Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gleichstromsimulation als Behandlungsoption für depressive Patienten

08.01.2013
Menschen mit Depressionen gelingt es meist nur schlecht, den Einfluss negativer Informationen auf ihr Denken und Empfinden zu begrenzen.

Diese mangelnde Selbstkontrolle über die Verarbeitung negativer und belastender emotionaler Signale wird als eine wesentliche Ursache depressiver Erkrankungen betrachtet und ist von einer geringeren Aktivität des linken Stirnhirns begleitet.

Prof. Dr. Christian Plewnia von der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Dr. Dipl.-Psych. Larissa Wolkenstein von der Abteilung Klinische Psychologie der Universität Tübingen konnten mit der aktuell im renommierten Wissenschaftsjournal Biological Psychiatry veröffentlichten Studie zeigen, dass es durch die Steigerung dieser beeinträchtigten Aktivität im linken Stirnhirn mit transkranieller Gleichstromstimulation gelingt, dieses Defizit der kognitiven Kontrolle bei Patienten mit Depressionen zumindest vorübergehend in der Zeit der 20-minütigen Stimulation zu beseitigen.

Bei der transkraniellen Gleichstromstimulation wird ein schwacher elektrischer Strom verwendet, der für den Patienten kaum spürbar ist, aber eine aktivierende Wirkung auf den stimulierten Hirnbereich haben kann. Bei den depressiven Patienten, die an der Tübinger Untersuchung teilnahmen, wurde wie erwartet eine stärkere Ablenkung durch emotional bewegende im Vergleich zu emotional neutralen Abbildungen festgestellt, was zu schlechteren Leistungen in einem einfachen Gedächtnistest führte. Diese erhöhte Ablenkbarkeit durch emotionale Informationen ließ sich unter der Behandlung mit transkranieller Gleichstromstimulation nicht mehr feststellen. Die Patienten mit Depression haben mit der Stimulation die Fähigkeit wiedererlangt, den erhöhten Einfluss emotionaler Informationen auf ihr Denken und Handeln zu kontrollieren und unterschieden sich damit nicht mehr von den gesunden Versuchspersonen.

Mit diesen Erkenntnissen kann die Wirkweise antidepressiver Hirnstimulation wie z.B. auch der transkraniellen Magnetstimulation besser verstanden werden. Diese Verfahren können damit in Zukunft gezielter und effektiver eingesetzt werden. Bestätigt sich ihre Effektivität in weiteren klinischen Studien, werden sich antidepressive Hirnstimulationsverfahren neben der Psychotherapie und der medikamentösen Behandlung als weitere Möglichkeit zur Behandlung von depressiven Störungen etablieren.

Originaltitel der Publikation

Wolkenstein L, Plewnia C. Amelioration of Cognitive Control in Depression by Transcranial Direct Current Stimulation. Biol Psychiatry. 2012 Dec 6. doi:pii: S0006-3223(12)00898-0. 10.1016/j.biopsych.2012.10.010. [Epub ahead of print]

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Prof. Dr. Christian Plewnia
Osianderstr. 24. ,72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 61 21, Fax 07071/29-59 04
E-Mail christian.plewnia@uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie