Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grippe und Bakterien: Neue Heilungschancen der potentiell tödlichen Kombination

26.04.2013
Neue Erkenntnisse von WissenschafterInnen der Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien zeigen, wie sehr Bakterien die Lunge von Grippepatienten schädigen.

Grippe und Bakterien, das ist ein Angriff auf unseren Körper, der auch tödlich sein kann. Die aktuellen Forschungen könnten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung von grippebedingten bakteriellen Infektionen leisten. Ziel ist es, Patienten besser behandeln und vor einer permanenten Schädigung der Lunge schützen zu können. Aktuell erscheint dazu eine Studie im renommierten Fachjournal "Science".


Lungenzellen infiziert mit dem Influenzavirus (grün gefärbt) und Legionella (rot gefärbt). Der Zellkern ist blau gefärbt. Foto: Amanda Jamieson

Eine potentiell tödliche Kombination: Grippe und Bakterien
Die Grippe wird durch das sogenannte Influenzavirus hervorgerufen, das hauptsächlich die oberen Atemwege – Nase, Rachen und Bronchien – befällt. Die Lunge ist nur selten davon betroffen. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass rund fünf bis 15 Prozent der Bevölkerung während der Grippesaison an Erkrankungen der oberen Atemwege leiden. Für 250.000 bis 500.000 Menschen jährlich endet die Grippe tödlich. Diese Todesfälle sind aber in vielen Fällen nicht auf die Grippeerkrankung an sich zurückzuführen, sondern auf damit einhergehende bakterielle Infekte.

Das Influenzavirus erhöht die Anfälligkeit für bakterielle Infekte

Bei einer Erkrankung mit dem Influenzavirus ist der Mensch für bakterielle Infekte besonders anfällig. Unter normalen Umständen verhindert das menschliche Immunsystem, dass sich die Bakterienart Legionella pneumophila im Körper vermehrt und ausbreitet. In besonderen Situationen, so z.B. bei einer Grippeerkrankung, kann Legionella jedoch eine Lungenentzündung hervorrufen – das ist eine akute Entzündung des Lungengewebes. Bei Nichtbehandlung kann die Lunge permanent geschädigt werden, und die Erkrankung kann sogar zum Tode führen. Amanda Jamieson, Hauptautorin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Mikrobiologie, Immunbiologie und Genetik der Universität Wien, begann ihre Forschungen über diese Zusammenhänge im Labor von Ruslan Medzhitov, Immunologe an der Yale University, USA, bevor sie das Projekt in Zusammenarbeit mit Thomas Decker, Professor an den MFPL der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien, weiterführte.
"Wenn wir unser Modellsystem gleichzeitig mit dem Influenzavirus und Legionella infizierten, führte dies zum Tode. Wir alle hatten erwartet, dass dies daran liegt, dass sich die Bakterien wie verrückt vermehren und ausbreiten. Dies war aber nicht der Fall, die Bakterienzahl blieb gleich, das war eine wirkliche Überraschung", so Amanda Jamieson.

Unterstützung der Wundheilung fördert Behandlung bakterieller Infekte während einer Grippe
Amanda Jamieson und Ihre KollegInnen konnten nun nachweisen, dass die Schädigungen am Lungengewebe bei einer gleichzeitigen Infektion mit dem Grippevirus und Legionella nicht richtig repariert werden, denn der Influenzavirus unterdrückt die Reparaturmechanismen des Körpers. Im Falle einer zusätzlichen Legionella-Infektion kann dies zu einer tödlich verlaufenden Lungenentzündung führen. Verabreichten die ForscherInnen jedoch Substanzen zur Stärkung körpereigener Reparaturmechanismen, waren tödlich verlaufende Infektionen viel seltener. Diese Erkenntnisse legen neue Therapieansätze zur Behandlung bakterieller Infekte während einer Grippeerkrankung nahe. Amanda Jamieson, die in zwei Monaten eine Professur an der Brown Universität, USA, aufnehmen wird, sagt: "Meine Forschung wird sich auch in Zukunft darauf konzentrieren, die Reparatur von Körpergeweben in Modellsystemen zu studieren und neue Behandlungsmöglichkeiten für bakteriellen Infektionen, bei denen gleichzeitig Grippeviren auftreten, zu entwickeln.“

Publikation in Science Express:

Amanda M. Jamieson, Lesley Pasman, Shuang Yu, Pia Gamradt, Robert J. Homer, Thomas Decker and Ruslan Medzhitov: Role of tissue protection in lethal respiratory viral-bacterial coinfection. Science (April 2013).
Max F. Perutz Laboratories

Die Max F. Perutz Laboratories (MFPL) sind ein gemeinsames Forschungs- und Ausbildungszentrum der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien am Campus Vienna Biocenter. An den MFPL sind rund 530 WissenschafterInnen in über 60 Forschungsgruppen mit Grundlagenforschung im Bereich der Molekularbiologie beschäftigt.

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Amanda Jamieson
Max F. Perutz Laboratories
Department für Mikrobiologie, Immunbiologie und Genetik
T +43-1-4277-546 11
amanda.jamieson@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Dr. Lilly Sommer
Max F. Perutz Laboratories
Communications
T +43-1-4277-240 14
lilly.sommer@univie.ac.at

Michaela Wein | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte