Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gewebsregeneration als Chance bei bisher nicht heilbaren Krankheiten

16.09.2010
“Meine Hoffnung ist es, dass wir mit Hilfe der Regenerativen Medizin in den nächsten Jahren bisher nicht heilbare Krankheiten lindern oder sogar heilen können. Für dieses Ziel arbeiten zahlreiche – akademische wie industrielle – Forschergruppen in Deutschland, so etwa am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD).”

Das erklärte Professor Stefan Bornstein, Direktor des Zentrums für Innere Medizin der Universität Dresden, beim Workshop „Therapeutische Strategien in der Regenerativen Medizin“ am 16. September in Berlin.

Die Paul-Martini-Stiftung hatte Wissenschaftler aus Deutschland, Italien und USA eingeladen, die aktuellen und künftigen Therapiemöglichkeiten der Regenerativen Medizin interdisziplinär zu diskutieren und Verbesserungsmöglichkeiten auszuloten. Professor Bornstein leitete den Workshop zusammen mit Professor Peter Scriba von der Universität München.

Regeneration geschädigter Gewebe oder Organe kann durch Anregung körpereigener Reparaturprozesse (etwa bei Osteoporose) oder mittels gezüchtetem, neuem Gewebe geschehen. Bei letzterem Ansatz, der auch Tissue Engineering genannt wird, könnten künftig vielleicht auch Stammzellen zum Einsatz kommen. Autologe – aus Zellen des Patienten selbst erzeugte – Gewebe sind dabei meist Fremdgeweben vorzuziehen, da sie keine Abstoßungsreaktionen provozieren. Das verspricht Fortschritte u. a. für die Behandlung von Herz-, Augen- und neurodegenerative Krankheiten.

Der Unterschied von regenerativer und medikamentöser Therapie werde gut bei Diabetes Typ 1 deutlich, so Bornstein. „Daran Erkrankte leiden bekanntlich daran, dass ihre Insulin-produzierenden Betazellen durch Autoimmunprozesse zerstört werden. Medikamentös lässt sich die fehlende Insulinsekretion durch Injektionen ausgleichen; doch gelingt das nicht perfekt. Die regenerative Medizin sucht hingegen nach Wegen, den Körper wieder mit funktionstüchtigen Betazellen auszustatten oder andere Körperzellen so umzuprogrammieren, dass sie als Betazellersatz dienen können.“Bornstein betonte aber auch: „In der Regenerativen Medizin muss die Translation der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung behutsam erfolgen, um den Erfolg dieses jungen Fachs nicht zu gefährden.”

Bei der Entwicklung von Tissue Engineering-Produkten habe Deutschland international eine gute Position erreicht, erläuterte Scriba. Das habe auch der 3. Bericht der Task Force „Pharma“ vom März 2009 festgestellt. Überwiegend seien es bisher kleine und mittlere Unternehmen, die auf diesem Gebiet tätig sind.

Der Task Force-Bericht nennt aber auch Faktoren, die hierzulande einer raschen Fortentwicklung des Gebietes entgegen stehen: So würden Tissue Engineering-Produkte zumeist für einzelne Patienten hergestellt und im Rahmen komplizierter Behandlungsverfahren eingesetzt. Das mache es schwer, damit aussagekräftige klinische Studien durchzuführen. Diese werden für die inzwischen meist erforderliche Arzneimittelzulassung benötigt. Zudem fehlten gesundheitsökonomische Daten; diese erleichtern die Akzeptanz im Markt. Knappe Finanzen, wenig Personal und wenig Expertise für Genehmigungsverfahren seien für die Unternehmen weitere Hemmschuhe.

Was der Bericht über die industriellen Anstrengungen sage, gelte in entsprechender Weise auch für die akademischen Arbeitsgruppen in Deutschland, so Scriba. Der Workshop solle ein Beitrag dazu sein, einige der genannten Schwierigkeiten zu überwinden.

Die Paul-Martini-Stiftung

Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharma-industrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, der als Verband derzeit 45 forschende Pharma-Unternehmen vertritt.

Dr. Rolf Hömke | idw
Weitere Informationen:
http://www.paul-martini-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen