand zu Krebs- und Allergierisiken durch Haarfärbemittel

Haarfärbemittel stehen im Fokus der Aufmerksamkeit, seit die Auswertung epidemiologischer Untersuchungen aus den USA aus dem Jahr 2001 Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Harnblasenkrebs bei Frisören und Verbrauchern, die Haarfärbemittel insbesondere aus der Zeit vor 1985 verwendet hatten, lieferte.

In der Folge initiierte die EU-Kommission eine systematische Sicherheitsbewertung aller in Haarfärbemitteln verwendeten Substanzen mit dem Ziel, eine Positivliste gesundheitlich unbedenklicher Stoffe zu erstellen. Manche der kommerziell bedeutenden Substanzen, die in Haarfarben verwendet werden, wirken darüber hinaus sensibilisierend und können in der Folge allergische Reaktionen der Haut auslösen.

Am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin kamen rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Behörden, Industrie, Verbraucherverbänden und Medien zusammen, um den aktuellen wissenschaftlichen Sachstand zu Krebsgefahr und Sensibilisierung zu ermitteln und Forschungsbedarf zu diskutieren. "Ein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel besteht für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Die problematischen Substanzen seien seit vielen Jahren verboten. "Forschungsbedarf besteht aber zum Problem der Allergien durch Haarfärbemittel."

Rund ein Drittel aller Frauen in Europa und Nordamerika färbt sich die Haare, ebenso etwa zehn Prozent der Männer über 40 Jahre. Henna, die wohl älteste Haarfarbe der Welt aus den Blättern und Sprossachsen des Hennastrauches, wurde schon im 14. Jahrhundert v. Chr. von Frauen in Ägypten benutzt. Als erstes kommerzielles Farbmittel kam 1907 para-Phenylendiamin - kurz PPD - auf den Markt. PPD hat stark sensibilisierende Eigenschaften und kann Kontaktallergien auslösen. In Haarfärbemitteln wird PPD als Vorstufe des Farbtons eingesetzt, die eigentliche Farbe bildet sich in einer chemischen Reaktion mit so genannten Oxidationskupplern im Haar. In Hautkliniken in Europa sind drei bis fünf Prozent der Patientinnen und Patienten mit Kontaktallergien gegenüber PPD sensibilisiert, allerdings wird geschätzt, dass nur etwa ein Drittel dieser Fälle auf die Verwendung von Haarfärbemitteln zurückzuführen ist. Für die übrigen könnten Farben in Textilien und Leder sowie Henna-Tattoos die Ursache sein. Aber auch klinisch-dermatologische Allergietests sowie die von einigen Haarfärbemittel-Herstellern empfohlene Selbsttestung werden als mögliche Faktoren für die Sensiblisierung diskutiert. Der Einsatz von PPD in Haarfärbemitteln geht in Deutschland insgesamt zurück, die Alternativen sind jedoch zum Teil ebenso problematisch.

Nach den besorgniserregenden epidemiologischen Beobachtungen zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Blasenkrebs und der Nutzung von Haarfärbemitteln in den USA hat die EU ein breit angelegtes Programm initiiert, das einerseits die Förderung epidemiologischer Studien in Europa zum Ziel hat. Zum anderen wurde die Industrie aufgefordert, durch Grundlagenforschung zur Aufklärung der chemischen Vorgänge bei der oxidativen Haarfärbung beizutragen, um Konsequenzen für die Sicherheitsbewertung ableiten zu können. Um eine Positivliste gesundheitlich unbedenklicher Stoffe für Haarfärbemittel erarbeiten zu können, musste die Industrie wissenschaftlich aussagefähige Dossiers zur Sicherheitsbewertung der in Europa vermarkteten Haarfärbemittel erstellen. Sie werden von einem unabhängigen wissenschaftlichen Ausschuss bewertet. Nebenbei wurde in diesem Verfahren die Anzahl der verwendeten Stoffe erheblich reduziert.

Die Bewertung der bislang vorliegenden epidemiologischen Erkenntnisse zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Haarfärbemittelgebrauch ergibt kein einheitliches Bild. Die meisten Experten halten die Datenlage für nicht ausreichend, um einen eindeutigen statistischen Zusammenhang abzuleiten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher besteht kein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel, weil die problematischen Substanzen bereits seit langem verboten sind.

Auf dem BfR-Symposium zum Thema Haarfärbemittel wurden weitere aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt, insbesondere zu Unterschieden im Stoffwechsel bei der Aufnahme von Stoffen über die Haut im Vergleich zur Aufnahme über die Nahrung. Diskutiert wurden auch neue methodische Ansätze, ohne Tierversuche Aussagen zur Toxizität von chemischen Substanzen abzuleiten. Die Sensibilisierung mit der Folge allergischer Reaktionen durch Haarfärbemittel, insbesondere auch bei Frisörinnen und Frisören, ist ein nach wie vor ungelöstes Problem, das weiterer Grundlagenforschung bedarf.

Dr. Suzan Fiack | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

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