Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefühlstraining im Vorschulalter

23.04.2009
Professur für Allgemeine Psychologie und Biopsychologie der TU Chemnitz startet das Modellprojekt HUCKEPACK zur Prävention aggressiven Verhaltens und kooperiert mit Kindertagesstätten

Kinder im Vorschulalter, die Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Emotionen zu kontrollieren und häufiger in Konflikte und Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen geraten, laufen Gefahr, mit steigendem Alter immer aggressiveres Verhalten an den Tag zu legen.

Diese Beobachtung ist Grundlage für das Modellprojekt HUCKEPACK, das die Professur für Allgemeine Psychologie und Biopsychologie der TU Chemnitz derzeit vorbereitet. "HUCKEPACK ist ein Training sozialer Kompetenzen, in dem Kinder im Vorschulalter lernen, die eigenen Emotionen zu regulieren und Konfliktsituationen zu lösen", berichtet Projektkoordinatorin Katrin Schulz und

ergänzt: "Das Modellprojekt wendet sich dabei besonders an Kinder zwischen viereinhalb und sechs Jahren."

"Gerade im Alter von vier, fünf Jahren werden die Kinder, die aggressives Verhalten zeigen, von den anderen abgelehnt", berichtet Prof. Dr. Udo Rudolph, Inhaber der Professur Allgemeine Psychologie und Biopsychologie.

Deshalb müsse in diesem Alter mit der Prävention begonnen werden.

"Im Alter von acht bis neun Jahren sind diese Kinder innerhalb ihrer Gruppen schon anerkannt, da sie sich durch ihr aggressives Verhalten Respekt verschaffen", so Rudolph. Mit zwölf, dreizehn Jahren sei es bereits sehr schwer, an den Verhaltensmustern noch etwas zu ändern. Die Bildungs- und Entwicklungschancen der Betroffenen sind dann erheblich eingeschränkt, bestätigen die Chemnitzer Psychologen. Das Modellprojekt der TU zielt deshalb darauf ab, aggressive Tendenzen möglichst früh zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Im Rahmen des Projektes ermitteln die Psychologen zunächst den Trainingsbedarf der Kinder. Neben einer diagnostischen Spielaufgabe, bei der die Kinder über ihre Gefühle in schwierigen Situationen berichten, wird das Gruppenklima im Kindergarten erfasst. Neben wem möchten die Kinder sitzen, mit wem spielen sie gerne und wen wählen sie in ihr Team - durch solche Fragen wird schnell klar, wer unter den Gleichaltrigen wenig oder gar nicht anerkannt ist.

Anschließend nimmt je ein Mentor ein ausgewähltes Kind "huckepack" - er begleitet es ein Jahr lang, trifft sich zunächst einmal, später auch zweimal pro Woche mit ihm. Die Kinder trainieren mit vielfältigen Materialien spielerisch, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten können und wie sie ihre Emotionen regulieren. Außerdem lernen sie, über ihre Probleme zu sprechen. Die Mentoren sind Master-Studenten der TU Chemnitz im Fach Psychologie. Innerhalb des neu entwickelten und im Wintersemester 2009/2010 angelaufenen Studienganges ist das Mentorenprogramm Bestandteil des Moduls "Potenziale erkennen und entwickeln". Die Studierenden lernen zu Beginn des Projektes in Seminaren die relevanten Fertigkeiten und werden für die Dauer des Projektes durch Mitarbeiter des Instituts für Psychologie unterstützt.

Der zweite Schwerpunkt des Projektes ist ein zehnwöchiges Elterntraining.
Hier erhalten die Eltern der in das Projekt integrierten Kinder Unterstützung bei Fragen zur Erziehung und Tipps für den Umgang mit ihrem Kind in schwierigen Situationen. Auch die Kindertagesstätten sind in das Projekt einbezogen - die Erzieherinnen erhalten Fortbildungsangebote zum Training sozialer Kompetenzen im Vorschulalter. Alle Projektbestandteile werden im Rahmen der Forschung der TU Chemnitz fortlaufend evaluiert.

In der derzeit laufenden dreimonatigen Erprobungsphase sind neun Kinder in das Projekt integriert. Ab Januar 2010 schließt sich das Modellprojekt HUCKEPACK an, an dem jährlich 30 Vorschulkinder teilnehmen können. "In Deutschland herrscht ein akuter Mangel an evaluierten Programmen zur frühen Prävention von Verhaltensproblemen", so Schulz. Außergewöhnlich an dem Chemnitzer Projekt ist vor allem der Personalschlüssel, da sich immer ein Mentor um ein einziges Kind kümmert. "Bei anderen Maßnahmen kommen zehn bis zwölf Kinder auf eine Person und sie dauern maximal drei Monate", erklärt Schulz.

Kooperationspartner ist die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe KJF e.V.
Chemnitz mit zehn Kindertagesstätten und etwa 350 Kindern in der angesprochenen Altersgruppe. "Wir möchten das Modellprojekt gerne auch mit anderen Kooperationspartnern wie den städtischen Kindergärten realisieren, um möglichst viele Kinder zu erreichen. Dafür fehlen uns aber noch die personellen Ressourcen", erklärt Schulz und ergänzt: "Wir wünschen uns, dieses Modellprojekt bei gesicherter Finanzierung langfristig in Chemnitz etablieren zu können, da nicht nur die Kinder, Eltern und Erzieherinnen von diesem Angebot profitieren, sondern gleichzeitig für Studierende die Möglichkeit geschaffen wird, praktische Erfahrungen in ihrem späteren Berufsfeld sammeln und so Theorie und Praxis effektiv miteinander verbinden zu können."

Weitere Informationen erteilt Katrin Schulz, Professur für Allgemeine Psychologie und Biopsychologie, Telefon 0371 531-36748, E-Mail katrin.schulz@phil.tu-chemnitz.de.

Das Projekt im Internet: http://www.tu-
chemnitz.de/phil/psych/professuren/allpsy2/huckepack/Start.html

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/
http://www.tu-chemnitz.de/phil/psych/professuren/allpsy2/huckepack/Start.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften