Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gold-Nanostäbchen gegen Krebsgeschwüre

08.09.2008
Internationales Forscherteam entwickelt neues Herstellungsverfahren

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat eine neue Herstellungsmethode für nanoskopische Goldstäbchen entwickelt, die auch in der Tumortherapie angewendet werden sollen. Anders als herkömmliche Verfahren kommt das innovative System ohne den Einsatz zellschädigender Additive aus.

Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Angewandte Chemie berichten, läuft die Synthese nicht in Wasser, sondern in einer ionischen Flüssigkeit, einem "flüssigen Salz", ab.

Da Krebszellen vergleichsweise temperaturempfindlich sind, kann man diesen Umstand therapeutisch nutzen, indem Körperpartien von Krebspatienten örtlich erwärmt werden. Eine vielversprechende Methode könnte die photoinduzierte Hyperthermie sein, bei der Lichtenergie in Wärme umgewandelt wird. Gold-Nanopartikel absorbieren sehr stark Licht im nahen Infrarot, ein Spektralbereich, der von Gewebe kaum absorbiert wird. Die absorbierte Lichtenergie versetzt die Goldteilchen in Schwingungen und wird als Wärme an die Umgebung abgegeben.

Die winzigen Goldteilchen könnten so funktionalisiert werden, dass sie spezifisch an Tumorzellen binden. So werden nur Zellen abgetötet, die Goldstäbchen enthalten. Dabei gibt es allerdings ein Problem, denn gewöhnliche sphärische Goldpartikel wandeln die Lichtenergie nicht effektiv genug in Wärme um. Dazu sind nur stäbchenförmige Goldteilchen in der Lage. Unglücklicherweise sind die Hilfsstoffe, die man braucht, um die Stäbchenform aus wässriger Lösung zu kristallisieren, zytotoxisch.

Das Forscherteam um Michael R. Bockstaller von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh hat statt einer wässrigen Lösung eine ionische Flüssigkeit als Kristallisationsmedium gewählt. Es handelt sich dabei um "flüssige Salze", organische Verbindungen, die als entgegengesetzt geladene Ionen, aber als Flüssigkeit vorliegen. Auf diese Weise gelang es ihnen Goldnanostäbchen ohne den Einsatz zytotoxischer Additive herzustellen.

"Dabei können auch wir größere Mengen von Gold-Nanostäbchen mit dieser Methode herstellen", so Studien-Co-Autorin Heidrun Keul vom Lehrstuhl für Textilchemie und Makromolekulare Chemie an der RWTH-Aachen im pressetext-Gespräch. Man müsse die genauen Bedingungen der Herstellung unter Umständen etwas anpassen, aber die Arbeitsschritte würden nicht schwieriger werden. "Ein weiterer Vorteil ist auch, dass die Herstellung kostenmäßig nicht höher liegt als das bisherige Verfahren", erklärt die Chemikerin.

"Im Moment sind für die - nach der neuen Methode hergestellten - Nanostäbchen verschiedene Toxizitätsuntersuchungen in vitro und im Tiermodell geplant. Genaue Ergebnisse liegen aber noch nicht vor", so Keul abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.cmu.edu
http://www.dwi.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften