Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentest zur besseren Vorsorge bei Gebärmutterhalskrebs

30.06.2010
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena arbeiten an der Entwicklung eines molekularbiologischen Tests, der Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs erkennen kann. In Verbindung mit dem DNA-Test auf die krebsauslösenden Papilloma-Viren erreicht das Verfahren eine 90%ige Trefferquote. Das Projekt wird im EXIST-Forschungstransferprogramm des Bundeswirtschaftministeriums mit 400.000 Euro gefördert.

An einem Zervixkarzinom oder Gebärmutterhalskrebs erkranken jährlich etwa 500.000 Frauen, 250.000 sterben an der Erkrankung, deren Heilungschancen bei frühzeitiger Diagnose fast 100% betragen. Die bestehenden Vorsorgetests aber werden nur lückenhaft in Anspruch genommen und haben oft unklare Ergebnisse, die weitere, oft teure und verunsichernde Untersuchungen nach sich ziehen.

Nur die Hälfte aller Frauen lässt jährlich einen sogenannten Pap-Test vornehmen, bei dem Zellen aus einem Abstrich mikroskopisch auf Krebsvorstufen untersucht werden. Der DNA-Test von Abstrichzellen auf die Erbsubstanz von Papilloma-Viren liefert zwar ein eindeutiges Resultat, aber nur bei jeder sechsten Patientin mit einer Viren-Infektion liegen eine Krebsvorstufe oder ein Karzinom vor.

„Auf der Suche nach verlässlichen molekularbiologischen Hinweisen für Krebszellen oder deren Vorstufen fanden wir in solchen Zellen Gene, die sich von den entsprechenden Genen in gesunden Zellen durch ein charakteristisches Methylierungsmuster unterschieden“, beschreibt Professor Matthias Dürst den Erfolg eines früheren EU-Forschungsprojektes seiner Arbeitsgruppe an der Jenaer Unifrauenklinik. Methylierung stellt eine chemische Modifikation von DNA dar und beeinflusst die Aktivität von Genen. Nach dem Abgleich mehrerer Hundert Zellproben von gesunden Frauen, Patientinnen mit Krebsvorstufen und solchen mit Zervixkarzinom kennen die Molekularbiologen um Professor Dürst inzwischen sechs Markergene.

Die Patentanmeldung für die Anwendung dieser spezifischen Markergene in der Diagnostik ist das Grundkapital für die Ausgründung eines Unternehmens, die das Bundesministerium für Wirtschaft in seinem EXIST-Forschungstransferprogramm fördert. „In der im Juli startenden ersten Projektphase wollen wir das Verfahren noch verbessern und validieren“, umreißt Dr. Alfred Hansel den Arbeitsplan. „Zur Zeit können wir mit unserem Test 90% aller Vorstufen und 91% aller Zervixkarzinome identifizieren, wobei die Falsch-Positiv-Rate äußerst gering ist“, so der Biologe, der das Projekt leitet. Im kommenden Jahr soll dann die onCGnostics GmbH gegründet werden, die den Test als Diagnostik-Kit oder Lizenz an Diagnostiklabore vermarkten will. Geplant ist auch, das Verfahren weiterzuentwickeln und das Prinzip an anderen Tumorarten zu testen.

„Von einem einfach durchzuführenden Test mit hoher Empfindlichkeit und großer Genauigkeit würden die Frauen sehr profitieren“, so Prof. Dr. Ingo Runnebaum, Direktor der Abteilung Gynäkologie an der Unifrauenklinik in Jena. „Im Frühstadium lässt sich Gebärmutterhalskrebs sehr gut behandeln, häufig können wir den Frauen sogar die Fähigkeit, Mutter zu werden, erhalten.“

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Dürst, Dr. Alfred Hansel
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641 933 720, -544
E-Mail: matthias.duerst[at]med.uni-jena.de, alfred.hansel[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

1. Es­se­ner Ge­fahr­gut­ta­ge am 19.-20. Sep­tem­ber 2017 mit fach­be­glei­ten­der Aus­stel­lung

24.04.2017 | Seminare Workshops

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE