Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Grat zwischen Abwehr und Toleranz

18.02.2011
MHH-Forscher verbessern das Verständnis der Immunregulation / Neuer Therapieansatz für Allergien und Entzündungen / Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Immunity

Täglich konfrontiert eine immense Zahl von Stoffen die Darmschleimhaut des Menschen – darunter sind Nahrungsmittel, aber auch Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Und das Immunsystem muss den Körper vor Stoffen schützen, die Krankheiten auslösen oder giftig sind.

Doch gleichzeitig muss es die Stoffe zulassen, die harmlos oder sogar unentbehrlich sind – etwa bestimmte Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate sowie nützliche Darmbakterien. Stuft es diese fälschlicherweise als Gefahr ein, können Allergien oder Entzündungen folgen. Die Mechanismen, mit denen das Immunsystem die richtige Wahl zwischen Abwehr und Toleranz trifft, konnten Wissenschaftler um Professor Dr. Oliver Pabst jetzt weiter entschlüsseln.

Ihre Ergebnisse könnten neue Möglichkeiten eröffnen, um beispielsweise Unverträglichkeiten gegen Nahrungsmittel wie das in Mehl vorkommende Gluten zu therapieren. Die Forscher des Instituts für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) veröffentlichten ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Immunity.

Eine wichtige Funktion bei der Toleranzbildung erfüllen sogenannte regulatorische T-Zellen: Sie verhindern, dass das Immunsystem irrtümlich Stoffe abwehrt. Bisher bekannt war schon, dass die T-Zellen in geringer Zahl in den Darm-Lymphknoten entstehen. Die MHH-Arbeitsgruppe „Mukosale Immunologie“ konnte nun zeigen, dass dies aber nur der erste Schritt zur Toleranzbildung ist. „Ebenso wichtig ist es, dass die in den Lymphknoten gebildeten Zellen anschließend in den Darm einwandern und sich dort vermehren. Sonst kann es zu allergischen Reaktionen kommen“, sagt Professor Pabst.

Sein Team fand darüber hinaus heraus, dass Darm-residente Makrophagen die Vermehrung der regulatorischen T-Zellen steuern. „Diese Makrophagen im Darm sind ein sinnvoller und neuer Ansatzpunkt, um die Toleranz gegenüber Nahrungsmitteln zu beeinflussen. Mit ihrer Hilfe könnten Entzündungsreaktionen im Darm kontrollierbar werden und Nahrungsmittelallergien vermieden werden“, erläutert er. Diese Idee basiert auf Forschungsergebnissen, die die Arbeitsgruppenmitglieder Usriansyah Hadis, Benjamin Wahl und Olga Schulz im Rahmen ihrer Dissertation am MHH-Institut für Immunologie erzielten.

Weitere Informationen erhalten Sie von Professor Dr. Oliver Pabst, E-Mail: Pabst.Oliver@mh-hannover.de. Telefon (0511) 532-9739.

Ein Foto kann in der Pressestelle der MHH angefordert werden.

Die Originalarbeit finden Sie unter http://www.cell.com/immunity/abstract/S1074-7613(11)00037-9

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.cell.com/immunity/abstract/S1074-7613(11)00037-9

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE