Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefährliche Ausfälle im Gesichtsfeld: Glaukom erhöht Risiko für Stürze und Unfälle

18.05.2010
Bei einem Glaukom – auch Grüner Star genannt – kommt es zu Gesichtsfeldausfällen, die bei den Betroffenen die periphere Wahrnehmung erheblich einschränken. Dies führt häufig zu Stürzen und Unfällen: Das Sturzrisiko von Glaukompatienten ist bis zu viermal so hoch wie das gesunder Menschen. Auch beim Autofahren sind sie dadurch gefährdet, ohne dies selbst wahrzunehmen. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld des World Ophthalmology Congress (WOC 2010) hin. Der weltgrößte Kongress zur Augenheilkunde findet Anfang Juni in Berlin statt.

Das Glaukom ist die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung. Oft liegt ein zu hoher Augeninnendruck der Krankheit zugrunde, wodurch der Sehnerv des Auges dauerhaft Schaden nimmt. Da der Patient zunächst keine Beschwerden hat, bleibt die Krankheit lange unbemerkt.

„Der Sehverlust beginnt außerhalb des Zentrums des Gesichtsfeldes. Menschen, die an einem Glaukom leiden, nehmen diese Ausfälle deshalb oft gar nicht wahr”, erläutert Professor Dr. med. Dr. h.c. Franz Grehn, Schriftführer der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik Würzburg. So sei die zentrale Sehschärfe, beispielsweise beim Lesen, trotz fortgeschrittenem Sehnervenschaden lange Zeit nicht beeinträchtigt. Immer mehr Objekte außerhalb des Gesichtsfeldzentrums werden jedoch übersehen. „Die Patienten haben Schwierigkeiten, Treppen zu steigen oder Schwellen und Gehsteigränder wahrzunehmen”, erklärt Grehn im Vorfeld des WOC 2010.

Das Übersehen von Hindernissen birgt zahlreiche Gefahren in sich: So konnten Studien zeigen, dass das Sturzrisiko bei Glaukompatienten 1,6 bis viermal höher ist als das von gesunden Menschen. „Das Glaukom gehört zu den häufigsten Ursachen für Schenkelhalsbrüche im Alter“, berichtet Grehn.

Eine große Gefahr birgt das Glaukom auch, wenn Betroffene Auto fahren. Nach den gesetzlichen Vorschriften dürfen innerhalb des zentralen beidäugigen 30-Grad-Gesichtsfeldes keine Ausfälle bestehen. Die Einschränkung der Fahrtüchtigkeit wird aber vom Patienten nicht wahrgenommen: „Plötzlich vom Rand her auftauchende Gefahren können leicht übersehen werden”, warnt Grehn. Sein Team testet deshalb in einer Studie die Fahrtüchtigkeit von Betroffenen in einem Fahrsimulator. Einigen Patienten gelinge es möglicherweise, die Gesichtsfeldausfälle durch vermehrte Blickbewegungen auszugleichen. Andere seien dagegen in größerem Maße unfallgefährdet. Hinzu kommt, dass im Spätstadium der Erkrankung die Wahrnehmung von Hell und Dunkel durch den allmählichen Verlust der Sehnervenzellen eingeschränkt ist. „Betroffene nehmen dunkle Objekte dann auch im zentralen Gesichtsfeld schlechter wahr. Helle Objekte verursachen früher eine Blendung”, erklärt Grehn, der die Auswirkungen eines Glaukoms auf den Alltag der Patienten auch im Rahmen des WOC 2010 diskutieren wird.

Eine Erblindung ist beim Glaukom kein unabwendbares Schicksal. „Ein frühzeitig bei der Vorsorgeuntersuchung erkanntes Glaukom lässt sich meist sehr gut behandeln”, erläutert Grehn. „Medikamente, die den Augeninnendruck senken, können dann häufig einen Sehverlust vermeiden.”

Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz anlässlich des WOC 2010
Donnerstag, 27. Mai 2010, 11.00 bis 12.00 Uhr, Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz: Raum IV, Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin
Kongresssitzung: Glaucoma Research Society Symposium: The impact of glaucoma on real life
Montag, 7. Juni 2010, 08.30 bis 10.00 Uhr, Raum Abu Dhabi, ICC Berlin,
Neue Kantstraße/Ecke Messedamm, 14057 Berlin
Mit dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010) richtet Deutschland 2010 den größten internationalen Fachkongress zum Thema Augenheilkunde aus. Neben dem 32. International Congress of Ophthalmology (ICO) finden auch der 108. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) unter dem Dach des WOC 2010 statt. Die AAD-Kurse werden vom 3. bis zum 6. Juni 2010 in deutscher Sprache abgehalten. Vom 5. bis zum 9. Juni schließt sich das internationale Programm in englischer Sprache an. Die Veranstalter erwarten mehr als 8 000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern.

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle WOC 2010
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.woc2010.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie