Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wann Gefäßfehlbildungen im Gehirn behandelt werden müssen

03.05.2011
Seit Computer- und Magnetresonanztomographie detaillierte Einblicke in das menschliche Gehirn ermöglichen, werden Gefäßfehlbildungen häufiger entdeckt. Ihre rechtzeitige Behandlung kann das Leben der Betroffenen retten.

Es gibt jedoch auch weniger gefährliche Varianten, bei denen eine Therapie nicht unbedingt notwendig ist. Wann Gefäßfehlbildungen behandelt werden müssen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, diskutieren Experten im Rahmen der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in Hamburg.

„Die meisten Gefäßfehlbildungen im Gehirn sind angeboren. Manche Varianten werden aber auch durch einen Bluthochdruck oder Rauchen begünstigt”, erklärt Professor Dr. med. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Neben Kopfschmerzen können die Fehlbildungen zu Krampfanfällen oder Lähmungen führen. In der Regel bleiben sie jedoch lange Zeit unbemerkt und werden zufällig entdeckt, wenn Ärzte aus anderen Gründen eine Computer- oder Magnetresonanztomographie durchführen.

Eine Behandlung von Gefäßfehlbildungen ist mittels Katheter, durch eine Operation oder eine Strahlentherapie oft möglich. Eingriffe am Gehirn sind jedoch niemals ohne Risiko. Ob und wie dringend die Patienten behandelt werden müssen, richtet sich nach Art und Gefährlichkeit der Fehlbildung. Das größte Risiko geht von einem sogenannten Aneurysma aus. Dabei handelt es sich um blasenförmige Aussackungen der großen Hirngefäße an der Schädelbasis. „Jede Blutung ist hier ein hochdramatisches Ereignis, das häufig tödlich verläuft oder schwere Behinderungen hinterlässt”, warnt Seifert. Ob diese Gefahr droht, hängt von Größe und Lage des Aneurysmas ab, wie internationale Studien gezeigt haben. Ist eine Therapie notwendig, entscheiden Neurochirurgen und Neuroradiologen gemeinsam, ob eine Operation oder eine Katheterbehandlung günstiger ist. Bei der Operation verschließen die Ärzte das Aneurysma durch einen Titan-Clip im Rahmen eines mikrochirurgischen Eingriffs. Bei der Katheterbehandlung wird das Aneurysma von innen über den Gefäßweg mit Platinspiralen ausgefüllt.

Eine weitere Gefäßfehlbildung stellen die arteriovenösen Angiome dar. Bei diesen Gefäßmissbildungen aus knäuelartig verschlungenen Blutgefäßen gelangt das Blut über die Arterien direkt in die häufig erweiterten Venen. Auch hier kann es zu einer Blutung kommen. Im Gegensatz zum Aneurysma besteht bei dieser jedoch nur selten unmittelbare Lebensgefahr. Haben Angiome geblutet, so müssen sie behandelt werden, um eine erneut Blutung zu verhindern. Auch wenn nicht blutende Angiome Symptome verursachen, zum Beispiel eine Epilepsie, ist eine Therapie angezeigt.

Aus den sogenannten kavernösen Hämangiomen oder Kavernomen, einer weiteren Gefäßfehlbildung, blutet es nur selten. Häufig kommt es jedoch über kleinste Blutungen im Kavernom selbst zu einer Größenzunahme, die dann zu neurologischen Ausfällen führen kann. Weil sich kavernöse Hämangiome häufig in tiefer gelegenen Hirnbereichen befinden, kann die Operation schwierig sein. „Bei dem insgesamt geringen Blutungsrisiko muss die Behand¬lungsnotwendigkeit daher sorgfältig gegenüber den Risiken abgewogen werden“, so Seifert.

Bei allen Gefäßfehlbildungen erfolgt die Therapie fächerübergreifend. Neurochirurgen, Neuroradiologen und Neurologen entscheiden gemeinsam, welches Vorgehen im Einzelfall am besten ist. „Die Behandlung sollte nur in einem Hirngefäßzentrum mit einem großen Patientenaufkommen und einer umfassenden Erfahrung der Ärzte durchgeführt werden“, betont Seifert, der die verschiedenen Therapieverfahren auch mit seinen Kollegen auf der DGNC-Jahrestagung diskutieren wird.

Terminhinweis:

Kongresspressekonferenz
Montag, 9. Mai 2011, 12.15 – 13.15 Uhr
Congress Center Hamburg, Saal 12, Am Dammtor/Marseiller Straße, 20355 Hamburg
Themen und Referenten:
+ Neurochirurgie – Entwicklungen des Faches und Schwerpunkte der Jahrestagung
Professor Dr. med. Manfred Westphal, Tagungspräsident, Ärztlicher Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
+ Das Kind als Patient in der Neurochirurgie: Junge Krebspatienten gezielt behandeln – Nebenwirkungen minimieren

PD Dr. med. Martina Messing-Jünger, Chefärztin der Abteilung für Kinderneurochirurgie, Asklepios Klinik Sankt Augustin

+ Tumoren der Wirbelsäule fächerübergreifend therapieren: Schmerzen lindern und Lähmungen beheben

Professor Dr. med. Bernhard Meyer, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

+ Die Zeitbombe im Kopf entschärfen: Welche Gefäßfehlbildungen des Gehirns sind gefährlich? Wie lassen sie sich behandeln?

Professor Dr. med. Volker Seifert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Klinikum und Fachbereich Medizin der Goethe-Universität, Frankfurt am Main

+ Warum Hirntumor nicht gleich Lungentumor ist: Hirntumoren stärker beforschen und individualisierte Behandlungskonzepte entwickeln

Professor Dr. med. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern

Kontakt für Rückfragen:

Silke Stark
Pressestelle
62. Jahrestagung der DGNC
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgnc.de/2011/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau