Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glioblastom: Impfstoff verlängert bei jedem dritten Patienten die Überlebenszeit

21.12.2010
Patienten mit Hirntumoren(Glioblastom), bei denen das Krebsgen EGFRvIII nachgewiesen wird, überleben doppelt so lang, wenn sie mit einer neu entwickelten Tumorimpfung behandelt werden. Diese Impfung muss ergänzend zur Standardtherapie erfolgen, berichten US-amerikanische Neurologen, Neurochirurgen und Neuroradiologen im Journal of Clinical Oncology. „Dieser Erfolg bestärkt auch uns darin, weiter an neuen Formen der Immuntherapie gegen bösartige Hirntumoren zu arbeiten“, kommentiert Prof. Dr. Michael Weller von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die neue Studie.

„Zwar kommt die hier angewandte Form der Tumorimpfung nur für etwa ein Drittel aller Glioblastom-Patienten in Frage. Die gemeinsamen Forschungen mehrerer Arbeitsgruppen auch im deutschsprachigen Raum weisen aber darauf hin, dass sich in ähnlicher Weise Immuntherapien für den Großteil der Betroffenen entwickeln lassen“, hofft der Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Zürich.


Gehirn-Scan eines Glioblastoms
(c) Prof. Dr. med. Michael Weller

Erhöhte Lebensdauer geimpfter Glioblastom-Patienten
In der aktuellen Studie war mit 14,2 Monaten die progressionsfreie Überlebenszeit unter den zusätzlich geimpften Glioblastom-Patienten mehr als doppelt so lang als bei einer Vergleichsgruppe, die jeweils nur eine Operation sowie eine Strahlen- und Chemotherapie mit dem Wirkstoff Temozolomid erhalten hatte. Zudem war die Gesamtüberlebenszeit der Vakzine-Empfänger mit durchschnittlich 26 Monaten wesentlich länger als bei den nicht geimpften Studienteilnehmern, die im Mittel nur 15 Monate überlebten.

Ingesamt 35 Patienten mit einem Glioblastom hatten teilgenommen, deren Hirntumoren unter dem Einfluss eines sehr aggressiven Krebsgens standen. Gegen das Produkt dieses Krebsgens – abgekürzt EGFRvIII für: epidermal growth factor receptor variant III – hatten die US-Forscher um den Neurochirurgen Prof. John Sampson am Medizinischen Zentrum der Duke Universität einen Impfstoff entwickelt. Er wurde den Patienten einen Monat nach der Strahlentherapie drei Mal im Abstand von jeweils zwei Wochen in der Leistengegend unter die Haut gespritzt, wodurch bei 17 von 18 Studienteilnehmern sämtliche Krebszellen mit EGFRvIII ausgemerzt wurden. Die Impfung wurde dann solange monatlich wiederholt, bis die Tumoren erneut zu wachsen begannen oder die Patienten ihrer Krankheit erlagen.

Bereits die vorläufige Auswertung des Experiments ergab einen klaren und statistisch signifikanten Überlebensvorteil für die geimpften Patienten: Durchschnittlich war die Krankheit bei ihnen 14,2 Monate zum Stillstand gekommen gegenüber nur 6,3 Monaten in der Vergleichsgruppe. Auch in der Gesamtüberlebenszeit – gemessen ab dem Zeitpunkt der histologisch gesicherten Diagnose – zeigte sich mit 26 versus 15 Monaten die Überlegenheit der zusätzlichen Impfung gegenüber der Standardtherapie. Obwohl nur drei geimpfte Patienten zum Zeitpunkt der letzten Datenauswertung noch am Leben waren, erwies sich die Intervention bereits hier als statistisch hochsignifikant überlegen. Die drei Patienten hatten ihre Diagnose um jeweils annähernd 50 Monate überlebt, zwei davon waren nach 54 Monaten noch progressionsfrei gewesen. „Dies sind bemerkenswerte Ergebnisse, die allerdings noch an einer größeren Anzahl von Patienten bestätigt werden müssen“, so Weller.

Immuntherapien gegen bösartige Hirntumore
Die von den Nationalen US-Gesundheitsinstituten (NIH) und mehreren Stiftungen finanzierte Untersuchung gehört in eine Reihe von Studien, bei denen Wissenschaftler in den USA und Europa in den vergangenen Jahren versucht haben, Glioblastome mittels des Immunsystems zu bekämpfen. Bei einem Teil dieser Experimente wurde der Impfstoff mithilfe von Eiweißfragmenten (Peptiden) hergestellt, die zuvor aus den Tumoren der Patienten gewonnen worden waren. In anderen Studien hatten die Wissenschaftler diese so genannten Tumorantigene synthetisch hergestellt. Und eine dritte Strategie greift an den Immunzellen an, die selektiert oder gezielt verändert werden, um Tumorzellen besser zu erkennen. „Die meisten dieser Ansätze sind bisher aber nur präklinisch getestet worden oder in Studien der Phase I oder II mit einer kleinen Zahl von Patienten“, gibt Weller zu bedenken. Dies räumen auch die beteiligten Forscher ein. Sie geben sich zwar verhalten optimistisch, aber John Sampson und seine Kollegen sprechen davon, dass jetzt eine Studie der Phase III angezeigt sei, um die Wirksamkeit ihrer Strategie bei neu diagnostizierten Glioblastomen an einer größeren Anzahl von Patienten zu überprüfen.
Quelle:
Sampson JH et al. Immunologic Escape After Prolonged Progression-Free Survival With Epidermal Growth Factor Receptor Variant III Peptide Vaccination in Patients With Newly Diagnosed Glioblastoma. J Clin Oncol. 2010 Nov 1;28(31):4670-3
Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Prof. Dr. Michael Weller
Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Zürich
Frauenklinikstrasse 26, CH-8091 Zürich
Tel.: +41 (0)44 255 55 00
E-Mail: michael.weller@usz.ch
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

http://www.dgn.org

Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Reinhardtstr. 14
10117 Berlin
Tel: +49 (0)30- 531437-930
Fax: +49 (0)30- 531437-939
E-Mail: info@dgn.org
1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Günther Deuschl
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Ansprechpartner für die Medien
Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22, E-Mail: presse@dgn.org
Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie