Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitsstandort Haushalt - Hilfe und Betreuung durch Computertechnik und Telemedizin

15.10.2008
Institut Arbeit und Technik untersuchte Leistungsstand und Innovationsgeschehen

Neben Krankenhäusern und Arztpraxen wird der Privathaushalt als Gesundheitsstandort immer wichtiger. Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien eröffnen hier neue Chancen für das Gesundheits- Engagement zuhause.

Allerdings sind die Möglichkeiten der telematischen Gesundheitsüberwachung (Telehealth Monitoring) und informationstechnischen Hilfe im Wohnumfeld (Ambient Assisted Living) bisher in Deutschland nur zögerlich aufgegriffen worden, wie aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT) und der Ruhr-Universität Bochum zeigen. Zwar wächst derzeit bei vielen Medizinern wie auch in der Wohnungswirtschaft das Interesse an den technischen Möglichkeiten, die Umsetzung steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Der größte Teil der 2,13 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland (2005) wird zu Hause betreut. 46 Prozent - fast eine Millionen Menschen - werden zu Hause ausschließlich durch Angehörige, meistens Ehefrauen und Töchter oder andere nahe stehende Personen versorgt; 22 Prozent durch 11.000 Pflegedienste betreut, die dafür insgesamt 240.000 Beschäftigte eingestellt haben. Dauerhafte Betreuung und Unterstützung benötigen zudem ca. eine Million Demenzkranke.

Die Institution Haushalt in Deutschland ist damit mit Abstand die größte Pflegekraft - allerdings z. T. nur spärlich durch die Pflegeversicherung unterstützt. Etwa 2,4 Millionen Menschen engagieren sich in Haushalten im Pflegebereich. Unter der Annahme, dass jede dieser Haushaltskräfte im Durchschnitt ein Viertel einer Vollzeitstelle leistet, addiert sich dieses Engagement auf ein Volumen von 625.000 Vollzeitstellen bzw. ein Marktvolumen von etwa 46 Milliarden Euro, errechneten die IAT-Wissenschaftler.

Neben der Pflege gewinnt der Bereich Homecare - die Versorgung chronisch Kranker und Nachbetreuung von Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt - an Bedeutung. Wichtige Impulse erhielt Homecare durch Fortschritte bei der Medizintechnik und durch die Einführung der Integrierten Versorgung, die ja vor allem darauf zielt, teure Krankenhausaufenthalte abzukürzen und dafür die Vor- und Nachbetreuung von Patienten zu verbessern. Als relativ neue Versorgungsform sind deren Potenziale noch keineswegs voll entfaltet. Zum Beispiel werden von den mittlerweile über 60.000 Dialysepatienten in Deutschland nur 3.500 als Heimdialysepatienten zuhause behandelt.

Die modernen Informations- und Kommunikationstechniken breiten sich in der Gesundheitswirtschaft immer weiter aus: Die Hausnotrufsysteme haben inzwischen in Deutschland eine mehr als 25-jährige Geschichte und immerhin mindestens 350.000 Anwender/-innen, am Ausbau ihrer Technik und ihres Funktionsumfanges wird gearbeitet. Die Patientenberatung via Internet hat eine sehr große Quantität erreicht, an der Qualitätsverbesserung des Informationsangebots wird gearbeitet. Das Telehealth Monitoring wird momentan verstärkt in den Bereichen Kardiologie und Diabetes eingesetzt, ist jedoch noch nicht zu einer Routinebehandlungsform geworden und hat in anderen medizinischen Disziplinen immer noch den Charakter von Pilotvorhaben.

Intelligent eingesetzte Gesundheitstelematik kann die Möglichkeiten des "dritten Gesundheitsstandorts" Haushalt vergrößern. Der Erfolg von Anwendungen der Gesundheitstelematik im Haushalt ist abhängig von der Berücksichtigung der Perspektiven aller Beteiligten. Derzeit gibt es seitens der Forschungs- und Technologiepolitik in Deutschland und Europa eine Offensive zur Entwicklung und Erprobung von eHealth-Lösungen und von altersgerechten Assistenzsystemen.

Die Innovationslandschaft besteht allerdings noch aus vielen kaum miteinander vernetzten Inseln, was zu Doppelarbeiten und Effizienzverlusten führt, so das IAT. Problematisch ist ferner, dass in vielen Bereichen noch immer unklar ist, welche Leistungen perspektivisch von Kostenträgern übernommen werden und welche aus anderer Quelle bezahlt werden müssen.

Damit sich das Innovationsgeschehen im Bereich des Haushalts nicht verzettelt, sollte ein automatisches Innovationsmonitoring aufgebaut werden, schlägt das IAT vor. Bei diesem Innovationsmonitoring sollte man keineswegs ausschließlich auf die technischen Möglichkeiten fokussieren. Sinnvoller erscheint, es als einen Bestandteil einer umfassenden Unterstützungsstrategie für den Haushalt als Gesundheitsstandort zu sehen, in dem z. B. auch familien- und sozialpolitische Überlegungen eine Rolle spielen. Kooperationspartner für das Innovationsmonitoring könnten die Gesundheitsregionen sein, die sich ohnehin als Innovationstreiber engagieren und einen Überblick darüber haben, wie in ihren Zuständigkeitsbereichen das Innovationsgeschehen läuft.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:
Wolfgang Paulus, Durchwahl: 0209/1707-131, E-Mail: paulus@iat.eu
PD Dr. Josef Hilbert, Durchwahl: 0209/1707-120, E-Mail: hilbert@iat.eu
Weitere Infos im Internet:
IAT Forschung Aktuell, Nr. 2008/11
Heinze, Rolf G. / Hilbert, Josef / Paulus, Wolfgang, 2008:
Der Gesundheitsstandort Haushalt: Mit Telematik in eine neue Zukunft?
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2008/fa2008-11.pdf
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iat.eu
info@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2008/fa2008-11.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise