Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grippe: Impfraten in Deutschland zu niedrig // Ausgeprägte regionale Unterschiede

05.12.2013
In Deutschland lassen sich zu wenig Menschen gegen Grippe impfen, obwohl jährlich 5000 bis 10000 an dieser Virusinfektion sterben. Das belegt eine Analyse des Wissenschaftler-Teams vom Versorgungsatlas.

Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei den besonders gefährdeten Senioren wird hierzulande weit verfehlt: Sie beträgt nur 44 Prozent. Auffallend sind darüber hinaus die regionalen Unterschiede. In den alten Bundesländern sind die Impfraten mit 39 Prozent niedriger als in den neuen (58 Prozent).

»Geht es um den Schutz gegen die Influenza, lässt sich das unterschiedliche Impfverhalten zwischen den neuen und alten Bundesländern sogar innerhalb Berlins entlang des früheren Mauerverlaufs nachweisen«, schreiben die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas-Team des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) in einer Analyse, die auf dem Internetportal www.versorgungsatlas.de veröffentlicht ist. Ausgewertet haben die Forscher dafür die bundesweiten Abrechnungsdaten aller Vertragsärzte für Grippe-Impfungen gesetzlich versicherter Patienten aus der Impfsaison 2009/2010.

Das Ziel der WHO, eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei älteren Menschen zu erreichen, wurde wieder einmal verfehlt: In den neuen Bundesländern betrug die Impfrate der über 60-jährigen 60,2 Prozent, in den alten Bundesländern sogar nur 41,0 Prozent. Am geringsten sind die Impfraten bei den über 60-Jährigen in Baden Württemberg (33,9 Prozent), am höchsten in Sachsen-Anhalt (62,6 Prozent). Auf der Ebene der Landkreise ist die Impfrate in der kreisfreien Stadt Frankfurt/Oder in Brandenburg mit 68,7 Prozent am höchsten und am geringsten (26,2 Prozent) im Landkreis Schwäbisch Hall.

Die Impfraten in Baden Württemberg und Bayern sind allerdings verfälscht. Der Grund: In diesen Bundesländern wird ein bedeutsamer Anteil der Patienten im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung betreut. Darum fehlen den Wissenschaftlern des Versorgungsatlas zu diesen Patienten die Abrechnungsdaten. Das könnte die geringen Impfraten in diesen Bundesländern erklären. (Die Impfraten in der Hausarztzentrierten Versorgung sind nicht bekannt.)

»Insgesamt lagen die Impfraten nicht wesentlich über jenen der vorausgegangenen Grippe-Saison«, stellen die Wissenschaftler fest. Daran hatte auch die Aufregung um die »Neue Influenza« (H1N1 oder »Schweinegrippe«) im Jahr 2009 nichts ändern können.

DIE NÄCHSTE GRIPPEWELLE KOMMT SO SICHER WIE WEIHNACHTEN.
»Da die jährliche Influenzawelle in Deutschland meist nach der Jahreswende einsetzt und es 10 bis 14 Tage dauert, bis sich der Impfschutz nach der Immunisierung aufgebaut hat, ist es auch jetzt noch nicht zu spät, sich gegen die Influenza zu wappnen«, rät Dr. Burgi Riens vom Versorgungsatlas-Team, »denn die nächste Grippewelle kommt so sicher wie Weihnachten.« Bezugnehmend auf die Lieferengpässe des Influenza-Impfstoffes aus der Impfsaison 2012/2013 warnt KBV-Vorstand Regina Feldmann: „Auch wenn derzeit keine Anzeichen für erneute Lieferengpässe vorliegen, muss zur Verbesserung der Impfrate eine Verknappung des Impfstoffes unbedingt vermieden werden.“

INFLUENZA. Jährlich sterben weltweit 250.000 bis 500.000 Menschen an der Influenza. Besonders Ältere und chronisch kranke Patienten sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt darum Älteren sowie chronisch kranken Patienten und medizinischem Personal eine jährliche Influenza-Impfung.

DER VERSORGUNGSATLAS. www.versorgungsatlas.de ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Er wurde institutionalisiert als öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. In Diskussionsforen kann jeder Beitrag öffentlich diskutiert werden. Die Analysen der Wissenschaftler des Versorgungsatlasses basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Internet-Plattform steht aber auch anderen Forschergruppen zur Verfügung, die ihre Untersuchungen nach einem Peer-Review auwww.versorgungsatlas.de veröffentlichen können.

PRESSEKONTAKT:
Pressestelle: Dipl. Biol. Barbara Ritzert · ProScience Communications –
die Agentur für Wissenschaftskommunikation GmbH
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking · Fon 08157 9397-0 · presse@versorgungsatlas.de

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://goo.gl/ivdJY4
http://www.versorgungsatlas.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise