Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glioblastom: Blutstammzellen sollen als Trojanische Pferde Medikamente zu Tumorzellen transportieren

16.11.2011
Glioblastome sind bösartige Hirntumore. Trotz verschiedener Therapieansätze haben Patienten nur eine sehr kurze Lebenserwartung.

Die aggressiven Glioblastomzellen sind sehr beweglich und durchsetzen als Zellverbände das gesunde Hirngewebe. Die Entfernung dieser gestreuten Tumorinseln ist besonders schwierig. Eine vielversprechende Strategie zur Tumorbekämpfung verfolgt Dr. med. Dr. rer. nat. Ghazaleh Tabatabai am UniversitätsSpital Zürich zusammen mit Prof. Dr. med. Ulrich M. Lauer am Universitätsklinikum Tübingen. Beide Forscher wollen Blutstammzellen als trojanische Pferde einsetzen, um sogenannte Masern-Impfviren gezielt zu den im Hirngewebe gestreuten Tumorzellen zu transportieren.

Blutstammzellen, sogenannte hämatopoetische Vorläuferzellen, haben die Fähigkeit, Glioblastomzellen in den Gehirnen von Mäusen aufzuspüren. Das hatte Ghazaleh Tabatabai gemeinsam mit Wolfgang Wick in Studien beobachtet. „Nun wollen wir diese Stammzellen mit Therapeutika gegen die Tumorzellen beladen. Die Stammzellen könnten die Krebsmedikamente dann wie ein Trojanisches Pferd direkt zu den Tumorzellen transportieren“, erläutert Ghazaleh Tabatabai das aktuelle Forschungsvorhaben mit Ulrich Lauer.

Ulrich Lauer beobachtete, dass Masern-Impfviren zielgerichtet bösartige Zellen befallen. Sie vermehren sich in Tumorzellen völlig ungehindert und lösen dadurch das entartete Gewebe auf (Onkolyse). Die neu gebildeten Nachkommenviren infizieren weitere Tumorzellen. Es entsteht ein Domino-Effekt. Gesunde Zellen werden in der Regel nur zu einem geringen Grad infiziert. Nachfolgend findet so gut wie keine Vermehrung dieser Viren statt, da gesunde Zellen – im Gegensatz zu Krebszellen – über eine intakte Virusabwehr verfügen. Masern-Impfviren werden bereits in klinischen Studien bei Krebspatienten, zum Beispiel bei Patientinnen mit Eierstockkrebs, eingesetzt. Im Rahmen dieser klinischen Studien werden die Masern-Impfviren in die Blutbahn injiziert. Viele Patienten haben jedoch durch eine Masernimpfung in der Kindheit bereits Antikörper gebildet, die nun die Wirkung der Masern-Impfviren einschränken.

Das Vorhaben der Teams um Ghazaleh Tabatabai und Ulrich Lauer könnte dieses Problem lösen. Sie wollen ihre Forschungsansätze kombinieren und die Masern-Impfviren mittels Blutstammzellen, wie Soldaten im Innern des Trojanischen Pferdes, zu den Tumorzellen schleusen. Die Masern-Impfviren bleiben auf diese Weise vom Immunsystem unentdeckt.

Die Forscher wollen diese zellbasierte onkolytische Therapie nun zuerst im Mausmodell etablieren. Dazu bringen sie die onkolytischen Masern-Impfviren in hämatopoetische Vorläuferzellen ein und injizieren diese in Mäuse mit Gliomen. Die Mediziner planen, diese Therapie mit der bereits in der klinischen Routine angewendeten Standard-Radiochemotherapie zu kombinieren.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 120.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Dr. Dr. Ghazaleh Tabatabai
Klinik für Neurologie, UniversitätsSpital Zürich
E-Mail: ghazaleh.tabatabai@usz.ch
Prof. Dr. Ulrich M. Lauer
Medizinische Klinik, Abteilung I, Universitätsklinik Tübingen
E-Mail: ulrich.lauer@med.uni-tuebingen.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit