Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentherapie bei schwerer Netzhauterkrankung erzielt erste Erfolge

21.08.2008
Die Gentherapie steht in der Augenheilkunde vor einem wichtigen Durchbruch: Sie könnte bei einer seltenen Augenerkrankung, der Leberschen Kongenitalen Amaurose, in Zukunft Sinneszellen reparieren und die Sehfähigkeit verbessern.

Darauf weisen jüngst veröffentlichte Studienergebnisse britischer und amerikanischer Wissenschaftler hin. Die Fortschritte auf dem Gebiet der Gentherapie sind ein Schwerpunkt auf dem 106. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

In Deutschland leiden vermutlich etwa 1 000 Menschen an dieser früh beginnenden erblichen Netzhautdegeneration. "Die Lebersche Kongenitale Amaurose wird durch verschiedene Gendefekte, zum Beispiel in den Sinneszellen der Netzhaut, ausgelöst.

Betroffene kommen mit einer erheblichen Sehbeeinträchtigung zur Welt", erklärt Professor Dr. med. Klaus Rüther von der Charité-Augenklinik in Berlin. Augenärzte in Philadelphia und London haben nun bei sechs Patienten einen dieser Defekte gentherapeutisch behandelt. Sie nutzten dafür Viren, denen zuvor eine intakte Version des fehlerhaften Gens eingepflanzt wurde. Diese spritzten sie den Patienten direkt unter die Netzhaut. Die Viren erreichten die Zellen des Netzhaut-Pigmentepithels und versorgten sie mit der korrekten Erbinformation.

Als Folge der Behandlung fanden sich bei einigen Betroffenen Hinweise auf eine Verbesserung der Sehfähigkeit: So ließen sich unter anderem ein - wenn auch sehr geringer - Anstieg der Sehschärfe, lebhaftere Pupillenreaktionen auf Lichtreize und bessere Orientierungsfähigkeit im Dunkeln feststellen. "Auch wenn eine nachhaltige Verbesserung der Sehfähigkeit noch nicht gesichert ist, so handelt es sich doch um ein wichtiges und sehr ermutigendes Ergebnis", berichtet Professor Rüther im Vorfeld des DOG-Kongresses. "Nun gilt es, die behandelten Patienten längere Zeit zu beobachten, um die Stabilität der Ergebnisse und mögliche Risiken der Therapie einschätzen zu können."

Rüther weist zudem darauf hin, dass die Therapie bislang nur bei Patienten angewandt wurde, die an einem Defekt des sogenannten RPE65-Gens leiden. "Es ist jedoch zu erwarten, dass verhältnismäßig rasch auch für andere Gendefekte Therapien entwickelt werden, wenn die jetzigen Versuchsergebnisse sich auf längere Sicht als stabil erweisen", so der Experte weiter. Im Rahmen des bevorstehenden DOG-Kongresses wird Professor Rüther den neuen Therapieansatz mit seinen Kollegen aus Medizin und Forschung diskutieren und auf einem Patientensymposium vorstellen.

Patientensymposium - Erbliche Netzhautdegenerationen
Freitag, 19. September 2008, 18.30 bis 20.00 Uhr, Estrel Hotel Berlin,
Saal C, Sonnenallee 225, 12057 Berlin
Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.
Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle 106. DOG-Kongress
Silke Stark
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931 572, Telefax: 0711 8931 167
stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog2008.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie