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Gekauftes Glück - Wenn Kaufen zur Sucht wird: DGPM rät bei exzessivem Kaufen zu Psychotherapie

22.10.2014

Viele Menschen gehen gerne „shoppen", für rund sieben Prozent aller Menschen wird Einkaufen jedoch regelmäßig zum Rausch. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) rät Betroffenen zu einer Psychotherapie. Dies gelte insbesondere, wenn exzessives Kaufen zusammen mit weiteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen auftritt.

Für Kaufsüchtige ist nicht der Besitz einer Sache das Ziel, sondern das Kaufen selbst löst ein zumindest kurzweiliges Glücksgefühl aus. Doch dieses Glück ist von kurzer Dauer: „Der Kaufepisode geht eine Phase der Depression, Anspannung oder Langeweile voraus“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Dr. phil. Astrid Müller von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Der Kauf werde dann kurzfristig als Befreiung, Vergnügen, Wohlgefühl oder Belohnung empfunden. Schon bald stellen sich Gewissensbisse und Scham ein. Die gekauften Gegenstände werden oft versteckt, gehortet, weggegeben oder einfach vergessen, berichten Patienten der Psychotherapeutin.

Doch die Folgen der Erkrankung lassen sich nicht verbergen: „Viele Patienten haben substanzielle soziale, finanzielle und nicht selten auch juristische Probleme, wenn sie sich schließlich in Behandlung begeben“, so Müller.

Müller ist davon überzeugt, dass zwanghaftes Kaufen eine psychische Störung ist, die keineswegs selten vorkommt. Mehrere Untersuchungen zeigten bereits: Rund sieben Prozent aller Menschen zeigen Symptome zwanghaftem Einkaufens.

„Die Annahme des Kaufzwangs als psychische Erkrankung ist nicht nur eine Frage der Klassifizierung, viel mehr wird damit eine Verhaltensstörung als solche anerkannt. Das schärft das öffentliche Problembewusstsein und hilft den Betroffenen“, bestätigt Professor Dr. med. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm und Mediensprecher der DGPM.

In aktuellen Studien geht Müller Ursachen der Erkrankung auf den Grund. Sie untersucht, ob die Kaufsucht dadurch entsteht, dass Patienten sich gegen die von der Werbung ausgehenden Impulsen nicht wehren können.

„Tatsächlich fanden wir auch Hinweise darauf, dass das zwanghafte Kaufen durch grundsätzliche Persönlichkeitsvariablen begründet sein könnten“, sagt Müller. Beispielsweise zeigten viele Patienten im „Iowa Gambling Task“ – einem Test zum Entscheidungsverhalten– eine auffällige Risikobereitschaft, die mögliche negative Konsequenzen leicht vergessen lässt.

Kaufsucht tritt häufig in Kombination mit weiteren psychischen Erkrankungen auf. „Fast zwei Drittel unserer Patienten haben eine Depression“, berichtet Müller. Andere leiden an zwanghaftem Horten – das dem Messie-Syndrom sehr ähnlich ist.

„Der Kaufzwang ist bei diesen Patienten häufig sehr stark ausgeprägt und die Behandlung deshalb besonders schwierig“, erklärt die Psychologin. Sie wendet eine Verhaltenstherapie an, die die Krankheitseinsicht fördert und dem Patienten Möglichkeiten aufzeigt, den Kaufdrang zu relativieren und den Kaufrausch zu vermeiden. „Eine Gruppentherapie kann die Kaufsucht effektiv bekämpfen. Daher raten wir Menschen, die eine Zwanghaftigkeit in ihrem Kaufverhalten erkennen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen“, so die DGPM-Expertin. 


Quellen:
Mueller A, Mitchell JE, Crosby RD, Gefeller O, Faber RJ, Martin A, Bleich S, Glaesmer H, Exner C, de Zwaan M.Estimated prevalence of compulsive buying in Germany and its association with sociodemographic characteristics and depressive symptoms. Psychiatry Research 2010; 180: 137-42 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20494451

Möllenkamp M, de Zwaan M, Müller A.Hoarding with and without Excessive Buying: Results of a Pilot Study.Psychopathology. 2014 Aug 26.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25171658

Müller A, Claes L, Georgiadou E, Möllenkamp M, Voth EM, Faber RJ, Mitchell JE, de Zwaan M.Is compulsive buying related to materialism, depression or temperament? Findings from a sample of treatment-seeking patients with CB. Psychiatry Research 2014; 216: 103-7
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24530158

Pressekontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)
Pressestelle
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457; Fax: 0711 8931-167
wetzstein@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.dgpm.de

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