Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gute Nachrichten für 15 Millionen Pollenallergiker in Deutschland

27.04.2009
Bundesforschungsministerin Professor Dr. Annette Schavan eröffnet Pollenflugzentrale des Deutschen Wetterdienstes

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) eröffnet gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Professor Dr. Annette Schavan seine Pollenflugzentrale in Freiburg.

Bis Ende 2011 wird in Deutschland ein Messnetz von fünfzehn automatischen Pollenmonitoren aufgebaut. Diese Geräte, die von der Firma Hund in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) Sankt Augustin, und dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) Hannover entwickelt wurden, melden aktuelle Daten an die Zentrale in Freiburg.

Damit liegt jederzeit ein detailliertes Bild über die aktuelle Pollenbelastung in Deutschland vor, das in dieser Vollständigkeit noch nie verfügbar war. Diese Beobachtungsdaten werden anschließend mit den Wettervorhersagen des DWD zur Pollenflugvorhersage weiterverarbeitet. Auf dieser Grundlage kann die Lebensqualität von Millionen Pollenallergikern in Deutschland entscheidend verbessert werden.

Die grundsätzliche Machbarkeit der vollautomatischen Pollenanalyse wurde in einem vierjährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Forschungsprojekt (2002 - 2006) demonstriert.

Der erste vollautomatische Pollenmonitor der Welt

Die Pollenallergie ist mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden: 15 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet alljährlich während der Blüte einer breiten Palette von Pflanzen unter den Folgen einer Pollenallergie. Das reicht von brennenden Augen und lästigem Niesreiz bis zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Jede Allergie ist dabei individuell. Der eine reagiert auf Birke und Erle, die andere auf Hasel, Weizen oder Gräser. Für den Pollenallergiker ist es daher wichtig, genau zu wissen, wann die quälenden Pollen fliegen. Je exakter die Daten über Pollenarten und -konzentrationen sind, desto gezielter kann er Gegenmaßnahmen ergreifen und etwa seine tägliche Medikamentendosis abstimmen. Der Wunsch der Betroffenen: aktuelle und regional spezifizierte Informationen.

Allergiker verfolgen die seit fast 30 Jahren angebotenen Vorhersagen des DWD in Tageszeitungen und anderen Medien. Doch die hierfür seit den 50ziger Jahren eingesetzten sogenannten Burkhard-Fallen sind zu langsam. Sie saugen Luft mit allen darin enthaltenen Partikeln auf ein Klebeband, das anschließend von menschlichen Pollenzählern unter einem Lichtmikroskop auf allergologisch relevante Pollenarten untersucht wird. Die Analyse verlangt dabei ein hohes Maß an Erfahrung und Konzentration: Einige Pollenarten unterscheiden sich bereits von ihrer Größe her, die in einem Bereich zwischen etwa 10 µm und 150 µm liegen kann, andere können nur anhand kaum wahrnehmbarer Details voneinander unterschieden werden. Da diese Arbeit zeitaufwändig und personalintensiv ist, liegen ausschließlich Daten vom Vortag für die Vorhersagen des Pollenflugs vor.

Eine Kombination eines speziellen Fluoreszenzmikroskops und modernster Informationstechnologien bilden das Herzstück des neuen vollautomatischen Pollenmonitors. Staub und darin enthaltene Pollen werden aus der Umgebungsluft angesaugt, auf einer Unterlage schonend abgeschieden und für die mikroskopische Untersuchung präpariert. Um Pollen von Staubpartikeln zu unterscheiden, wird mit Hilfe der Fluoreszenzmikroskopie die Eigenfluoreszenz der Pollen angeregt. Schicht für Schicht nimmt eine Kamera im Fluoreszenzlicht einen Stapel hoch aufgelöster tomographischer Bilder auf. Die Software klassifiziert die Objekte anhand ihrer Form und inneren Struktur und ordnet sie den einzelnen allergenen Pollenarten zu. Die Software kann auch zum Nachweis anderer Luftbestandteile trainiert werden, so etwa zur Überwachung der Luftqualität oder zum Nachweis von Keimen und Pilzen in der Landwirtschaft oder der Nahrungsmittelproduktion.

Die feldtauglichen Geräte melden ihre Ergebnisse dann an die Zentrale in Freiburg. Den Meteorologen steht das Auswerteergebnis stündlich in Form einer Matrix inklusive aller relevanten Umweltdaten wie z. B. Luftdruck, Temperatur und relativer Feuchte zur Verfügung. Damit wird jederzeit ein detailliertes Bild der aktuellen lokalen Pollenbelastung in Deutschland erstellt, das in dieser Vollständigkeit noch nie verfügbar war. Diese Beobachtungsdaten werden anschließend mit den Wettervorhersagen des DWD zur Pollenflugvorhersage weiterverarbeitet. Damit ist es endlich möglich, Allergiker sehr zeitnah über die ihn betreffenden Allergene zu informieren.

Die Firma Helmut Hund GmbH aus Wetzlar hat diesen weltweit ersten vollautomatischen Pollenmonitor BAA (Bio-Areosol-Analysator) mit großen eigenen Aufwendungen entwickelt und zur Serienreife gebracht. Der Entwicklung vorausgegangen war das vierjährige (2002 - 2006), vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Forschungsprojekt OMNIBUSS (Online-Monitoring natürlicher, inhalativallergener Bioaerosole und sonstiger Staubkomponenten), in dem die grundsätzliche Machbarkeit der vollautomatischen Pollenanalyse demonstriert worden war.

Weitere Informationen:
http://www.dwd.de Deutscher Wetterdienst
http://www.hund.de Firma Helmut Hund GmbH
http://www.fit.fraunhofer.de Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

http://www.optischetechnologien.de Internetseite des Projektträgers VDI Optische Technologien

Dr. Eckhard Heybrock | idw
Weitere Informationen:
http://www.vditz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten