Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetische Diagnostik soll Behandlung von Bluthochdruck erleichtern

18.02.2013
LMU-Mediziner berichten in Nature Genetics über Genmutationen als Auslöser für das Conn-Syndrom

Manche Patienten mit Bluthochdruck versuchen alles, nehmen hoch dosierte Kombinationen verschiedener Blutdruck senkender Medikamente – und dennoch fallen die Werte nicht. Dies gilt etwa für jeden zehnten Hypertonie-Patienten. In solchen Fällen liegt der Hypertonie häufig das Conn-Syndrom zugrunde, ausgelöst durch erhöhte Werte des Hormons Aldosteron.

„Diese Hormonveränderung wiederum begründet sich durch eine Erkrankung der Nebennieren“, sagt Prof. Felix Beuschlein, der die Endokrinologische Forschung an der Medizinischen und Poliklinik IV des Klinikums der Universität München leitet. Beispielsweise kann in einer der beiden Nebennieren ein gutartiger Tumor wachsen. Ein europäisches Team um den Endokrinologen hat nun in solchen Wucherungen Mutationen in zwei nah verwandten Genen gefunden, die den hormon-bedingten Bluthochdruck verursachen.

Aldosteron ermöglicht dem Körper, Natrium zu sparen – einem Bestandteil des Kochsalzes, dessen Konzentration im Körper die Blutdruckregulation beeinflusst. „Das Hormon sorgt dafür, dass man das Natrium aus dem Kochsalz im Körper behält“, erklärt Beuschlein. Zu viel Aldosteron führt dazu, dass die Nierenzellen übermäßig viel Natrium aus dem Urin zurückgewinnen und umgekehrt Kalium verlieren. Mehr Natrium im Organismus lässt den Blutdruck steigen. Conn-Patienten haben aufgrund dieses Mechanismus entsprechend oft lebensgefährlich hohen Blutdruck und meist auch viel zu niedrige Kalium-Werte im Blut.

Warum? Unter anderem „weil zwei nahe verwandte Gene in den gutartigen Nebennierentumoren der Conn-Patienten mutiert sind“, wie der Experte unterstreicht. Die Forscher haben in ihre Studie neun Betroffene mit ausgeprägtem Bluthochdruck eingeschlossen und das Genom – also die gesamte Erbsubstanz DNA – der Tumorzellen mit dem Genom von Blutzellen verglichen. Aus dem Wust der Daten haben Bioinformatiker in fünf der untersuchten Patienten stets die gleichen Mutationen in den Zellen der Nebennierentumoren entlarvt.
Zum einen im Gen für die „Natrium-Kalium-ATPase und im Gen für die Calcium-ATPase. „Beide Enzyme spielen eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und Salzhaushalt der Zelle“, erklärt Prof. Martin Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV. Sind sie, wie im Fall der mutierten Gene, in ihrer Funktion gestört oder gar ausgefallen, „kommt es zu elektrochemischen Veränderungen, die die Aldosteron-Produktion ankurbeln.“ Interessanterweise sind von den gefundenen Mutationen vor allem, aber nicht nur, Männer betroffen, die zudem schwerer am Blutdruck erkranken.

Felix Beuschlein kann sich vorstellen, dass mittel- bis langfristig Medikamente entwickelt werden, die die Veränderungen in den veränderten Enzymen zielgenau reparieren. Zudem könnte sich aufgrund der neuen Erkenntnisse in einigen Jahren die Diagnostik der Patienten verändern. Den meisten Conn-Patienten hilft die operative Entfernung des Nebennierentumors; danach fällt der Bluthochdruck auf Normalwerte oder er ist viel leichter mit Medikamenten behandelbar. Noch aber ist im Vorfeld der Operation eine aufwändige Untersuchung mit einem Katheter nötig. Beuschlein: „Vielleicht können wir uns diese belastende Untersuchung für die Patienten dann sparen, indem wir sie genetisch diagnostizieren.“

Literatur: Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.2550

Ein Dossier mit weiterführenden Informationen zu diesem Thema finden Sie im Internet unter: www.klinikum.uni-muenchen.de
• Patientenstory
• Originalpublikation
• Lebenslauf und Fotos der LMU-Forscher
• Conn-Selbsthilfegruppe
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Felix Beuschlein
Schwerpunktleiter Endokrinologische Forschung
Medizinische Klinik IV - Campus Innenstadt
Ziemssenstr. 1, 80336 München
Tel.: +49 (0)89 / 5160-2110 (Pforte 2112)
Fax: +49 (0(89 / 5160-4428
E-Mail: felix.beuschlein@med.uni-muenchen.de

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise