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Gentest kombiniert mit Tumormarker könnte Früherkennung von Gallenwegskrebs verbessern

16.12.2013
Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg veröffentlichen im Journal of Hepatology

Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg haben eine Methode zur Früherkennung von Krebserkrankungen der Gallenwege entwickelt: Sie kombinierten die Messung eines gängigen Tumormarkers im Blut mit einem Test auf bestimmte Veränderungen des Erbguts.

Anhand des genetischen Tests lassen sich Risikopatienten mit chronischer Entzündung der Gallenwege (Primär Sklerosierende Cholangitis PSC), nun erstmals in drei Gruppen einteilen, für die – das zeigten die Forscher in einer Studie – jeweils ein anderer Grenzwert des Tumormarkers gilt. Ist dieser überschritten, weist dies auf einen Tumor in den Gallenwegen hin.

Der kombinierte Test erwies sich im Rahmen der Studie als deutlich zuverlässiger als die reine Messung des Markers im Blut. Vor der Einführung in die klinische Praxis sind allerdings noch weitere Studien mit größeren Patientenzahlen erforderlich. „Dieses Verfahren bietet erstmals die Chance, ohne invasive Eingriffe Tumoren der Gallenwege früh zu entdecken und rechtzeitig zu behandeln“, sagt Seniorautor Privatdozent Dr. Daniel Gotthardt. Die Studienergebnisse sind in der Dezember-Ausgabe des „Journal of Hepatology“ erschienen.

Rund 8.000 Menschen in Deutschland leiden an einer seltenen chronischen Entzündung der Gallenwege, der primär sklerosierenden Cholangitis (PSC). Sie tragen ein hohes Risiko, eine Krebserkrankung der Gallengänge zu entwickeln: Die bösartigen Tumoren treten bei ungefähr jedem zehnten Patienten mit PSC, vorwiegend Männer im Alter um die 40 Jahre, auf. Sie sind in den entzündlich veränderten und vernarbten Gallengängen im Anfangsstadium mittels bildgebender Verfahren oder Spiegelungen der Gallengänge kaum zu diagnostizieren. Auch der gängige Tumormarker „CA19-9“, eine Substanz, die bei bestimmten Krebserkrankungen in höheren Konzentrationen als sonst ins Blut gelangt, liefert bisher meist nur vage Hinweise. Er kann schon durch die entzündeten Gallengänge verstärkt freigesetzt werden und die Blutkonzentrationen schwanken von Patient zu Patient stark.

Neun von zehn Tumoren mittels kombiniertem Test erfasst

„Wir benötigen dringend zuverlässige und aussagekräftige Methoden der Früherkennung“, erklärt Dr. Gotthardt, Leiter der Sektion Lebertransplantation in der Abteilung Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Frühe Stadien des Tumors lassen sich durch eine Operation oder Lebertransplantation noch gut behandeln. Spät erkannt, also bereits gut erkennbar bei Kernspintomographie oder Ultraschall, haben die Tumoren meistens schon gestreut und sind nicht mehr heilbar.

Die internationale Arbeitsgruppe um Dr. Gotthardt und seinen Kollegen Dr. Andreas Wannhoff entdeckte, wie sich die Aussagekraft des Markers CA19-9 mit Hilfe zusätzlicher genetischer Informationen deutlich erhöhen lässt. Die Wissenschaftler überprüften bei 433 Patienten mit PSC, davon 41 mit Gallengangkarzinom, bestimmte Abschnitte im Erbgut, die den CA19-9-Spiegel im Blut maßgeblich beeinflussen. Sind sie verändert oder defekt, wird z.B. nur sehr wenig oder – auch ohne Tumor – überdurchschnittlich viel CA19-9 gebildet. „Ein einheitlicher Grenzwert führt dazu, dass auf der einen Seite Tumoren übersehen und andererseits unnötige, meist invasive Folgeuntersuchungen vorgenommen werden“, sagt Dr. Wannhoff.

Studienteilnehmer gesucht

Anhand der diagnostizierten genetischen Veränderungen teilten die Mediziner die Patienten in drei Gruppen und ermittelten für jede Gruppe einen eigenen Grenzwert des Tumormarkers. So können 90 Prozent der Tumoren erfasst und gleichzeitig die Anzahl der falsch positiven Diagnosen – als kritisch eingestufte Testwerte, obwohl kein Tumor vorliegt – drastisch gesenkt werden. „Insgesamt können wir mit dieser Methode mehr als 80 Prozent der Patienten mit PSC eine korrekte Diagnose stellen“, so Gotthardt. „Trotzdem wollen wir das Verfahren noch weiter verbessern, z.B. indem wir den CA19-9-Spiegel mehrmals messen und Veränderungen erfassen.“

Momentan ist die Aussagekraft der Studie noch durch die geringe Anzahl an Patienten eingeschränkt. Es sollen daher weitere Studien folgen. Dazu suchen die Heidelberger Wissenschaftler noch Teilnehmer mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC). Nach dem genetischen Test, der am Universitätsklinikum Heidelberg vorgenommen wird, können die notwendigen Blutuntersuchungen auch vom behandelnden Hausarzt durchgeführt werden. Interessierte Patienten werden gebeten, direkt mit Privatdozent Dr. Daniel Gotthard oder Dr. Andreas Wannhoff in Kontakt zu treten.

Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. med. Daniel Gotthardt
Leiter der Sektion Lebertransplantation
E-Mail: Daniel_Gotthardt@med.uni-heidelberg.de
Dr. med. Andreas Wannhoff
E-Mail: Andreas_Wannhoff@med.uni-heidelberg.de
Abteilung für Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 37270
Literatur:
Wannhoff A, Hov JR, Folseraas T, Rupp C, Friedrich K, Anmarkrud JA, Weiss KH, Sauer P, Schirmacher P, Boberg KM, Stremmel W, Karlsen TH, Gotthardt DN: FUT2 and FUT3 genotype determines CA19-9 cut-off values for detection of cholangiocarcinoma in patients with primary sclerosing cholangitis. J Hepatol. 2013 Dec;59(6):1278-84.
Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/HPGotthardt.103691.0.html
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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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